Ein Taliban-Polizist ohrfeigt einen Jungen, der eine Straße in Kundus entlanggeht. | picture alliance/dpa

Taliban-Polizisten in Afghanistan Nicht foltern, beleidigen oder belästigen

Stand: 23.02.2022 17:03 Uhr

Der Innenminister der Taliban hat nach mehreren tödlichen Zwischenfällen der Polizei neue Vorgaben gemacht. Die Menschen in Afghanistan sollten gut behandelt werden. Bei Verstößen geht es vor Gericht.

In Afghanistan haben die regierenden militant-islamistischen Taliban neue Regeln für die Polizeikräfte des Landes erlassen. Der Grund sind tödliche Zwischenfälle.

Die Beamten sollen die Menschen gut behandeln und sie nicht foltern, belästigen oder beleidigen, wie es in den vom Kabuler Polizeisprecher Chalid Sadran auf Twitter veröffentlichten Regeln heißt. Sadran zufolge sollen die Anweisungen des Innenministeriums im ganzen Land gelten.

Bei Regelverstoß soll es vor Gericht gehen

Polizisten sollen nachts auch keine Häuser durchsuchen unter dem Vorwand, Verdächtige zu verfolgen, heißt es in den Regeln weiter. Sie sollten sich nur mit einem Gerichtsbeschluss in die Rechtsangelegenheiten der Menschen einmischen. Patrouillen dürften auf niemanden schießen, außer zur Verteidigung bei Angriffen. Wer gegen diese Regeln verstoße, werde vor ein Militärgericht gestellt.

Mehrere Zwischenfälle

In Afghanistan gab es zuletzt mehrere Todesfälle, als Taliban an Kontrollpunkten auf Autos geschossen hatten. Dabei wurden etwa ein Arzt, ein Kind und ein ehemaliger Regierungsbeamter getötet. Zur Begründung hieß, die betreffenden Autos hätten nicht angehalten. Es tauchten in sozialen Medien zudem vermehrt Videos mit Beschwerden über nächtliche Hausdurchsuchungen durch Taliban auf.

Humanitäre Lage verschärft sich zusehends

Seit der Machtübernahme geben sich die Taliban nach außen zwar moderater als während ihrer brutalen ersten Herrschaft von 1996 bis 2001. International bestehen aber erhebliche Zweifel an ihrer Zusage, die Menschenrechte zu schützen.

Hinzu kommt eine schwere humanitäre Krise, die Hälfte der Bevölkerung Afghanistans ist nach Angaben der Vereinten Nationen von Ernährungsunsicherheit bedroht. Grund dafür sind gravierende Ernteausfälle als Folge einer langen Dürre.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Februar 2022 um 06:25 Uhr.