Windenergieanlagen im brandenburgischen Windenergiepark "Odervorland" | Bildquelle: dpa

Erneuerbare Energien So viel Windstrom wie nie zuvor

Stand: 30.11.2019 07:41 Uhr

Zwar stockt der Ausbau der Windenergie in Deutschland, doch die Stromerzeugung mit Wind erreicht Rekordwerte. Grund ist laut Energiekonzernen das windreiche Jahr 2019. Der Bedarf der deutschen Haushalte ließe sich schon jetzt damit decken.

In Deutschland ist noch nie so viel Strom mit Windkraft erzeugt worden wie in diesem Jahr. Bis zum Wochenende hatten die Windräder an Land und auf See nach Berechnungen des Energiekonzerns Eon fast 108.000 Gigawattstunden Strom produziert. Das seien etwa 15 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres und fast genauso viel wie im gesamten vergangenen Jahr. Mit der bereits in diesem Jahr erzeugten Menge an Windenergie ließe sich Eon zufolge der Stromverbrauch aller deutschen Haushalte für ein komplettes Jahr decken.

Grund für den Rekord sei das bisher ungewöhnlich windreiche Jahr 2019. Intensive Tiefdruckgebiete hätten im Frühjahr und im Herbst für überdurchschnittlich viel Windstrom gesorgt. Ende November hätten zudem Ausläufer des ehemaligen Tropensturms "Sebastien" die Windräder besonders kräftig angetrieben.

Nach Zahlen der Bundesnetzagentur lieferten Windkraftanlagen beispielsweise am vergangenen Donnerstag rund 48 Prozent der an diesem Tag in Deutschland erzeugten Strommenge. Der starke Wind in diesem Jahr wirkt sich auch auf die gesamte in Deutschland erzeugte Ökostrommenge aus: Bis Ende November 2019 wurden den Eon-Zahlen zufolge mit 202.000 Gigawattstunden knapp zehn Prozent mehr Ökostrom produziert und in die Netze eingespeist als im Vorjahreszeitraum. Rund die Hälfte des bisher erzeugten Ökostroms stammte dabei von Windrädern an Land und auf See.

Ausbau der Windenergie stockt gewaltig

Der Ausbau der Windkraft ist in Deutschland fast zum Erliegen gekommen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres gab es den schwächsten Zubau an Windrädern in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Zwischen Januar und September 2019 gingen nur 150 neue Anlagen ans Netz. An den Auktionen der Bundesnetzagentur für neue Windkraftanlagen beteiligen sich nur noch wenige Bieter. Hauptgründe für den weitgehenden Stillstand sind lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und Klagen gegen neue Anlagen.

Die Energiebranche sowie Umweltverbände befürchten, dass die Ausbaukrise sich weiter verschärft. Die Ministerpräsidenten der fünf Nord-Bundesländer hatten am Tag zuvor einen Elf-Punkte-Plan zur Belebung der Windenergie vorgelegt. Sie fordern unter anderem einen starken Ausbau der Windenergienutzung auf See, das Ausschöpfen aller möglichen Flächen für Anlagen, die Optimierung des Netzausbaus und die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. November 2019 um 08:15 Uhr.

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