Tesla-Chef Elon Musk. | Bildquelle: REUTERS

Probleme beim Autobauer Tesla "Musk hat den Rubicon überschritten"

Stand: 27.06.2018 17:11 Uhr

Tesla sorgt wöchentlich für neue Schlagzeilen - und die sind nicht gerade positiv. Mal geht es um angebliche Spionage, mal um die Produktionszahlen beim Model 3. Tesla-Chef Musk wehrt sich gegen die Kritik.

Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Tesla-Chef Elon Musk steht extrem unter Druck. Bis zum Monatsende sind es nur noch wenige Tage, dann muss der 46-Jährige bekanntgeben, ob sein Unternehmen tatsächlich 5000 Fahrzeuge des Model 3 herstellen kann. Pro Woche.

In einem Zelt neben der Fabrikhalle in Fremont hat er eine zweite neue Produktionsstraße aufbauen lassen. Er hat sie entschlackt, befreit von zu viel Automatisierung.

Weniger Roboter, dafür mehr Handarbeit durch Menschen, sagte ein einsichtiger Musk kürzlich dem Fernsehsender CBS. Es sei schlimmer als er gedacht habe. "Wir waren zu selbstgefällig, was die Kerntechnologie angeht. Wir haben das Model 3 mit zu viel Einsatz von Technologie vollgestopft. Das hätten wir besser planen sollen."

Bislang hinkt die Produktion hinter den vollmundigen Ankündigungen des Tesla-Chefs hinterher. Beim Aktionärstreffen Anfang Juni erklärte Musk, dass man nun 3500 Fahrzeuge pro Woche herstelle. 

Kritik am Verschleiß von Führungskräften

Der New Yorker Investmentmanager Jim Chanos ist einer von Musks schärfsten Kritikern. Im Wirtschaftsfernsehen von CNBC schießt er immer wieder gegen den Tesla-Chef. Musk habe den Rubicon überschritten, so Chanos. Denn er habe gegenüber Investoren Aussagen gemacht, die er später bereuen musste. So stehe ein Prozess im Raum, in dem elf ehemalige Top-Manager zu Protokoll gegeben hätten, dass sie Musk darüber informierten, dass die Produktionszahlen für das Model 3 nicht zu erreichen seien.

Chanos kritisiert auch den Verschleiß an Führungskräften bei Tesla. Die Namen der geschassten Manager passten kaum mehr auf eine dicht beschriebene Seite Papier. Außerdem verliere Tesla den Anschluss an die Weltspitze, argumentiert er. "Sie wollten immer an der Spitze beim autonomen Fahren stehen. Jetzt sind sie Nachzügler. Sie hinken Audi und VW hinterher, sie liegen sogar hinter Weymo."

Elon Musk | Bildquelle: dpa
galerie

Tesla-Chef Musk bemüht sich, Ruhe in sein Unternehmen zu bringen. Momentan gelingt ihm das nur bedingt.

3000 Mitarbeiter mussten gehen

Tesla kommt einfach nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Um Geld zu sparen, feuerte Musk Mitte Juni neun Prozent der Belegschaft. Vor allem Manager und Verwaltung sind betroffen - insgesamt 3000 Jobs.

Zuvor hatte sich die Verbraucherschutzorganisation Consumer Reports das Model 3 genauer angesehen. Ergebnis: Der Bremsweg des batteriebetriebenen Autos ist so lang wie der eines schweren Pick-Up-Trucks.

Musk wehrt sich gegen die Kritik. Die Investoren seien rückwärtsgewandt: "Tesla wird unterschätzt. Sie sehen, was wir in der Vergangenheit gemacht haben und halten das für eine Blaupause, was wir in der Zukunft tun werden."

Aber es geht noch weiter: Vor zwei Wochen gibt Musk via Twitter bekannt, er habe einen Saboteur enttarnt, der sauer auf das Unternehmen sei, weil er nicht befördert wurde. Der sogenannte Saboteur kontert, er habe Investoren und die Öffentlichkeit warnen wollen. Unter anderem habe er herausgefunden, dass 1100 beschädigte Batteriemodule beim neuem Model 3 verbaut wurden.

Nur so viel ist sicher: Seit sich Elon Musk in das Tagesgeschäft bei Tesla eingeklinkt hat, werden die Nachrichten rund um den einst angesehenen E-Autobauer immer bizzarer.

Tesla: Irrungen und Wirrungen um den Automobilhersteller
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
28.06.2018 08:02 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Mai 2018 um 16:35 Uhr.

Darstellung: