Containerterminal im Hamburger Hafen.  | dpa

Deutsche Seehäfen Warnstreiks mit Folgen für Containerschiffe

Stand: 09.06.2022 14:04 Uhr

In Deutschlands großen Seehäfen gibt es heute Warnstreiks von Hafenarbeitern. Spürbare Folgen beim Be- und Entladen von Schiffen sind zu erwarten. Ein weiteres Problem in den Lieferketten droht als Folge eines Streiks in Südkorea.

Wegen eines Warnstreiks der Hafenarbeiter an Deutschlands großen Seehäfen drohen im Laufe des Tages erhebliche Verzögerungen bei der Abfertigung der Schiffe. Die Gewerkschaft Ver.di will mit den mehrstündigen Arbeitsniederlegungen im Vorfeld der morgigen dritten Runde der Tarifgespräche in Hamburg mehr Druck auf den Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) ausüben. Von den Warnstreiks ist die Spätschicht in den Häfen Hamburg, Emden, Bremen, Bremerhaven und Wilhelmshaven betroffen. Da rund 70 Prozent der Beschäftigten Mitglied in der Gewerkschaft sind, wird mit großen Auswirkungen gerechnet, wenn die Schiffe be- und entladen werden.

Warnstreik in Norddeutschland

Ver.di verlangt für die rund 12.000 Beschäftigten in den 58 tarifgebundenen Seehafenbetrieben in Hamburg, Niedersachsen und Bremen unter anderem einen nicht näher bezifferten "tatsächlichen Inflationsausgleich" sowie eine Anhebung der Stundenlöhne um 1,20 Euro. Die Arbeitgeberseite bietet bislang an, in diesem und im nächsten Jahr die Löhne um 3,2 und 2,8 Prozent anzuheben sowie Einmalzahlungen von insgesamt 600 Euro. Die Arbeitgeberseite hält daher die Warnstreiks für verantwortungslos und inakzeptabel.

Die Hafenbetriebe sind derzeit infolge der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen weltweiten Chaos bei der Containerschifffahrt extrem belastet. Gestörte Lieferketten mit teils wochenlangen Verspätungen der Containerschiffe haben dazu geführt, dass es in den Häfen kaum noch Stellplätze gibt, da Container nun zwischengelagert werden müssen, die sonst innerhalb weniger Stunden weitertransportiert werden. Auf der anderen Seite warten immer mehr Schiffe auf ihre Abfertigung und stauen sich bereits in der Deutschen Bucht. Laut dem vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erhobenen "Kiel Trade Indicator" stecken in der Nordsee vor den Häfen Deutschlands, Hollands und Belgiens derzeit knapp zwei Prozent der globalen Frachtkapazität fest.

Streik in Südkorea

Und auch ein Streik in Südkorea hat das Potenzial, sich in Deutschland bemerkbar zu machen. Tausende südkoreanische Lkw-Fahrer haben bereits den dritten Tag in Folge ihre Arbeit niedergelegt. Dadurch wurden Transporte aus Häfen und Containerlagern unterbrochen. Südkorea ist international dank weltweit agierender Konzerne wie Samsung, Hyundai oder Kia stark vernetzt. Die globalen Lieferketten sind nach wochenlangen Lockdowns in chinesischen Städten wie China ohnehin angespannt.

Der Verband der südkoreanischen Automobilindustrie bezeichnete den Streik als "extrem egoistisch". Die Branche, die ohnehin unter dem weltweiten Mangel an Halbleitern leidet, werde dadurch weiter unter Druck gesetzt. Beim Autobauer Hyundai kam es bereits zu Produktionsunterbrechungen. Auch der Reifenhersteller Hankook Tire & Technology und der Stahlkonzern Posco meldeten Probleme.

"Das Land ist aber außerhalb des geografischen Europas der fünftwichtigste Handelspartner Deutschlands und damit sogar wichtiger als Mexiko oder Kanada", hieß es dazu vom IfW.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. Juni 2022 um 13:55 Uhr.