Forschungsstation auf Mauna Loa  | SWR

ARD-Dokumentation Massiver Anstieg von Kohlendioxid

Stand: 01.11.2022 16:23 Uhr

Einen so schnellen CO2-Anstieg wie jetzt habe es noch nie gegeben, warnen Klimaforscher. Sie sammeln Belege, wie Klimawandel, Erderwärmung und die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre zusammenhängen.

Von Nick Schader, Thomas Aders, Stefan Venator, SWR

Hoch oben auf dem Vulkan Mauna Loa auf Hawaii liegen die Gebäude des Mauna Loa Observatory, die auf den ersten Blick wirken wie eine Forschungsstation auf dem Mars. Seit Jahrzehnten wird hier der CO2-Gehalt in der Atmosphäre erforscht. Dass die Station in mehr als 3300 Metern Höhe mitten in der kargen Vulkanlandschaft errichtet wurde, hat einen guten Grund. Weit weg von der menschlichen Zivilisation sind die CO2-Messungen wenig beeinflusst von Städten, Verkehr oder Industrieabgasen.

Eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen

Die "Keeling-Messreihe", die hier durchgeführt wird, ist eine der weltweit wichtigsten Messreihen zum Klimawandel. Ununterbrochen analysieren Wissenschaft dafür die CO2-Konzentration in der Atmosphäre – seit mittlerweile mehr als 60 Jahren. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die CO2-Konzentration steigt in einem noch nie dagewesenen Tempo an, erklärt Aidan Colton, der verantwortliche Wissenschaftler am Mauna Loa Observatory: "Was wir sehen, das ist förmlich eine Explosion von Kohlendioxid in der Atmosphäre, und zwar im globalen Maßstab. Das ist etwas, das die menschliche Zivilisation noch niemals auf unserem Planeten gesehen hat."

In der ARD Mediathek schauen: Dokumentation „Kampf ums Klima“

Der Mensch ist schuld

Einen so schnellen Anstieg wie jetzt habe es noch nie gegeben. Und die CO2-Konzentration ist mittlerweile so hoch wie zuletzt vor rund drei Millionen Jahren. Der Klimaforscher Aidan Colton sammelt jeden Tag Belege dafür, wie Klimawandel, Erderwärmung und die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre zusammenhängen. Für ihn, wie für nahezu alle forschenden Klimawissenschaftler, ist längst bewiesen, dass der massive CO2-Ausstoß des Menschen die Hauptursache für den Klimawandel ist: Wir können das Kohlendioxid mittlerweile chemisch analysieren und dadurch zeigen, dass es aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern stammt. Und dass CO2 wie ein Treibhausgas wirkt, ist seit Jahrzehnten bewiesen. Daher ist es auch völlig unstrittig, dass der Mensch hierdurch die Erderwärmung verursacht.

Die Leugnung von Fakten

Doch nicht nur in den USA werden seit Donald Trump wieder verstärkt Zweifel gesät am menschengemachten Klimawandel. Auch in Deutschland bestreiten unter anderem rechte Parteien oder auch sogenannte "Querdenker", dass der Mensch Schuld an der Misere ist. Das widerspricht allerdings diametral der Wissenschaft, wo laut Umfragen mehr als 97 Prozent aller aktiven Klimaforscher weltweit den menschengemachten Klimawandel als längst bewiesen erachten. Der renommierte Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung kennt diese Diskussion seit langem.

Mir ist seit Jahrzehnten klar, dass viele der Argumente von Klimaskeptikern in Deutschland, auch von der AfD, aus der Öl- und Kohlelobby aus den USA stammen - die ja ihre Thinktanks finanzieren, die diese Scheinargumente und Pseudoexpertisen produzieren, um die Öffentlichkeit über den Klimawandel zu verwirren und das so darzustellen, als sei es noch umstritten.

Auch Klimaschutz-Minister Robert Habeck hat kein Verständnis für Menschen, die wissenschaftliche Fakten bestreiten. Im Interview für die ARD-Dokumentation „Kampf ums Klima“ zeigte er sich verärgert über die Leugner-Szene: "Mit Ignorieren und Leugnen kommt man nicht gut durchs Leben, weil man ja konfrontiert wird mit den Ergebnissen seines Leugnens: Die Hitze, die Trockenheit, die Unwetterphänomene werden die Gesellschaft, die Gesellschaften stark beuteln."

Die Energiewende stockt

Doch der Minister hat ein Problem. Denn die Energiewende kommt immer noch nicht richtig in Fahrt, das zeigt eine aktuelle Auswertung des SWR zum Ausbau der Windkraft in Deutschland. Dabei habe sein Ministerium den Weg frei gemacht für einen beschleunigten Aufbau von Windenergie, betont Robert Habeck. Einige Bundesländer, wie zum Beispiel Bayern, würden aber bei der Energiewende einfach nicht mitziehen, so die Kritik des Bundeswirtschaftsministers an der bayerischen Landesregierung: "Es ist ja nicht so, dass ich ins Amt gekommen bin, um Atomkraftwerke länger laufen zu lassen und Kohlekraftwerke ans Netz zu bringen. Es liegt daran, dass die Erneuerbaren Energien im Südosten dieser Republik nicht stark genug ausgebaut sind. Daran liegt es." Und daher, so Habeck, könne man auch nicht sagen, man habe in Bayern ja schließlich so viele Solarpaneele - denn auch in Bayern scheine nachts die Sonne nicht.

Windkraftausbau verlangsamt sich sogar

Recherchen des SWR im Rahmen der Doku-Dreharbeiten zeigen, dass sich der Windkraftausbau in Deutschland in den ersten neun Monaten des Jahres gegenüber dem Vorjahr sogar etwas verlangsamt hat. Deutschlandweit wurden bis 30. September dieses Jahres 612 neue Genehmigungen für Windräder erteilt. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum 660, in Spitzenjahren waren es sogar doppelt so viele (2014: 1212 Genehmigungen). Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern enorm. So wurden nach Recherchen des SWR in Nordrhein-Westfalen in den ersten 9 Monaten 146 Genehmigungen für Windräder erteilt, während der Ausbau in Bayern (5) oder Sachsen (7) fast zum Erliegen gekommen sei. Bundeswirtschaftsminister Habeck hält diesen schleppenden Ausbau für äußerst problematisch:

Ich habe den Eindruck, dass sich einige Bundesländer hinter der Gesetzgebung des Bundes verstecken und sagen, das ist alles so fürchterlich. Aber andere Länder zeigen, dass es geht. Und wir brauchen keine Regierungen mehr, die politisch nicht in die Verantwortung gehen. Diese Zeit ist vorbei.

Die ARD-Dokumentation "Kampf ums Klima" läuft am 1.11.2022 um 22:50 Uhr im Ersten.

Über dieses Thema berichtet die ARD-Sendung "Kampf ums Klima" am 01. November 2022 um 22:50 Uhr.