Ein Wrackteil der abgestürzten Air-France-Maschine AF447 wird von einem Rettungsteam der brasilianischen Marine im Atlantik geborgen (Archivfoto vom 08.06.2009). | Bildquelle: picture alliance / dpa

Air-France-Absturz vor zehn Jahren Plötzlich verschwunden

Stand: 01.06.2019 03:26 Uhr

Es war das schwerste Flugzeugunglück in der Geschichte von Air France, 228 Menschen starben: Vor zehn Jahren verschwand Flug AF447 von den Radaren. Auf dem Weg von Rio nach Paris stürzte die Maschine ab.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

"Verspätet" - so steht es am Vormittag des 1. Juni 2009 zunächst noch auf der Anzeigentafel. Plötzlich versetzt eine Durchsage am Pariser Flughafen Charles de Gaulle wartende Verwandte und Freunde in Aufregung: "An alle Personen, die auf die Ankunft des Air-France-Fluges 447 von Rio warten: Sie werden gebeten, sich am Infoschalter von Air France zu melden."

Was die Angehörigen und Freunde da noch nicht wissen: Der Kontakt zu der Airbus-A330-Maschine ist bereits vor Stunden abgebrochen. Es herrscht eine Stille, für die es keine Erklärung gibt.

"Sie ist nicht mehr am Himmel"

Nur schreckliche Vermutungen, die Air-France-Sprecher François Brousse etwas später mehr andeutet, als dass er sie auszusprechen wagt: "Spätestens um 11:15 Uhr hätte das Flugzeug landen müssen. Der Treibstoff ist somit aufgebraucht. Sie ist also nicht mehr am Himmel."

Über den Weiten des Atlantiks werden umgehend Suchaktionen eingeleitet. Mehrere Länder entsenden Flugzeuge, Schiffe, Frankreich sogar ein Atom-U-Boot. Doch es vergehen fünf lange Tage, ehe Frankreichs Premierminister François Fillon verkündet: "Es sieht so aus, als ob die brasilianische Luftwaffe an zwei Orten Trümmer entdeckt hat, die von der Maschine stammen könnten."

Brasilianische und französische Trupps bergen Sauerstoffmasken, Sitze, schließlich sechs Leichen von Passagieren, 70 Kilometer entfernt von der Stelle, wo das Flugzeug sein letztes Signal gesendet hatte.

Wrackteile von Flug AF447 schwimmen im Atlantik (Archivfoto vom 17. Juni 2009). | Bildquelle: picture alliance / abaca
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Wrackteile von Flug AF447 (Archivfoto vom 17. Juni 2009): Alle 228 Menschen an Bord kamen bei dem Unglück ums Leben.

Umstände des Absturzes lange unklar

Spätestens jetzt ist klar: Alle 228 Menschen an Bord, darunter auch 28 Deutsche, sind tot. Die Umstände des Absturzes dagegen bleiben lange im Dunkeln, lassen Platz für immer neue Spekulation: Ist die Maschine bei einem Gewitter in der Luft explodiert? Ist sie auseinandergebrochen? Oder im Ganzen abgestürzt?

Die Suche nach dem Flugschreiber zieht sich hin, wird über Wochen und Monate immer wieder eingestellt. Doch dann, am 1. Mai 2011, fast zwei Jahre nach dem Absturz, bergen Tauchroboter aus dem Haupttrümmerfeld in rund 4000 Metern Meerestiefe doch noch das Speichermodul des Flugschreibers und einen Tag später auch den Stimmenrekorder des Cockpits.

"Das ist eine sehr gute Nachricht. Beide Rekorder sind komplett. Das wird uns erlauben, die Daten des Flugzeugsystems mit der Reaktion der Besatzung in Verbindung zu setzen", lautet die Hoffnung von Jean-Paul Troadec, Chef des französischen Büros für Flugunfalluntersuchungen. 

Piloten mit der Situation offenbar überfordert

Der Abschlussbericht, erst ein weiteres Jahr später veröffentlicht, gibt ihm recht: Zuerst vereisten die Geschwindigkeitssonden. Dann waren die Piloten mit der Situation überfordert und verfielen in Panik. Zusammen führte das ins Unglück. Bis heute ist es das schwerste in der Geschichte von Air France.

Plötzlich verschwunden - Der Absturz von Flug AF 447
Marcel Wagner, ARD Paris
31.05.2019 23:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR5 am 01. Juni 2019 um 06:51 Uhr.

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