Die Masten eines Skilifts stehen im Schnee auf der Zugspitze. | BR/Martin Breitkopf

Energiesparen an der Zugspitze Schmalere Pisten, unbeheizte Lifte

Stand: 09.11.2022 10:11 Uhr

An der Zugspitze steht die Wintersaison bevor. Um Energie zu sparen, lässt der Bergbahnbetreiber Lifte langsamer laufen, die beschneiten Pistenkilometer werden weniger. Und: Es wird deutlich teurer.

Von Lui Knoll, BR

"Das größte Einsparpotenzial haben wir bei der künstlichen Beschneiung", sagt Matthias Stauch. Der Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn hofft trotz wärmer werdender Winter in den vergangenen Jahren auf ausreichend Naturschnee. Ein Fünftel der Stromkosten des Unternehmens von insgesamt 2,5 Millionen Euro in der vergangenen Saison 2021/2022 verursachte der maschinell erzeugten Schnee.

Von den vier Talabfahrten im Skigebiet Garmisch-Classic bleiben nach jetzigem Stand drei Talabfahrten während der Saison durchgehend beschneit. Eingespart werden soll an der Breite der Pisten, an der Mächtigkeit der Schneedecke und an verschiedenen Varianten, die dem Rotstift zum Opfer fallen.

"Viele kleine Einsparungen"

Wintersport wird wieder "naturnaher": Die Sitze der Sessel-Lifte werden nicht mehr beheizt, und die Heizstrahler auf der Sonnenterasse sollen in diesem Winter kein Gas verbrennen. "Viele kleine Einsparungen ergeben am Ende eine Menge Energie, die wir sparen können", sagt der Zugspitzbahn-Chef.

Seit 2014 analysiert das Unternehmen seinen Energieverbrauch über Energie-Audits. Die Schwachstellen liegen bei schlecht isolierten Fenstern und Leitungen von Gebäuden. Von neun Gigawattstunden Strom, die die acht Bergbahnen mit Skiliften, Gastronomie und Werkstätten verbrauchen, entfallen 40 Prozent auf die Beförderungsanlagen, 20 Prozent auf die Beschneiung und 40 Prozent auf Gastronomie und Bewirtschaftung der Gebäude. Das seien dreimal so viel Strom "wie das Oktoberfest in München in zwei Wochen verbraucht", rechnet das Unternehmen vor.

Viele Jobs vom Tourismus abhängig

"Zusperren ist keine Alternative", sagt Stauch. In der Region sind mehr als 50 Prozent der Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig. Von den 1,9 Millionen Übernachtungsgästen in Garmisch-Partenkirchen pro Jahr werden ohne den Wintersport in den Wintermonaten deutlich weniger übrigbleiben.

Die Energiekrise führt auch hier zu stark gestiegenen Preisen. Im Schnitt um zehn Prozent ist es im Vergleich zur vergangenen Saison teurer geworden. Der Skipass kostet in der am 2. Dezember beginnenden neuen Wintersaison auf der Zugspitze 57 Euro, im Skigebiet Garmisch-Classic 55 Euro.

Dazu hat das Unternehmen einheitliche Parkgebühren von fünf Euro pro Fahrzeug auf allen Parkplätzen eingeführt. Für Saisonkarteninhaber wird ein Parkticket für den Winter in Höhe von 45 Euro angeboten. Bei diesen Kosten wird die Anreise mit der Bahn attraktiv: Das kombinierte Ticket Zugfahrt und Skipass kostet für den Erwachsenen 65 Euro ab München.