Demonstranten in Washington | Bildquelle: AP

Hunderttausende gegen Trump "Rebellion" in Pink

Stand: 22.01.2017 00:52 Uhr

Hunderttausende auf den Straßen und viel prominente Unterstützung: In den USA und in Städten weltweit haben Menschen gegen den neuen US-Präsidenten Trump demonstriert. Allein an der Kundgebung in Washington nahmen Schätzungen zufolge 500.000 Menschen teil.

Der Amtsantritt von Donald Trump als neuer US-Präsident und die von ihm angekündigte rücksichtslose Interessenpolitik haben weltweit Ängste, Sorgen und Proteste ausgelöst. In zahlreichen US-Städten gingen Menschen am Samstag auf die Straße, die Zahl der Teilnehmer an der größten Anti-Trump-Kundgebung "Marsch der Frauen" in Washington schwoll nach Schätzungen auf mindestens 500.000 an. Viele Demonstranten trugen pinkfarbene "Pussyhats" - eine Anspielung auf sexistische Äußerungen Trumps.

Der Andrang bei der Großdemonstration gegen den neuen US-Präsidenten könnte gar größer als bei dessen Amtseinführung am Vortag werden. Am Vormittag (Ortszeit) hätten bereits 275.000 Menschen die Washingtoner U-Bahnen und Busse genutzt, teilte das Verkehrsunternehmen WMATA mit. Das seien knapp 50 Prozent mehr als am Freitag, als Trump in der US-Hauptstadt feierlich in sein Amt eingeführt worden war.

Zu viele Menschen, um zu marschieren

Die hohe Beteiligung an dem Marsch zwang die Organisatoren zur Planänderung. Die gesamte geplante Route durch die US-Hauptstadt war von Hunderttausenden Demonstranten gesäumt, weshalb ein förmlicher Marsch in Richtung des Weißen Hauses nicht mehr möglich war, wie aus der Verwaltung des Hauptstadtbezirks verlautete. Es werde trotzdem erwartet, dass sich die Menge auf die Ellipse, einem Parkgebiet auf der National Mall vor dem Weißen Haus, zubewege, hieß es.

Die unterlegene Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton lobte den Marsch. Sie danke den Teilnehmern dafür, dass sie "für unsere Werte" einstünden, das Wort ergriffen und marschierten, schrieb die Demokratin auf Twitter. Angelehnt an ihren Wahlkampfslogan "Stronger Together" fügte sie hinzu: "Ich glaube wirklich, dass wir gemeinsam immer stärker sind."

Pop-Star Madonna überraschte die Teilnehmer mit einem Auftritt. Sie trat vor den Demonstranten auf die Bühne und hielt eine Rede, in der sie heftig über den neuen Präsidenten herzog. Sie rief die Frauen im Land auf, ihre Ablehnung deutlich zu machen, "dieses neue Zeitalter der Tyrannei zu akzeptieren. "Willkommen zu unserer Revolution der Liebe, zur Rebellion, zum Widerstand", rief sie. Unterstützt wurde der Protest auch von anderen Prominenten wie Hollywood-Star Scarlett Johansson und Regisseur Michael Moore.

Sängerin Madonna tanzt auf der Bühne des "Women's March" in Washington D.C. | Bildquelle: AP
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Die Sängerin Madonna sprach bei ihrem Überraschungsauftritt in Washington von "Revolution", "Rebellion" und "Widerstand".

300.000 protestieren in New York

Die Kundgebung gilt als Höhepunkt einer weltweiten Protestaktion von Frauen, gegen Frauenfeindlichkeit, Gewalt, Rassismus, Homophobie und religiöse Intoleranz. Trump hatte sich während des Wahlkampfes wiederholt abfällig über Frauen geäußert. Auch in New York gingen die Menschen auf die Straße: Laut Polizei waren es rund 300.000. In Los Angeles demonstrierten laut Polizei mehr als eine halbe Millionen Menschen gegen Trump.

Zum Auftakt waren bereits in Australien und Neuseeland Tausende Demonstranten auf die Straße gegangen. Geplant sind insgesamt mehr als 670 solcher "Frauen-Märsche".

Auch in London demonstrierten Tausende. "London solidarisiert sich heute mit der Welt, um zu zeigen, wie sehr wir die Rechte würdigen, die jede Frau haben sollte", sagte Bürgermeister Sadiq Khan, der die Demonstranten besuchte. Die Organisatoren des Marsches erklärten, jetzt sei der Moment gekommen, um Geschichte im Kampf für Gleichberechtigung zu schreiben. "Steht auf. Sprecht lauter. Zeigt Gesicht", forderten sie die Teilnehmer auf.

Demonstration gegen Trump | Bildquelle: AP
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Anti-Trump-Proteste - auch in Berlin.

Aktionen in Frankfurt und Berlin

In deutschen Städten demonstrierten Tausende gegen den neuen US-Präsidenten Trump. Den größten Protestzug gab es in Frankfurt am Main, wo mehr als 2000 Menschen durch die Innenstadt zogen. In Berlin versammelten sich einige Hundert Frauen und Männer vor der US-Botschaft. Der Ableger der Demokratischen Partei für im Ausland lebende US-Amerikaner (Democrats Abroad) hatte die Demonstration angemeldet, wie die Polizei mitteilte. Die Demonstrantinnen riefen "No justice, no peace" oder "I'm a feminist". Auf Plakaten standen Sprüche wie "Trump ist kein Berliner".

In München zogen rund 600 Menschen vom US-Generalkonsulat bis in die Innenstadt. In Heidelberg protestierten rund 500 Menschen für gesellschaftliche Vielfalt. Nach Angaben der Polizei verliefen alle Protestzüge friedlich.

Schlechte Umfragewerte

Trump hatte sein Amt am Freitag angetreten - begleitet von Protesten. Die USA sind nach dem erbittert geführten Wahlkampf zwischen dem Republikaner Trump und seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton tief gespalten. Die Demonstration in Washington ist unter anderem ungewöhnlich, weil die Zeit direkt nach der Amtseinführung als Phase gilt, in der dem neuen Präsidenten eher Wohlwollen entgegengebracht wird. In den vergangenen Jahrzehnten hatte kein US-Präsident bei einem Amtsantritt so schlechte Umfragewerte wie Trump.

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 21. Januar 2017 um 23:10 Uhr.

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