Audi und VW

Autos des VW-Konzerns Bei der Zulassung neuer Modelle geschlampt?

Stand: 11.10.2017 17:00 Uhr

Bei der Zulassung neuer Audi-Modelle haben Prüfer ungeprüft Angaben des VW-Konzerns übernommen. Das belegen Recherchen von NDR, WDR und SZ. Wurden die Typgenehmigungen für Millionen Fahrzeuge des VW-Konzerns auf fragwürdiger Basis erstellt?

Von Svea Eckert und Peter Hornung, NDR

Es war ein alarmierender Bericht, der auf Christian Gs Schreibtisch gelandet war. Gs Firma, das Luxemburger Unternehmen ATE, hatte Anfang vergangenen Jahres einen unabhängigen Experten ins Haus geholt, der die Abläufe der Firma analysieren sollte - in einem sensiblen Bereich. Denn ATE hat den Auftrag, neue Audi-Modelle vor der Markteinführung zu prüfen.

Die Firma macht Abgasmessungen bei Straßentests und auf Audi-eigenen Prüfständen an den Produktionsstandorten Neckarsulm und Ingolstadt. Dabei habe ATE die Messwerte dieser Prüfstände ohne hinreichende Kontrolle übernommen, stellte der Experte in deutlichen Worten fest. In einem Entwurf des Gutachtens vom Februar 2016 heißt es: "Ganz generell muss die bisherige Praxis, Prüf- und Kalibrieraufzeichnungen ungeprüft zu übernehmen, schnellstens eingestellt werden, da sie dem Sinn einer unabhängigen Inspektion diametral entgegen steht."

Prüfdienste kritisieren Zulassungsverfahren bei VW
tagesschau 17:00 Uhr, 11.10.2017, Svea Eckert/Peter Hornung, NDR

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Firma auch für Typgenehmigungen zuständig

Die Kritik traf die Firma ins Mark, denn unabhängig zu prüfen, ist wichtig für ATE. Schließlich holt die Firma in Luxemburg EU-weit gültige sogenannte Typgenehmigungen für Audi ein. Die Inspektoren von ATE sollen dem Hersteller streng auf die Finger schauen - und der Genehmigungsbehörde unabhängig erhobene Messwerte liefern. Wie viel Stickoxide ein Auto ausstößt oder wie viel CO2 - das muss von Technischen Diensten wie ATE zuverlässig festgestellt und bestätigt werden.

Zwar gibt es keine Hinweise darauf, dass Messwerte tatsächlich falsch waren. Doch die Firma hat sich offenbar nicht ordnungsgemäß nachweisen lassen, dass die Audi-eigenen Prüfstände auch richtig eingemessen waren - eine zentrale Voraussetzung für zuverlässige Daten. Der Experte stellte fest, dass man sich auf Zertifikate verlassen habe, die nicht nachwiesen, was sie hätten nachweisen sollen - und die man manchmal nicht einmal verstanden habe. So sei eines dieser Schriftstücke auf Ungarisch gewesen. Ein Untersuchungsergebnis, das ATE so wohl gar nicht haben wollte.

Dennoch stimmte ATE-Manager G. in einer E-Mail dem Experten zu, wenn auch zähneknirschend: "Ihr Bericht macht die Probleme, an denen wir arbeiten, durch die prägnante Formulierung sehr deutlich und verdeutlicht allen Betroffenen, wo und warum verbessert werden muss." G. bat allerdings, den Bericht "weniger prägnant" zu verfassen. Schließlich müsse man den internen Bericht womöglich Behörden vorlegen.

Abgasmessung bei einem VW | Bildquelle: dpa
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Abgasmessung bei einem VW - die zuständigen Prüfer stehen jetzt in der Kritik.

Zentrale EU-Norm nicht eingehalten

Der Experte formulierte dann tatsächlich etwas milder. Der schwere Vorwurf aber blieb: ATE halte eine zentrale Norm aus der EU-Gesetzgebung nicht ein: die ISO 17025. Eine Norm, die eben sicherstellen soll, dass Technische Dienste wie ATE den Behörden korrekt ermittelte Abgaswerte vorlegen. Das sei eine wichtige Regelung, sagt der Darmstädter Jura-Professor Martin Führ. Führ war Gutachter für den Bundestagsuntersuchungsausschuss zum Dieselskandal: "Wenn Prüfungen gemacht wurden, von Messstellen, die nicht den Normen entsprechen, dann ist die Qualität nicht gewährleistet und auch die Aussagekraft der Genehmigungsunterlagen in Frage gestellt."

Überhaupt sei die Norm weder bei Audi und noch im ganzen VW-Konzern bislang wirklich ernst genommen worden, heißt es in weiteren internen Berichten, die NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" ebenfalls vorliegen. Dies hätten VW-Mitarbeiter während der Prüfungen auch eingeräumt. Für Volkswagen kann so ein nachlässiges Vorgehen ein großes Problem werden. "Wenn der Hersteller Unterlagen vorlegt, die nicht zutreffend sind, dann hat er seine Pflicht verletzt", so Umweltjurist Führ: "Dann ist eine Typgenehmigung, die auf dieser Grundlage erteilt wurde, rechtswidrig."

Prüfer: Messwerte korrekt

Wurden also die Typgenehmigungen für Millionen Fahrzeuge des VW-Konzerns auf fragwürdiger Basis erstellt? Die Firma ATE weist Vorwürfe zurück: Die Korrektheit der Messwerte sei nicht anzuzweifeln, und die Vorschriften der einschlägigen EU-Richtlinie seien nicht verletzt worden. Auch Behörden hätten keine Verstöße festgestellt. Man habe aber selbst "durch kritisches Hinterfragen Verbesserungspotenzial entdeckt".

Ein VW-Sprecher erklärte, die eigenen Prüfstände seien "prüffähig" und die Abläufe bei ATE stellten sicher, dass die Firma unabhängig sei. Dennoch arbeiteten VW und Audi "seit November 2016 intensiv daran, die Anforderungen der Norm umzusetzen". Allerdings: Die Norm ist Bestandteil einer EU-Richtlinie, die seit Oktober 2007 in Kraft ist, also genau seit zehn Jahren. Und dennoch heißt es in der Stellungnahme von Volkswagen: "Ob weitere Maßnahmen zur Umsetzung notwendig sind, wird aktuell geprüft."

Prüfberichte kritisieren Zulassungsverfahren bei VW
Peter Hornung, NDR
12.10.2017 09:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Oktober 2017 um 17:00 Uhr.

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