Nach dem Angriff in Helmand werden Opfer abtransportiert. | Bildquelle: WATAN YAR/EPA-EFE/REX

Afghanistan Zahlreiche Zivilisten bei Angriff getötet

Stand: 23.09.2019 14:39 Uhr

Bei einem Angriff afghanischer Spezialkräfte auf Verstecke der Taliban in der Provinz Helmand sind offenbar auch Zivilisten ums Leben gekommen. Unter den mindestens 35 Opfern sollen viele Gäste einer Hochszeitsfeier sein.

In Afghanistan sind bei einem Einsatz der Armee gegen die Taliban mehrere Menschen ums Leben gekommen - darunter auch Zivilisten. Ziel des Einsatzes im Bezirk Musa Qalah, in der südlichen Provinz Helmand am Abend sei ein Unterschlupf der Islamisten gewesen, der zur Vorbereitung von Selbstmordattentätern genutzt worden sein soll. Das teilte ein Mitglied der Regionalverwaltung mit. Dabei sei auch eine Hochzeitsfeier in einem benachbarten Gebäude unter Beschuss geraten, die gerade auf dem Heimweg waren.

Zur Zahl der Toten gibt es bislang unterschiedliche Angaben: 35 Menschen seien nach Angaben des Mitglieds der Regionalverwaltung bei der Hochzeitsfeier ums Leben gekommen. Andere Regionalvertreter sprachen sogar von 40 Toten - darunter sollen auch Kinder sein.

Bei dem Feuergefecht wurden nach Auskunft des afghanischen Verteidigungsministeriums auch 22 Taliban getötet und 14 weitere festgenommen. Unter den Festgenommenen seien fünf Staatsbürger Pakistans und einer aus Bangladesch. Die Taliban erklärten, bei den Gefechten seien 18 afghanische Soldaten getötet worden. Die Armee habe mit US-Hilfe in der Nacht einen Luftangriff geflogen. Dann habe es am Boden Kämpfe mit den Taliban gegeben.

Folgenschwerer Einsatz erst vor wenigen Tagen

Es war der zweite derart folgenschwere Einsatz binnen weniger Tage. Erst Mitte voriger Woche waren bei einem US-Drohnenangriff im Osten Afghanistans zahlreiche Zivilisten getötet worden. Ziel waren Kämpfer der Islamisten-Miliz IS. Stattdessen wurden US-Militärkreisen zufolge aber auch Anwohner getroffen, die gemeinsam mit den Extremisten Pinienkerne in einem Wald geerntet hätten. Mindestens 32 Menschen seien ums Leben gekommen, darunter auch Kinder.

Präsident Ashraf Ghani entschuldigte sich für den Zwischenfall und kündigte eine Reform der Sicherheitskräfte nach den Wahlen an. Ajmal Omar, ein Mitglied des Provinzrates von Nangarhar verlangt eine Bestrafung der Verantwortlichen:

"Der Präsident sagt, er sei bestürzt über den Zwischenfall. Aber das reicht nicht. Die Bewohner unseres Dorfes wollen wissen, wer dafür verantwortlich war. Und sie wollen, dass die Verantwortlichen bestraft werden."

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres, mehr als 3800 Zivilisten getötet oder verletzt worden. Beunruhigend sei, dass in diesem Zeitraum mehr Zivilisten durch Luftangriffe und andere militärische Einsätze der Regierungstruppen getötet wurden als durch Anschläge und Angriffe der Taliban.

Mit Informationen von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. September 2019 um 13:09 Uhr.

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