Blick in die Runde der Geladenen auf dem Amazonasgipfel in Leticia. | Bildquelle: REUTERS

Amazonasgipfel "Für das Überleben unseres Planeten"

Stand: 07.09.2019 03:51 Uhr

Der Regenwald erstreckt sich über mehrere Staaten - die haben auf einem Gipfeltreffen darüber beraten, wie er besser geschützt werden kann. Auch Brasiliens Präsident Bolsonaro schickte eine Botschaft.

Angesichts der schweren Brände im Regenwald haben sieben Staats- und Regierungschefs der Amazonas-Anrainerstaaten einen Pakt geschlossen, um bessere Schutzmaßnahmen zu vereinbaren. Der nach der Stadt Leticia im Dreiländereck zwischen Peru, Kolumbien und Brasilien benannte Pakt sieht vor, dass ein gemeinsames Kooperationsnetzwerk eingerichtet wird, über das Wetterdaten sowie Informationen zu illegaler Abholzung und illegalen Bodenschatz-Minen ausgetauscht werden sollen.

In Leticia fand das eintägige Gipfeltreffen der Präsidenten Kolumbiens, Perus, Ecuadors und Boliviens statt. Außerdem nahmen der Vize-Präsident von Suriname und der Umweltminister von Guyana teil. Zum Auftakt hatte der kolumbianische Präsident Ivan Duque die Regierungsvertreter der Region in einer traditionellen Hütte der indigenen Gemeinschaften im Dschungel empfangen. Dort wurden sie von Tänzern mit Federkopfschmuck begrüßt. Mehrere Konferenzteilnehmer trugen selbst traditionelle Schmuckstücke aus der Amazonasregion, um ihre Wertschätzung zu zeigen.

Die Teilnehmer des Amazonasgipfels im kolumbianischen Leticia posieren für ein Abschlussfoto. | Bildquelle: REUTERS
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Die Teilnehmer des Amazonasgipfels im kolumbianischen Leticia posieren für ein Abschlussfoto.

Bolsonaro wettert gegen internationale Hilfe

Doch auch auf dem Amazonasgipfel zeigten sich ideologische Gräben: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro, der wegen eines bevorstehenden medizinischen Eingriffs nicht teilnehmen konnte, ließ sich durch Außenminister Ernste Araújo hochrangig vertreten. In einer Videoschalte forderte er die anderen Gipfelteilnehmer jedoch auf, Widerstand gegen eine Internationalisierung beim Regenwaldschutz zu leisten: "Wir müssen eine starke Position einnehmen und unsere Souveränität verteidigen, so dass jedes Land die beste Politik für die Amazonasregion entwickeln kann", sagte er. "Wir dürfen das nicht in die Hände von anderen Ländern geben.

Duque beklagte, in den vergangenen Jahren habe das Amazonasgebiet Tausende Hektar Regenwald verloren, weil durch Brandrodung illegal neue Weide- und Ackerflächen geschaffen wurden. Er plädierte eindringlich für den Schutz des Regenwalds. "Amazonien ist unser Erbe, unterliegt unserer Souveränität, aber wir können es mit der Welt teilen. Es ist ein Schatz, den wir alle gemeinsam hüten müssen", sagte er und erinnerte an die Rolle des Waldes für das Weltklima: "Dies ist entscheidend für das Überleben unseres Planeten".

Morales trägt Botschaft singend vor

Bolsonaro wiederholte auch seinen Kolonialismus-Vorwurf, den er nach der Bereitstellung eines multinationalen Hilfsfonds für den Regenwald an die G7 gerichtet hatte. Brasilien ist von den Bränden im größten Tropenwald der Erde am stärksten betroffen - der rechtsextreme Bolsonaro war jedoch die Lösch- und Rettungsarbeiten sehr zögerlich angegangen. Dies hatte ihm massive internationale Kritik eingebracht.

Boliviens Präsident Evo Morales stimmte ein Lied an, das von Umweltzerstörung und Raubbau an der Natur handelte. Er sagte, die Menschen müssten sich auf ein harmonisches Verhältnis zur Mutter Erde zurückbesinnen. Für seinen Vortrag bekam er in der Runde großen Beifall.

Morales war selbst zuletzt in die Kritik geraten, weil er nur sehr zögerlich reagierte, als in den vergangenen Wochen riesige Flächen in Bolivien abbrannten.

Südamerikas Staatschefs streiten über den Schutz des Amazonas
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
07.09.2019 09:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. September 2019 um 04:52 Uhr.

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