Ein Hinweisschild zum Coronatest-Container ist auf dem Werksgelände der Volkswagen AG in Wolfsburg zu sehen.  | Bildquelle: dpa

An deutschen Standorten VW setzt auf eigene Corona-Tests

Stand: 26.08.2020 08:35 Uhr

Bund und Länder streiten über die Teststrategie, da die Labore mit den vielen Corona-Tests kaum noch hinterher kommen. Volkswagen hingegen bietet seinen 130.000 Mitarbeitern in Deutschland nun eigene Tests an.

Der Autobauer Volkswagen bietet seinen Mitarbeitern an den deutschen Standorten eigene Corona-Tests an. Mit den freiwilligen Tests wolle man das Risiko einer Virusausbreitung für die Belegschaft senken, teilte das Unternehmen mit. In insgesamt zehn Containern sollen bis zu 2400 Tests pro Tag ermöglicht werden.

"Zum Ende der Urlaubssaison steigt das Verbreitungsrisiko", sagte Personalvorstand Gunnar Kilian. Da gleichzeitig die Nachfrage nach Autos aber wieder anziehe, gelte es, einen neuerlichen Shutdown unbedingt zu vermeiden. Bisher seien Durchgangscontainer in Wolfsburg, Braunschweig und Emden installiert worden. Kassel, Salzgitter, Hannover, Zwickau und Dresden sollen folgen. Das Angebot gilt für 118.000 Mitarbeiter der Volkswagen AG sowie für die 10.000 Beschäftigten der VW Sachsen GmbH und die 2000 Mitarbeiter der VW Osnabrück GmbH, wie das Unternehmen auf Anfrage von tagesschau.de mitteilte.

Testergebnisse sollen binnen 24 Stunden vorliegen

In den Containern können sich Beschäftigte, die Symptome zeigen, freiwillig auf das Virus testen lassen - unabhängig davon, ob die Symptome zuhause oder am Arbeitsplatz auftreten. Bei steigenden Fallzahlen an den Standorten können Beschäftigte aus geschäftskritischen Bereichen auch unabhängig von Symptomen getestet werden. Die Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Wolfsburg, Ergebnisse der Proben sollen in der Regel nach spätestens 24 Stunden vorliegen. Dabei trägt das Unternehmen die Kosten der Untersuchungen.

Die Proben würden durch speziell auf die Testung geschulte medizinische Fachkräfte des Volkswagen Gesundheitswesens unter Leitung von Werksärzten entnommen, hieß es. Insgesamt seien über 100 Personen aus dem Gesundheitswesen dafür ausgebildet worden.

Eine VW-Mitarbeiterin wird im Coronatest-Container auf dem Werksgelände der Volkswagen AG auf Covid-19 getestet | Bildquelle: dpa
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Die VW-Mitarbeiter an den deutschen Standorten können sich an Durchgangscontainern auf Corona testen lassen. Die Ergebnisse sollen nach spätestens 24 Stunden vorliegen.

Testkapazitäten in Berlin ausgeschöpft

In Deutschland sorgte die Ausweitung der Tests in den vergangenen Wochen zunehmend für Probleme. Die neuen Regeln für Reiserückkehrer bringen das System an seine Grenzen. Deshalb schlugen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Montag vor, dass es kostenlose Corona-Tests für Urlauber bei der Einreise nach Deutschland nach dem Ende der Sommerreisesaison nicht mehr geben soll. Außerdem soll die erst kürzlich eingeführte Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten wieder abgeschafft werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel will am Donnerstag mit den Regierungschefs der Länder über das weitere Vorgehen beraten.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder lehnt Einschränkungen bei den Corona-Tests für Reiserückkehrer ab. Allerdings hatte es auch im Freistaat erhebliche Probleme bei Coronatests gegeben. Dabei wurden 44.000 Testergebnisse nicht zeitnah den Getesteten mitgeteilt - darunter waren auch 900 positiv auf Covid-19 getestete Menschen. Von 46 Infizierten fehlen die Daten.

Anfang der Woche hatte der Berliner Senat eingeräumt, dass die Kapazitäten für Tests ausgeschöpft seien. Laut Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci ist die Stadt bei 93 Prozent Auslastung. Bundesweit gibt es derzeit nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums eine "theoretische Testkapazität" von 1,2 Millionen Tests pro Woche. Aktuell sei man bei 875.000 tatsächlichen Tests pro Woche, sagte ein Ministeriumssprecher. "Die Labore sind aktuell stark belastet."

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