Demonstrant im Büro der US-Demokratin Pelosi | Bildquelle: JIM LO SCALZO/EPA-EFE/Shuttersto

Erstürmung des Kapitols Anklage gegen Randalierer

Stand: 09.01.2021 09:49 Uhr

Die Aufarbeitung der Ausschreitungen im Kapitol in Washington läuft, zahlreiche Randalierer wurden festgenommen und angeklagt. Unter ihnen ist auch der Mann, der in das Büro der Demokratin Pelosi eingedrungen war.

Die Bilder der Erstürmung des Kapitols in Washington gingen um die Welt. Darunter war auch das Foto eines Trump-Anhängers, der auf dem Bürostuhl der Demokratin Nancy Pelosi sitzt und demonstrativ die Füße auf ihren Schreibtisch legt. Für ihn und zahlreiche andere Randalierer haben die Ereignisse nun ein juristisches Nachspiel.

Richard Barnett stellte sich in seinem Heimatstaat Arkansas selbst der Polizei und wurde angeklagt. Dem 60-Jährigen drohen drei Anklagepunkte: wissentliches unbefugtes Eindringen in einen beschränkten Bereich, gewaltsames Eindringen und ordnungswidriges Verhalten auf dem Gelände des Kapitols sowie Diebstahl von öffentlichem Eigentum oder Unterlagen. Im Fall eines Schuldspruchs droht ihm bis zu einem Jahr Gefängnis.

Noch vor dem Kapitol hatte er in einem Handyvideo erklärt, er sei ein Steuerzahler und Patriot. Dies sei nicht nur Pelosis Schreibtisch, sondern auch seiner.

1/19

Der Tag, als das Kapitol in Washington gestürmt wurde

Sitzung des US-Kongresses zur Bestätigung des Wahlsiegs von Joe Biden

Der 6. Januar beginnt mit einer traditionellen Sitzung: Beide Kammern des US-Kongresses versammeln sich, um den Wahlsieg von Joe Biden zu bestätigen. Zwar haben einige Republikaner ihren Widerstand angekündigt, doch allgemein wird am Ende mit einer Bestätigung gerechnet. | Bildquelle: AP

Festnahmen und mehrere Anklagen

Bislang wurden mindestens 80 Demonstranten von FBI und Polizei identifiziert und festgenommen. Laut der Nachrichtenagentur AFP erhob die US-Justiz auf Bundesebene Anklage gegen 15 Randalierer.

Im Truck eines Demonstranten fand die Polizei Molotow-Cocktails und mehrere Waffen. Ein weiterer Randalierer habe ein Mitglied der Kapitol-Polizei geschlagen, als er sich einen Weg ins Kongressgebäude bahnte, teilte Bundesstaatsanwalt Ken Kohl mit. Ein dritter Beschuldigter betrat das Kapitol demnach mit geladener Waffe.

Fünf Tote bei Krawallen

Den Aufrührern drohen zum Teil drakonische Strafen. "Wir haben buchstäblich Hunderte Staatsanwälte und Mitarbeiter, die rund um die Uhr von drei Kommandozentralen aus arbeiten", sagte Kohl. Ermittler prüften Hinweise, Fotos und Material aus sozialen Medien, um weitere Verdächtige zu identifizieren. Das FBI veröffentlichte bereits erste Fahndungsplakate.

Wütende Trump-Anhänger waren am Mittwoch ins Kapitol in Washington eingedrungen. Wegen der Ausschreitungen mussten die Parlamentarier in Sicherheit gebracht werden. Eine Demonstrantin wurde von der Polizei erschossen, drei weitere Menschen kamen bei medizinischen Notfällen im Umfeld des Parlamentssitzes ums Leben. Am Donnerstag erlag zudem ein Polizist seinen Verletzungen.

Mit Informationen von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Januar 2021 um 06:00 Uhr.

Darstellung: