Die Videobotschaft des japanischen Kaiser wird auf Großbildschirmen gezeigt.

Ansprache des japanischen Kaisers Akihito deutet Abdankung an

Stand: 23.12.2018 13:01 Uhr

Japanische Medien hatten zuletzt viel über Kaiser Akihitos möglichen Rückzug spekuliert. Nun hat sich der Tenno in einer Videobotschaft ans Volk gewandt. Der 82-Jährige sprach von nachlassenden Kräften und deutete eine Abdankung an, ohne sie direkt zu erwähnen.

Japans Kaiser Akihito hat sich in einer Fernsehansprache besorgt über seine nachlassenden Kräfte gezeigt. Er sei nun mehr als 80 Jahre alt, seine Kraft lasse nach und er habe bereits zwei Operationen hinter sich, sagte Akihito in einer äußerst seltenen, im Fernsehen ausgestrahlten Videobotschaft. "Ich bin besorgt, dass es für mich schwierig wird, meine Aufgaben als Symbol des Staates mit voller Kraft zu erfüllen, wie ich das bis jetzt getan habe", sagte Akihito - und deutete damit einen Rückzug an.

Direkt äußerte sich der 82-Jährige in der rund zehnminütigen Rede allerdings nicht zu möglichen Überlegungen, den Thron noch zu Lebzeiten an seinen Sohn zu übergeben. Über diese hatten vor einigen Wochen japanische Medien berichtet.

Kaiser in Japan

Japan gilt als die älteste Erbmonarchie der Welt. Sie reicht weit mehr als 1000 Jahre zurück. An der Spitze steht der Kaiser (Tenno), der bis 1946 als gottähnliches Wesen galt. Mittlerweile hat er laut Verfassung keinerlei Regierungsbefugnisse mehr und nimmt repräsentative Aufgaben war. Der Tenno ernennt offiziell den Regierungschef, verkündet Gesetzesänderungen und empfängt Staatsgäste.

Ende des Jahres 1990 wurde Akihito zum 125. Tenno ausgerufen. Sein offizielles Motto lautet: "Frieden schaffen". In der Thronfolge an erster Stelle steht der älteste Sohn, der im Todesfall des Tenno den Thron besteigt. Eine Abdankung des Kaisers ist im Thronfolgegesetz bislang nicht vorgesehen. Auf Akihito (82) würde derzeit sein Erstgeborener, Kronprinz Naruhito (56), folgen.

Abdankung nicht in Verfassung vorgesehen

Eine Abdankung sieht das japanische Thronfolgegesetz derzeit nicht vor, dieses müsste also erst einmal geändert werden. In der kaiserlichen Hierarchie ist vorgesehen, dass Akihitos ältester Sohn, der 56-jährige Kronprinz Naruhito, nach ihm Kaiser wird.

Akihito, dessen Regentschaft den Namen Heisei ("Frieden schaffen") trägt, ist der erste Tenno, der sein Amt nicht mehr als Gott antrat. Sein 1989 gestorbener Vater, Kaiser Hirohito, hatte nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg der Göttlichkeit des Kaisers entsagt.

Akihito rückte die kaiserliche Familie näher an das Volk. Zudem brach er mit anderen Traditionen, dazu gehörte auch seine Ehe mit einer Bürgerlichen. Wiederholt hatte er erklärt, dass er Japans pazifistische Verfassung der Nachkriegszeit respektiere.

Der japanische Kaiser Akihito und sein Sohn, Thronfolger Naruhito (Archivbild)
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Der japanische Kaiser Akihito und sein Sohn, Thronfolger Naruhito (Archivbild)

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. August 2016 um 12:00 Uhr.

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