Zwei Gasflammen brennen auf einem Küchenherd. | picture alliance/dpa
FAQ

Belastung für Verbraucher Wie teuer wird Energie noch?

Stand: 13.10.2021 07:44 Uhr

Ob beim Heizen, Tanken oder mit der Stromrechnung: Verbraucher müssen für Energie immer mehr Geld bezahlen. Was sind die Gründe? Wird es bei dem Trend bleiben? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Mit dem Beginn der Heizsaison belasten stark gestiegene Energiepreise die Haushalte. Zweistellige prozentuale Aufschläge binnen eines Jahres lassen bei vielen Bundesbürgern die Spielräume in der Haushaltskasse schwinden. Der Anstieg der Energiepreise hat eine Reihe von Ursachen und Auswirkungen - und Experten gehen davon aus, dass sich Verbraucher auch längerfristig auf höhere Kosten für Benzin, Gas oder Strom einstellen müssen.

Wie stark hat sich Energie schon verteuert?

Die Energiepreise haben in den vergangenen Monaten die gesamte Teuerungsrate in Deutschland nach oben getrieben. Laut Statistischem Bundesamt legten die Kosten im August im Vorjahresvergleich um 12,6 Prozent zu. Heizöl verteuerte sich im Schnitt um 57 Prozent, Kraftstoffe um 27 Prozent.

Beim Erdgas liegen die durchschnittlichen Kosten eines Haushalts mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch laut dem Vergleichsportal Verivox im Oktober 2021 bei durchschnittlich 1402 Euro pro Jahr, rund 300 Euro höher als vor Jahresfrist. Für Strom müssen die Verbraucher danach im Vergleich zum vergangenen Jahr 9,3 Prozent mehr zahlen. Ein Privathaushalt, der 4000 Kilowattstunden pro Jahr benötigt, zahlt nun mit 1255 Euro rund 100 Euro mehr.

Warum steigen die Preise derzeit so stark?

Den rasanten Anstieg vor allem der Preise für Gas und Rohöl beziehungsweise Benzin in den vergangenen Wochen führen Experten auf mehrere Faktoren zurück. Der Zusammenschluss der Ölförderländer OPEC+ hat Anfang Oktober zwar an der Steigerung der Ölförderung um 400.000 Barrel pro Tag festgehalten. Dies ist aber angesichts der stark gestiegenen Nachfrage nach dem Corona-bedingten Einbruch im vergangenen Jahr weniger als erhofft. Öl bleibt knapp und damit teuer. Im europäischen Gasmarkt haben leere Gasspeicher und Wartungsarbeiten an der Infrastruktur zu einem rapiden Anstieg der Preise geführt. Kritiker werfen Russland vor, die Gaslieferungen künstlich verknappt zu haben - als Druckmittel im politischen Streit über die neue Ostsee-Pipeline Nord Stream 2. Moskau hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Gleichzeitig steuern Tanker mit verflüssigtem Erdgas (LNG), das überwiegend aus den USA kommt, statt Europa Asien an, wo noch höhere Preise zu erzielen sind. Experten halten auch die Spekulation durch Finanzmarktakteure auf dem Gasmarkt für einen Faktor. In den letzten Monaten haben sich laut Experten die Beschaffungspreise für Erdgas und für Strom am Terminmarkt rund verdreifacht.

Bleibt es bei den höheren Kosten für Energie?

Die extremen Preisanstiege der vergangenen Woche sind laut Experten wohl eher vorübergehender Natur. Wenn die Gasspeicher sich füllen, mit der neuen Pipeline North Stream 2 auch wieder mehr Gas geliefert wird, dürften die Preise sinken. Russland hat bereits angekündigt, mehr Gas nach Europa transportieren. Der russische Konzern Gazprom wird damit als Lieferant für die EU noch wichtiger. Langfristig werden sich Verbraucher aber wohl mit tendenziell steigenden Preisen für Benzin, Gas oder Strom anfreunden müssen. Das ist durch die höhere CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe auch klimapolitisch gewollt.

Was unternehmen die Staaten und die EU?

Frankreich, Italien oder Spanien haben bereits angekündigt, den Preisanstieg bei Energie zu deckeln oder über Steuererstattungen abzufedern. Erste Rufe nach einer EU-weiten Entlastung für Verbraucher werden laut. In Deutschland hat jüngst zum Beispiel der Städte- und Gemeindebund gefordert, Heizkostenzuschüsse für Geringverdiener und sozial schwache Haushalte einzuführen. Die neue Bundesregierung wird sich wohl bald mit dem Thema befassen müssen - zumal sich auch auf europäischer Ebene Bewegung andeutet. Die Staats- und Regierungschefs der EU wollen sich auf ihrem Gipfel Ende Oktober mit den hohen Gaspreisen beschäftigen. Ziel könnte etwa ein gemeinsamer Gaseinkauf für Europa sein. Auch Vorschläge für eine strategische Gasreserve sind ins Spiel gebracht worden.

Welche Folgen gibt es für die Gesamtwirtschaft?

Steigende Energiepreise haben zu einem deutlichen Anstieg der Inflation in Deutschland und Europa geführt. Da bei der Produktion vieler Güter Energie aufgewendet werden muss, dürften in der Tendenz viele Produkte teurer werden. Das zeigt sich derzeit bereits im massiven Anstieg der Großhandelspreise, wird aber auch auf den Einzelhandel durchschlagen.

Wie können Verbraucher den Preisanstieg abfedern?

Beim Energiesparen im privaten Bereich haben Verbraucher viele Möglichkeiten. Etwa lässt sich der Stromverbrauch durch sparsame Elektrogeräte oder LED-Lampen senken. Der Wechsel des Strom- oder Gaslieferanten kann sich gerade jetzt lohnen, Vergleichsportale bieten dafür eine Orientierung. Wer die Spritkosten niedrig halten will, kann Apps auf dem Smartphone nutzen, die Autofahrern die günstigen Zeiten und Tankstellen anzeigen.

Helfen Umbauten am Haus?

In vielen Haushalten sind niedrigere Heiz- oder Stromkosten auch durch Investitionen möglich, etwa in eine bessere Gebäude-Dämmung oder die Umrüstung auf moderne Gas- oder Wärmepumpen-Heizungen. Viele Maßnahmen werden mit staatlichen Zuschüssen oder Krediten gefördert. Eine eigene Solaranlage schließlich verringert die Abhängigkeit vom Stromversorger deutlich. Zusätzlich hier winkt eine staatliche Zuwendung in Form der Einspeisevergütung für Solarstrom.