Ein Mann lädt sein Elektroauto mit einem ehemaligen öffentlichen Telefon der Deutsche Telekom. | Bildquelle: REUTERS

Telekom-Pläne für E-Autos Anschluss unter dieser Nummer

Stand: 05.11.2018 16:26 Uhr

Mehr als 400.000 Verteilerkästen und alte Telefonzellen stehen in Deutschland. Viele von ihnen haben einen Stromanschluss - den die Telekom nun für E-Autos umfunktionieren will.

Von Sebastian Tittelbach, WDR

Die Deutsche Telekom lädt jetzt auch Elektroautos auf. Für den Bonner Konzern ist dieser Schritt naheliegend: Denn über ganz Deutschland verteilt stehen 400.000 so genannte Multifunktionsgehäuse der Telekom am Straßenrand.

Und viele dieser grauen Kästen haben schon einen Stromanschluss, der als E-Tankstelle benutzt werden kann, erklärt Bruno Jacobfeuerborn, Geschäftsführer der neu gegründeten Telekom-Tochter Comfort Charge: "Wir versuchen die Infrastruktur, die wir haben, dem Kunden nutzbar zu machen. Einerseits wegen der Nachhaltigkeit, andererseits um einen wirtschaftlichen Erfolg daraus zu ziehen."

Ein Mann lädt sein Elektroauto mit einem ehemaligen öffentlichen Telefon der Deutsche Telekom. | Bildquelle: REUTERS
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Nicht nur Telefonzellen sollen zu Ladestationen umgebaut werden...

Auf einem grauen Verteilerkasten der Deutschen Telekom steht: "Wir investieren für sie in das Netz der Zukunft" | Bildquelle: dpa
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... auch die grauen Verteilerkästen bekommen nach Plänen der Telekom ein Ladekabel.

Telekom will Ökostrom verwenden

Drei verschiedene Varianten will die Telekom anbieten: An den Multifunktionsgehäusen können jeweils zwei Elektrofahrzeuge mit je elf Kilowatt geladen werden. Daneben soll es 500 Schnellladestationen geben. Und auch einige öffentliche Telefonzellen bekommen ein neues Leben, kündigt Technikchef Mathias Laubenstein an. Auch sie bekommen eine Ladebuchse. "Das ist für uns Infrastruktur-Ökonomie. Wir möchten Dinge wiederverwenden und upgraden, so dass sie mehr Funktionen bekommen."

Das Unternehmen verspricht, Ökostrom zu verwenden - und man muss keine Telekomkunde sein, um die Säulen zu nutzen. "Jeder E-Fahrzeug-Fahrer kann natürlich bei uns tanken, das einzige, was er braucht ist, entweder eine Kreditkarte oder eine Ladekarte von einem anderen Anbieter", so Laubenstein.

Telekomchef Tim Höttges hatte den Einstieg ins E-Tankstellen-Geschäft schon lange angekündigt. Der Start kommt ein halbes Jahr später als geplant. Derzeit drängen viele Anbieter auf dem Markt: Supermarktketten bauen Ladesäulen auf, genauso wie Stadtwerke. Mehrere Automobilhersteller wollen ein gemeinsames Ladenetz in Deutschland errichten.

Kommunen müssen entscheiden

Dennis Hagemann, vom herstellerunabhängigen E-Mobilitäts-Anbieter Ludego, hält das System von der Telekom für eine sinnvolle Ergänzung, aber nicht für einen Problemlöser: "Die Leute, die jetzt Elektroautos besitzen, laden sie zu etwa 80 Prozent zuhause oder beim Arbeitgeber auf. Das heißt, Firmenparkplätze mit ausreichend ausgestatteten Ladestationen wären wunderbar. So brauchen wir eigentlich keine weiteren Ladesäulen in den Städten, sondern nur spezielle Schnellladesäulen an Autobahnen."

Zu den Investitionskosten will die Telekom nichts sagen, auch nicht, wie viele Landesäulen sie in den nächsten Jahren aufbauen wird. Möglich wären 12.000. Das letzte Wort aber hätten die Kommunen und Stadtwerken vor Ort, schränkt Comfort-Charge-Chef Jacobfeuerborn ein. "Man braucht eine Genehmigung. Und die bekommt man nicht überall."

Lange Wartezeiten bei E-Autokauf

Die Elektromobilitätsziele der Bundesregierung wird jedoch auch das Angebot der Telekom nicht retten: Die Große Koalition sieht 100.000 zusätzliche Ladepunkte bis 2020 vor. Und wer sich für ein E-Auto entscheidet, hat derzeit noch ein ganz anderes Problem als fehlende Ladesäulen: Die Hersteller melden für die meisten Fahrzeuge Lieferzeiten von bis zu einem Jahr.

Aus Telefonzellen werden Ladestationen
Sebastian Tittelbach, WDR
05.11.2018 15:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. November 2018 um 13:00 Uhr.

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