Ein Soldat der "Freien Syrischen Armee" an einem Panzergeschütz | Bildquelle: AREF TAMMAWI/EPA-EFE/REX/Shutter

"Operation Olivenzweig" Türkische Truppen kurz vor Afrin

Stand: 11.03.2018 03:30 Uhr

Die türkische Armee und ihre Verbündeten sind weiter auf die syrische Stadt Afrin vorgedrungen. Laut Beobachtern befanden sich die Verbände am Samstag nur noch wenige hundert Meter von der Stadt entfernt.

Türkische Truppen haben Beobachtern zufolge nach einer mehrwöchigen Offensive die Außenbezirke der Stadt Afrin erreicht. Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte trennten die nordwestsyrische Stadt nur noch wenige hundert Meter von Ankaras Streitkräften.

Die Truppen hätten sich der Stadt zunächst auf der nordöstlichen Seite genähert, könnten sie aber bald umrunden und völlig belagern. Der Leiter der Beobachtungsstelle sagte, es habe "heftige Kämpfe mit Luftangriffen und Artilleriebeschuss" gegeben.

Der türkische Präsident Erdogan bei einer Rede in der Stadt Mersin | Bildquelle: AP
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Der türkische Präsident Erdogan beklagte bei einer Rede in der Stadt Mersin die fehlende Unterstützung durch die NATO.

Nach Afrin sollen weitere Städte "gesäubert" werden

Die Türkei hatte im Januar ihre Offensive gegen die syrische Kurdenmiliz YPG in der Region Afrin gestartet. Inzwischen hat das Land die Kontrolle über den größten Teil der Region. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte bei einer im Fernsehen übertragenen Rede in Mersin, nach Afrin würden auch die Städte Manbidsch, Kobane, Tal Abjad, Ras al-Ain und Kamischli "von Terroristen gesäubert".

Damit riskiert Erdogan Konflikte mit den USA, die in der Umgebung des Ortes eigene Soldaten stationiert haben. Die Kurden-Milizen sind die wichtigsten Verbündeten der USA beim Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat". Erdogan sieht dagegen in der YPG den verlängerten Arm der kurdischen Arbeiterpartei PKK und will verhindern, dass sich im Grenzgebiet zu seinem Land kurdische Milizen etablieren.

Erdogan kritisiert fehlende Unterstützung der NATO

Vor Reportern beklagte Erdogan am Samstag die fehlende Unterstützung durch die NATO. Er kritisierte das Militärbündnis, dem die Türkei angehört, wegen einer angeblichen Doppelmoral. Die Türkei habe auf Antrag Soldaten in Konfliktzonen entsandt, doch im Gegenzug keine Hilfe bekommen. Sein Land habe den Aufforderungen der Allianz zur Intervention in Afghanistan, Somalia und auf dem Balkan Folge geleistet. Jetzt sei die NATO in Syrien an der Reihe.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Türkische Truppen kurz vor syrischer Stadt Afrin
Christian Buttkereit, ARD Istanbul
11.03.2018 09:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. März 2018 um 04:58 Uhr.

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