Der Petersplatz und der Petersdom im Vatikan sind am Abend erleuchtet | Bildquelle: AP

Nach Immobilienkauf Razzien in Affäre um Vatikan-Investment

Stand: 06.11.2020 13:51 Uhr

Im Zusammenhang mit dem Kauf einer Immobilie in London ermittelt die Staatsanwaltschaft des Vatikans wegen Veruntreuung, Korruption und Erpressung. Auf ihr Bitten hin gab es nun Razzien in mehreren Städten.

Auf Bitte der Staatsanwaltschaft des Vatikans hat die italienische Polizei verschiedene Büros und Wohnungen durchsucht sowie Dokumente beschlagnahmt. Die Razzien hängen mit einer Investment-Affäre des Vatikans zusammen. Dessen Staatsanwaltschaft geht Vorwürfen der Veruntreuung, Korruption, Amtsmissbrauch, Erpressung, Betrug und Geldwäsche nach, die in Zusammenhang mit dem Kauf einer Londoner Geschäftsimmobilie durch das vatikanische Staatssekretariat steht.

Der Vatikan investierte nach Medienberichten insgesamt einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in den Bürokomplex in der Londoner Sloane Avenue. Im Fokus der Ermittlungen stehen zwei Manager von Fondsgesellschaften, über die der Vatikan die Londoner Investition tätigte, sowie ein früherer Mitarbeiter des Staatssekretariats. Es gehe darum, die Beziehungen der Beschuldigten untereinander und zum Staatssekretariat zu klären, berichtete die Zeitung "Avvenire" unter Berufung auf die italienische Staatsanwältin Maria Teresa Gerace.

Papst ordnet Vermögensverwaltung neu

Zuvor hatte der Vatikan mitgeteilt, dass Papst Franziskus dem Staatssekretariat die Verwaltung seines Kapital- und Immobilienvermögens entzogen hat. Die Verwaltung des Vermögens und der Immobilien übernimmt demnach künftig die vatikanische Güterverwaltung Apsa. Der Papst habe eine Kommission eingerichtet, welche die Übertragung der Kapital- und Immobilienwerte in den kommenden drei Monaten überwachen soll.

Papst Franziskus in seiner wöchentlichen Generalaudienz | Bildquelle: dpa
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Papst Franziskus ordnete die Trennung von der umstrittenen Geschäftsimmobilie in London an.

Der Vatikan veröffentlichte einen Brief des Papstes an Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin vom August. Darin kündigte Franziskus die Neuordnung der Finanzen an. In dem Schreiben geht der Papst auf die Investition in die Geschäftsimmobilie in London sowie auf die Beteiligung am Fonds Centurion ein. Aus beiden Geschäften müsse sich der Vatikan so schnell wie möglich zurückziehen oder "wenigstens in einer Weise darüber verfügen, dass jedes Risiko einer Rufschädigung unterbunden wird", schrieb der Papst.

Eine Zentralisierung der Finanzströme war in den vergangenen Wochen bereits angekündigt worden. Hintergrund ist auch, dass viele Organe des Kirchenstaates über Einzelkassen verfügen und die Geldströme als teils undurchsichtig gelten.

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