Ägyptische Armeefahrzeuge auf dem Weg in den Nordsinai | Bildquelle: REUTERS

Lage auf Sinai-Halbinsel Schwere Vorwürfe gegen Ägyptens Armee

Stand: 28.05.2019 08:39 Uhr

"Totale Geringschätzung für das Leben der Anwohner": Human Rights Watch hat zwei Jahre lang die Situation auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel beobachtet. Die Lage sei verheerend.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat den ägyptischen Sicherheitskräften schwere Verstöße bei ihrem Anti-Terror-Kampf auf der Sinai-Halbinsel vorgeworfen. Statt die Bewohner des Sinai in ihrem Kampf gegen die Militanten zu unterstützen, hätten die Sicherheitskräfte "eine totale Geringschätzung für das Leben der Anwohner an den Tag gelegt und ihren Alltag in einen endlosen Albtraum verwandelt", sagte der stellvertretende Nahostdirektor von Human Rights Watch, Michael Page.

Folter und Hinrichtungen

Zwei Jahre lang hatte die Organisation nach eigenen Angaben unter anderem Folter, unrechtmäßige Verhaftungen, Verschleppungen und außergerichtliche Hinrichtungen im Norden des Sinai dokumentiert. Für die Recherchen interviewte Human Rights Watch nach eigenen Angaben 54 Bewohner des nördlichen Sinai. Befragt wurden demnach Aktivisten, Journalisten und andere Zeugen - darunter auch Mitglieder des Militärs. Darüber hinaus wertete die Organisation offizielle Erklärungen, Social-Media-Posts, Medienberichte und Dutzende Satellitenfotos aus.

Der Norden der Sinai-Halbinsel wird immer wieder von Gewalt zwischen Armee und bewaffneten Gruppen erschüttert. Unter anderem ist dort ein Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" aktiv. Regelmäßig kommt es zu Anschlägen, Schusswechseln und Razzien durch Polizei und Militär.

Zivilisten für Aufständische gehalten

Es handele sich inzwischen um einen nationalen bewaffneten Konflikt, schätzt Human Rights Watch die Lage ein. Zwischen 2014 und Juni 2018 seien mehr als 3000 mutmaßliche Islamisten und mehr als 1200 Sicherheitskräfte bei Kämpfen getötet worden. Die Untersuchungen hätten gezeigt, dass Hunderte verletzte oder getötete Zivilisten von den ägyptischen Behörden fälschlicherweise als Aufständische geführt würden. Zudem habe es mehr als 12.000 Verhaftungen gegeben, so die Menschenrechtsorganisation weiter.

Die ägyptischen Behörden wiesen die Vorwürfe scharf zurück. Es gebe keine Menschenrechtsverletzungen auf dem Sinai, sagte der Gouverneur des Nord-Sinai, Mohammed Abdul Fadil Schuscha.

Human Rights Watch macht Ägyptens Sicherheitskräften schwere Vorwürfe
Tilo Frank, ARD Kairo
28.05.2019 11:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 28. Mai 2019 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.

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