Russische Raketen vom Typ S-400 während einer Militärparade in Moskau | Bildquelle: AFP

Rüstungsgeschäft mit Russland USA setzen Türkei ein Ultimatum

Stand: 07.06.2019 22:26 Uhr

Der geplante Kauf russischer Flugabwehrraketen sorgt bei den NATO-Partnern der Türkei seit Monaten für Ärger: Jetzt setzten die USA Ankara eine Frist - und drohen mit der Ausweisung türkischer Piloten.

Die USA haben dem NATO-Partner Türkei eine Frist bis Ende Juli gesetzt, um auf den Kauf russischer S-400-Flugabwehrraketen zu verzichten. Sollte die Regierung in Ankara nicht reagieren, droht das US-Verteidigungsministerium mit der Ausweisung türkischer Piloten aus den Vereinigten Staaten. Dabei geht es um Piloten der türkischen Luftwaffe, die an den F-35-Kampfflugzeugen der NATO trainieren.

Lieferstopp für F35-Kampfjets angedroht

Außerdem soll nach der Frist die Beteiligung türkischer Unternehmen am Bau der F-35-Maschinen dauerhaft gekappt werden, warnte die für Rüstungsaufträge zuständige Staatssekretärin des Pentagon, Ellen Lord. Die USA haben die türkische Beteiligung an der Produktion der F-35 bereits ausgesetzt.

Gleichzeitig drohten die USA mit einem Lieferstopp von F-35-Kampfjets. Die Türkei hat vier solcher Jets gekauft. Zur Endauslieferung der Maschinen werde es aber nicht kommen, wenn Ankara am Erwerb des russischen Flugabwehrsystems S-400 festhält, schrieb der geschäftsführende Verteidigungsminister Patrick Shanahan seinem türkischen Kollegen Hulusi Akar.

Shanahan verwies in seinem Schreiben darauf, dass es im US-Kongress parteiübergreifende Unterstützung für Sanktionen gegen die Türkei gebe, sollte Ankara mit dem Kauf des S-400-Systems fortfahren. Auch die Zusammenarbeit mit den USA und innerhalb der NATO werde dadurch beeinträchtigt. Der Kauf des S-400-Systems könne zum Verlust von Arbeitsplätzen und zu Handelseinbußen führen.

Erdogan | Bildquelle: REUTERS
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Der türkische Präsident Erdogan beharrt auf das Rüstungsgeschäft mit Russland.

Erdogan beharrt auf Rüstungsdeal


Der S-400-Deal zwischen der Türkei und Russland führt bereits seit Monaten zu Spannungen mit der NATO. Die USA und andere Mitgliedstaaten befürchten, Russland könnte über das S-400-System Informationen zu NATO-Flugzeugen erlangen. Die Regierung in Washington will, dass die Türkei statt der S-400-Raketen das US-Patriot-System erwirbt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte allerdings in dieser Woche auf dem Rüstungsgeschäft mit Russland beharrt. Seine Regierung habe nicht vor, davon "einen Rückzieher zu machen", erklärte er.

Erste S-400-Lieferungen an die Türkei soll es schon im Juli geben. Nach US-Angaben hat die Türkei den Kauf von mehr als 100 F-35-Kampfjets geplant und bereits mehr als 1,25 Milliarden Dollar (1,11 Milliarden Euro) in das Programm investiert.

Russland hatte erklärt, von Seiten der Türkei habe es keine Anfrage gegeben, die unterzeichneten Verträge zu überarbeiten. "Alles - Lieferung und Montage - wird in diesem Sommer ausgeführt", sagte Vizeregierungschef Juri Borissow der Agentur Interfax zufolge. Nach Angaben des russischen Staatskonzerns Rostec wurde die Ausbildung türkischer Spezialisten an der Waffe abgeschlossen. "Ich hoffe, dass wir in zwei Monaten mit den Lieferungen beginnen", sagte Rostec-Leiter Sergej Tschemesow im russischen Fernsehen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juni 2019 um 22:00 Uhr.

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