US-Soldat in Afghanistan | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

US-Abzug aus Afghanistan "Nur Trumps Unterschrift fehlt noch"

Stand: 04.09.2019 15:56 Uhr

Tausende US-Soldaten sollen Afghanistan verlassen. Nur die Unterschrift von Präsident Trump fehle noch unter dem Abkommen mit den Taliban. Neun frühere US-Botschafter warnen vor dem Schritt.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Was wird aus Afghanistan, wenn die USA ihre Truppen von dort abziehen? Das Land könnte in einen Bürgerkrieg versinken, warnten jetzt neun frühere US-Botschafter. An einen US-Truppenabzug könne nur gedacht werden, wenn es ein endgültiges Friedensabkommen gebe.

Andernfalls könnten die Taliban den Eindruck haben, sie hätten den Krieg in Afghanistan gewonnen. Das schrieben die Diplomaten, die alle in Kabul auf der Seite des Atlantic Council, einem US-Thinktank, der sich mit Außenpolitik befasst, eingesetzt waren. Unter ihnen findet sich John Negroponte, der unter Ex-Präsident George W. Bush zunächst Chef aller US-Geheimdienste und später Vize-Außenminister war.

US-Teilabzug scheint beschlossene Sache

Doch ein Teilabzug der US-Streitkräfte aus Afghanistan scheint beschlossene Sache. 5000 der 14.000 US-Soldaten am Hindukusch sollen offenbar nach Hause geholt werden. Der US-Sondergesandte, Zalmay Khalilzad, der in neun Gesprächsrunden mit den Taliban in Doha verhandelt hat, sagte in einem Fernsehinterview mit dem afghanischen Sender TOLO News, dass die Vereinbarung unterschriftsreif sei:

"Im Prinzip ist das Dokument fertig, wir brauchen aber noch die Unterschrift des US-Präsidenten. Wenn alles gut läuft, entsprechend dem Friedensplan, werden wir innerhalb von 135 Tagen fünf Militärbasen aufgeben."

Die Reaktionen der Menschen auf den Straßen in Kabul sind unterschiedlich. Ohne die US-Truppen im Land könnte sich die Sicherheitslage verschlechtern, sagte Abdullah Sami einem Reporter der Nachrichtenagentur AP:

"Wenn die afghanische Regierung und die Taliban einen Friedensvertrag schließen, dann habe ich keine Sorge vor einem Abzug der US-Truppen. Aber solange das nicht der Fall ist, wird ein Abzug weitere Probleme verursachen."

Frieden scheint in weiter Ferne

Auch Mohammad Tariq Hotak, ein anderer Einwohner von Kabul, äußerte sich besorgt:

"Als afghanischer Staatsbürger hoffe ich, dass irgendwann alle ausländischen Truppen unser Land verlassen. Aber nur, wenn es einen anhaltenden Frieden und Stabilität in Afghanistan gibt."

Von Frieden ist Afghanistan offenbar noch weit entfernt. Anfang der Woche waren bei einem Autobombenanschlag der Taliban in Kabul mindestens 16 Menschen getötet und weitere 119 verletzt worden. In den nördlichen Provinzen des Landes gibt es anhaltende Gefechte zwischen den Taliban und den afghanischen Sicherheitskräften.

Die afghanische Regierung äußerte sich vor diesem Hintergrund besorgt über die Konsequenzen des Deals zwischen den USA und den Taliban. Das Dokument liegt Präsident Ashraf Ghani zurzeit zur Kenntnisnahme vor.

Afghanistan - Reaktionen auf Ankündigung US-Truppenabzug
Bernd Musch-Borowska, Neu-Delhi
04.09.2019 14:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. September 2019 um 15:20 Uhr.

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