Heinz Christian Strache | Bildquelle: dpa

"Allianz für Österreich" Comeback für Strache?

Stand: 12.12.2019 19:06 Uhr

Nach dem Skandal um das Ibiza-Video hatte der ehemalige FPÖ-Chef Strache eigentlich versprochen, sich aus Partei und Politik zurückzuziehen. Doch jetzt könnte es zu einem Comeback-Versuch kommen.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Das Kapitel Ibiza sei abgeschlossen, die FPÖ sei geeint, von einer Abspaltung könne keine Rede sein: Damit reagierte Parteichef Norbert Hofer in Wien auf die Ankündigung dreier Wiener FPÖ-Landtagsabgeordneter, die Partei zu verlassen und eine eigene Fraktion unter dem Namen "Die Allianz für Österreich" zu gründen. Norbert Hofer: "Für uns ist klar, dass dieser Schritt lange geplant war."

Strache-Vertraute gründen FPÖ-Abspaltung 

Die drei Kommunalpolitiker, enge Vertraute des ehemaligen FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache, begründeten ihren Austritt aus der Partei und die Gründung der "Allianz für Österreich" mit dem Umgang der Wiener FPÖ mit Strache. Karl Baron, einer der drei Wiener Ex-FPÖ-Landtagsabgeordneten beklagt: "Die FPÖ ist zu einer Anti-Strache-Partei geworden. Wir sind nicht bereit, dies noch weiter zu vertreten."

 Spitzenkandidat Strache?

Der Initiator der neuen Gruppierung, Baron, erklärte, er könne sich gut vorstellen, dass die "Allianz für Österreich" bei den nächsten Landtagswahlen in Wien im kommenden Jahr mit Ex-FPÖ-Chef Strache an der Spitze antreten könne.

Strache liegt seit der Ibiza-Affäre mit seiner Partei über Kreuz und wird von der jetzigen FPÖ-Führung für die erheblichen Verluste bei den Parlamentswahlen Ende September verantwortlich gemacht. Strache steht unmittelbar vor dem Parteiausschluss, über den der Wiener Landesverband morgen entscheiden wird.

Der Wiener FPÖ-Landeschef Dominik Nepp, vormals ein politischer Ziehsohn Straches, wies darauf hin, dass Strache seit dem Ibiza-Skandal Mitte Mai wiederholt erklärt habe, sich vollständig aus der Politik und der Partei zurückziehen zu wollen. "Ich habe ihn natürlich beim Wort genommen, als er gesagt hat, dass er erstens der freiheitlichen Familie nicht schaden will und auch nicht spalten will, drum gebe ich auch ehrlich zu, dass ich mich einerseits enttäuscht fühle - aber vielmehr auch getäuscht."

Viel Unterstützung im Wiener Landesverband 

Vor allem im Wiener Landesverband, dem Strache - noch - angehört, verfügt der frühere langjährige Parteichef über zahlreiche Anhänger. Die drei Ex-FPÖ-Landtagsabgeordneten betonten heute, sie hätten eine Spaltung der Partei nicht gewollt. Sie würden allerdings viele FPÖ-Mitglieder kennen, die sich der neuen Partei anschließen würden.

Parteichef Hofer betonte hingegen, man dürfe nicht die Größenverhältnisse außer Acht lassen. "Die FPÖ hat 60.000 Mitglieder und 15.000 Funktionäre. Und wenn man von einer Abspaltung spricht, dann ist das tatsächlich keine. Ich kann es vergleichen: Villach hat etwa 60.000 Einwohner. Das wäre so, als würden drei Einwohner von Villach wegziehen."

Erinnerungen an Jörg Haider

Bereits am Vormittag hatte FPÖ-Chef Hofer auf die Entscheidung der drei Wiener Abgeordneten reagiert - und auf Twitter von einer "Bündnis Zukunft Ibiza"- Bewegung gesprochen, in Anlehnung an die letzte Abspaltung eines Parteiflügels von der FPÖ: 2005 hatte der damalige Parteichef Jörg Haider das "Bündnis Zukunft Österreich" gegründet und damit den Weg frei gemacht für dessen Nachfolger - Heinz-Christian Strache.

Wiener FPÖ-Abgeordnete gründen „Die Allianz für Österreich“
Clemens Verenkotte, ARD Wien
12.12.2019 18:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete BR24 am 13. Dezember 2019 um 20:04 Uhr.

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