Eigenheim Wohngebiet | Bildquelle: dpa

Steuern und Abgaben Wie der Staat das Wohnen verteuert

Stand: 29.05.2019 03:19 Uhr

Die Mieten steigen und die Preise für Häuser explodieren. Schuld daran sind nicht nur Wohnkonzerne und Bauunternehmer. HR-Recherchen zeigen: In drei Bereichen macht vor allem der Staat das Wohnen teuer.

Von Marcus Pfeiffer, HR

Was machen Bund, Länder und Kommunen nicht alles, um mehr Menschen zu eigenem Wohnraum zu verhelfen: Quoten für Sozialwohnungen, Baukindergeld, Mietpreisbremse - und doch: Die Mieten steigen, die Nebenkosten explodieren und Häuser sind kaum noch bezahlbar.

Schuld daran sind nicht nur Vermieter oder Bauunternehmer. Meistens macht der Staat Wohnen mit Abgaben und Normen teuer und kassiert dabei mit. HR-Recherchen zeigen nun, dass es Nachholbedarf vor allem in den folgenden drei Bereichen gibt: Mehrwertsteuer auf Mietnebenkosten, hohe Steuern und Abgaben, die die Eigenheimförderung unwirksam machen und die unterschiedlichen Baunormen in den Bundesländern.

Mehrwertsteuer auf Mietnebenkosten

Bei Mietern schlagen vor allem die Mietnebenkosten zu Buche. "Wir reden hier oft schon von einer doppelten Miete", sagt Regina Kamm vom Mieterbund Darmstadt. Ein Rechenbeispiel anhand des Ehepaars Sofie und Daniel Passmann aus Darmstadt zeigt Folgendes: Sie wohnen zur Miete in der hessischen Großstadt. Größter Preistreiber ist die Standard-Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Alle Posten, die auf diese Steuer anfallen, ergeben eine jährliche Abgabenlast von fast 300 Euro - in diesem Fall zwei Drittel einer Monatsmiete.

"Eine Lösung wäre die Absenkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent - wie bei lebensnotwendigen Lebensmitteln und Wasser", sagt Kamm vom Mieterbund. Die Passmanns könnten dadurch 200 Euro Mietnebenkosten pro Jahr sparen und damit deutlich günstiger wohnen.

Steuern machen Eigenheimförderung unwirksam

Immer weniger junge Menschen leisten sich in Deutschland ein Eigenheim, weil sie es trotz günstiger Zinsen kaum finanzieren können. "Wir haben mittlerweile eine Vielzahl von Förderungen, aber der Staat greift auch mächtig zu bei den Steuern und Gebühren", sagt Kai Warnecke von Haus und Grund Deutschland.

Das zeigt sich am Beispiel der dreiköpfigen Familie Schmidt aus Friedberg in Hessen, die ein Eigenheim besitzt: Bei den Gesamtkosten in Höhe von rund 600.000 Euro schlägt der Staat vor allem bei der Mehrwertsteuer, den Grundbuch- und Notarkosten sowie der Grunderwerbssteuer zu. Etwa 79.000 Euro summieren sich hierbei.

Die Grundbuchkosten und die Grunderwerbssteuer der Schmidts entsprechen in etwa sogar der Fördermenge für das neu geschaffene Baukindergeld. "Es ist ein ganz klares Signal, hier müsste man reduzieren und die Förderungen anpassen, um das Bauen auch wieder bezahlbar zu machen", sagt Warnecke.

Familie Schmidt | Bildquelle: HR
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Familie Schmidt aus Friedberg in Hessen besitzt ein Eigenheim und musste viel Geld für Grunderwerbssteuer, Grundbuch- und Notarkosten zahlen.

Unterschiedliche Bauordnungen in Bundesländern

Jedes Bundesland leistet sich zudem eine eigene Bauordnung. Über 3000 Normen sind zusätzlich zu beachten - und es werden ständig mehr. Neu dazu kommen vor allem Brandschutzregeln, Lärmschutzrichtlinien oder Energievorschriften. Das richtige Dämmen und Isolieren der Wände ist nur eines von vielen Beispielen, die ein Eigenheim teuer machen.

"Die Standards sind so weit erhöht worden, dass das Bauen kaum mehr bezahlbar ist, und sich der Wohnungsbau immer mehr an Hocheinkommensbezieher richtet", so Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Die Niederlande seien ein gutes Vorbild, an dem sich Deutschland orientieren könnte, so Voigtländer: "Die Niederländer haben es geschafft, die Bauordnung zu reformieren und die Baukostenentwicklung wirklich zu stoppen."

Familie Hoogeboom aus Rotterdam musste beispielsweise für ihr Reihenhaus nur rund 900 Euro an Grundbuch- und Notarkosten an den Staat zahlen. Bei Neubauten fällt in den Niederlanden keine Grunderwerbssteuer an. "Wir sind glücklich, dass wir so entspannt bauen konnten", freut sich die Familie.

Über dieses Thema berichtete das Erste am 29. Mai 2019 um 21:45 Uhr in dem Wirtschaftsmagazin "Plusminus".

Korrespondent

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