Gerichtszeichnung: Urteilsverkündung Oliver Schmidt/VW | Gerichtszeichnung/Carole Kabrin

Urteil gegen Manager Haft für "Schlüsselfigur" im VW-Skandal

Stand: 20.01.2021 16:23 Uhr

Die Hoffnung von Ex-VW-Manager Schmidt auf ein milderes Urteil hat sich nicht erfüllt: Wie erwartet wurde der frühere Leiter des Umweltbüros des Konzerns in den USA zu sieben Jahren Haft sowie einer Geldstrafe verurteilt.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington, zzt. Detroit

Es war ein bitterer Tag für Oliver Schmidt und seine im Gerichtssaal anwesende Ehefrau. In roter Häftlingskleidung, Handschellen und Fußfesseln kam er mit kurzen Trippelschritten in den Gerichtssaal. Nach elf Monaten in US-Gefängnissen sah er blass aus. Kurz vor dem Urteilsspruch erteilte ihm Bundesrichter Sean Cox das Wort. Er übernehme die Verantwortung für seine Vergehen, gestand Schmidt, appellierte aber auch an das Mitgefühl des Richters.

Martin Ganslmeier

Die vergangenen Monate seien die schlimmsten in seinem Leben gewesen. Schon die Verhaftung auf der Herrentoilette im Flughafen Miami habe er als erniedrigend empfunden. Mit tränenerstickter Stimme sagte der 48-Jährige, er könne sich nicht vorstellen, weitere sechs Jahre inhaftiert zu sein.

Schmidt als "wichtige Schlüsselfigur"

Bundesrichter Cox machte deutlich, dass ihm das Urteil gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit nicht leicht falle. Dann begründete er, warum dennoch die höchstmögliche Strafe gerechtfertigt sei. Schmidt sei zwar nicht allein verantwortlich, aber doch eine "wichtige Schlüsselfigur" im Dieselskandal. Bis zuletzt habe er die US-Behörden in die Irre geführt. Und zwar nicht nur auf Anweisung seiner Vorgesetzten, sondern auch um im VW-Konzern "zu glänzen, die Geschäftsleitung zu beeindrucken und die Karriereleiter hochzuklettern".

Dies sei für das harte Urteil entscheidend gewesen, betonte Larry Vellequette von der Wochenzeitschrift "Automotive News", der das Verfahren von Beginn an verfolgt hat: "Aus Schmidts E-Mails ging hervor, dass er versuchte, seine eigene Karriere voranzubringen, indem er aktiv bei der Vertuschung half. Das schadete seiner Verteidigung."

"Mr. Schmidt war nicht der Mastermind"

Schmidt reagierte gefasst auf das Urteil. Seine Ehefrau brach jedoch in Tränen aus. Zuvor hatte Schmidts Verteidiger David DuMouchel vergeblich für eine mildere Strafe plädiert. Wörtlich sagte er: "Mr. Schmidt war nicht Mastermind hinter dem Betrugsskandal. Erst gegen Ende wurde er unter dem Druck seiner Vorgesetzten Teil der Verschwörung."

Dieser Argumentation konnte der Richter nicht folgen, meint Larry Vellequette: "Dass Schmidt angeblich nur Befehlen von oben gefolgt ist und keine Verantwortung hatte, das hat der Richter der Verteidigung nicht abgekauft. Das wird im Strafmaß deutlich."

Auch die Anklage betonte, Schmidt sei nicht erst Mitte 2015 Teil der Verschwörung geworden. Wenn man seine E-Mails aus dem Frühjahr 2014 lese, werde deutlich, dass er schon damals von dem Betrug gewusst habe. Darüber hinaus habe Schmidt nach Aufdeckung des Dieselskandals wichtige Mails und Dokumente gelöscht und Mitarbeitern geraten, das Gleiche zu tun.

Ex-VW-Chef Winterkorn als Teil der Verschwörung?

Besonders interessant fand Prozessbeobachter Vellequette, dass die Anklage mehrere Male den Namen des früheren VW-Chefs Martin Winterkorn nannte: "Sie glaubt, dass Winterkorn Teil der Verschwörung war, auch wenn er bisher nicht angeklagt ist. Es war der verzweifelte Versuch, endlich Gerechtigkeit aus Deutschland zu bekommen."

Das machte auch Richter Cox am Ende deutlich: Während Schmidt für seine Vergehen büßen müsse, seien die obersten Verantwortlichen bislang ungeschoren davon gekommen. Manche strichen weiter ihre Boni ein und hätten keine finanziellen Nachteile zu befürchten.

So bitter der Tag für Schmidt und seine Frau war, für VW ist der Dieselskandal in den USA damit so gut wie abgehakt.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 06. Dezember 2017 um 00:15 Uhr.