Ein selbstfahrendes Auto der Google-Schwesterfirma Waymo fährt über die Straße | picture alliance / Newscom

Waymo-Angebot Warum Robotaxis San Francisco erobern

Stand: 25.08.2021 11:27 Uhr

Die Google-Schwester Waymo startet einen Robotaxi-Dienst in San Francisco. Ein Erfolg in der kalifornischen Metropole könnte den Weg für selbstfahrende Autos ebnen.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Während Tesla & Co. auf Fahrassistenzsysteme und damit teilautonomes Fahren setzen, gehen Start-ups wie Waymo, Cruise und Aurora aufs Ganze. Sie wollen das autonome Fahren voranbringen und nicht-selbstfahrenden Autos einen Platz in den Geschichtsbüchern zuweisen.

Es ist ein ehrgeiziges Vorhaben, bei dem die Google-Schwester Waymo nun einen wichtigen Meilenstein erreicht hat. Waymo öffnet seinen Robotaxi-Dienst in San Francisco für ein breiteres Publikum, wie die zum US-Konzern Alphabet gehörende Firma mitteilte.

Ein Fahrdienst für ausgewählte Nutzer

Seit den Anfängen des 2009 gegründeten Unternehmens, als Waymo nicht mehr war als ein schrulliges Projekt innerhalb des großen Google-Konzerns und noch unter dem Namen "Google Driverless Car" firmierte, laufen bereits Tests mit selbstfahrenden Autos auf den Straßen von San Francisco.

Doch mit dem neuen Pilotprojekt kann sich nun jeder über die "Waymo One"-Smartphone-App bewerben und am "Trusted Tester"-Programm teilnehmen. Wer sich von einem selbstfahrenden Elektro-SUV vom Typ Jaguar I-Pace befördern lassen will, muss zwar zunächst nichts zahlen, dafür aber andere Voraussetzungen erfüllen.

So verpflichtet sich der Nutzer, seine Mitfahr-Erfahrungen exklusiv mit Waymo zu teilen und zu bewerten. "Dadurch erhalten wir wertvolles Feedback, das es uns erlaubt, unseren Dienst zu verbessern", schrieb das Unternehmen in einem Blogpost. Eine Verschwiegenheitsklausel ist obligatorisch. Ebenso vorgeschrieben ist der Sicherheitsfahrer, der im Notfall eingreifen soll.

Warum ausgerechnet San Francisco?

Bislang bietet Waymo einen solchen Service bereits in einem Vorort von Phoenix im US-Bundesstaat Arizona an. Dort sind die Autos sogar ohne Sicherheitsfahrer unterwegs. Trotzdem ist das öffentliche Mitfahrangebot in San Francisco ein großer Schritt für das Unternehmen selbst und für die gesamte Zukunftstechnologie autonomes Fahren.

Denn die Fahrbedingungen in San Francisco sind mit denen in Phoenix nicht vergleichbar. In Phoenix ist das Verkehrsaufkommen geringer, die Straßen sind breiter. In San Francisco sind die Verkehrsverhältnisse teils chaotisch, eine extrem kurvenreiche Straße ist sogar neben der Golden Gate Bridge eines der bekanntesten Markenzeichen der Stadt.

Lombard Street in San Fransico  | picture alliance / HJS-Sportfoto

Ein Teil der Lombard Street gilt als kurvenreichste Straße der Welt. Bild: picture alliance / HJS-Sportfoto

"If you can make it there…"

Auch das Wetter in den beiden Städten unterscheidet sich gewaltig: Während es in der Wüstenstadt warm und beständig ist, ist der Nebel von San Francisco so berühmt-berüchtigt, dass er sogar über einen eigenen Twitter-Account (KarlTheFog) verfügt.

Nicht zuletzt ist die Konkurrenz in San Francisco weitaus größer: Nirgendwo in den USA gibt es mehr Uber- und Lyft-Fahrer als in der kalifornischen Metropole. Mit anderen Worten: Schafft es ein Robotaxi-Dienst in San Francisco, hat er gute Chancen, auch in anderen Städten zu bestehen.

Cruise und Argo AI als Rivalen

Derzeit machen dem "Wall Street Journal" zufolge acht Unternehmen mit selbstfahrenden Autos die Straßen von San Francisco unsicher. Dabei sind die Start-ups Cruise und Argo AI die beiden größten Waymo-Rivalen, wollen doch auch sie einen kommerziellen Fahrdienst mithilfe von autonomen Fahrzeugen auf die Beine stellen.

Cruise gehört zum größten US-Autobauer General Motors, Argo AI wird von Ford und Volkswagen unterstützt. Argo AI hat sich jüngst mit dem Fahrdienst-Vermittler Lyft verbündet und will noch in diesem Jahr Robotaxis auf die Straßen von Miami und Austin bringen.

Kein günstiges Unterfangen

Kooperationen und Bündnisse gelten in der Branche als ein Schlüssel, um selbstfahrende Shuttles einmal wirtschaftlich erfolgreich zu betreiben. Denn das Abenteuer autonomes Fahren ist ein äußerst kostspieliges Unterfangen, wie auch dieses Detail zeigt: Bis 2019 wurde Waymo einzig vom Mutterkonzern Alphabet finanziell unterstützt.

Doch 2020 und 2021 musste sich das Unternehmen frisches Geld von Investoren außerhalb des Konzerns besorgen. In zwei externen Finanzierungsrunden nahm Waymo rund 4,75 Milliarden Dollar ein.

Hunderttausende Testmeilen

Nicht wenige Marktbeobachter gehen davon aus, dass Waymo und Cruise die führende Rolle auf dem Zukunftsmarkt autonomes Fahren übernehmen dürften. Beide Unternehmen hatten 2020 den Abstand zur Konkurrenz vergrößern können, wie Daten der kalifornischen Verkehrsbehörde DVM zeigen.

Cruise legte demnach im vergangenen Jahr mehr als 770.000 Meilen mit seinen Testfahrzeugen in Kalifornien zurück, gefolgt von Waymo mit 550.000 Meilen. Bei Waymo musste nur 21 Mal ein Testfahrer eingreifen, bei Cruise 27 Mal.

Selbstfahrendes Auto, GM, Cruise

Cruise ist der schärfste Waymo-Rivale.

Frustrierte Mitarbeiter

Doch der Erfolg eines Unternehmens hängt bekanntlich auch von der Zufriedenheit seiner Mitarbeiter ab. Und da haperte es just bei Waymo gewaltig: Zuletzt häuften sich Medienberichte über frustrierte Mitarbeiter, die sich über zu vorsichtige Manager und zu langsame Fortschritte beschwerten.

Zahlreiche Mitarbeiter hatten daher kürzlich das Unternehmen verlassen, darunter John Krafcik, der fünfeinhalb Jahre an der Spitze des Unternehmens stand. Der ehemalige Waymo-Chef musste in einem Interview mit der "Financial Times" einräumen, dass die Umsetzung des autonomen Fahrens deutlich schwieriger geworden sei. "Ich würde sagen, es ist eine größere Herausforderung, als eine Rakete zu starten und sie in eine Umlaufbahn um die Erde zu bringen."