Eine Samsung Smartwatch | picture alliance/dpa/TASS

Samsung kooperiert mit Google Neue Allianz auf dem Smartwatch-Markt

Stand: 19.05.2021 12:58 Uhr

Google und Samsung tun sich im Geschäft mit Computer-Uhren zusammen - und greifen damit den Marktführer Apple an. Beginnt eine neue Ära im Konkurrenzkampf der Smartwatch-Hersteller?

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Es war nur eine Randnotiz auf Googles Entwicklerkonferenz - die Smartwatch-Fans aber sofort hellhörig werden ließ: Samsung wird seine nächsten Smartwatches nicht mehr mit dem hauseigenen Betriebssystem Tizen ausstatten, sondern auf Googles Plattform Wear OS umschwenken.

Samsung bestätigte, dass bereits die nächste Galaxy Watch des südkoreanischen Herstellers mit dem neuen Betriebssystem laufen wird. Die Galaxy Watch 4, die Marktspekulationen zufolge womöglich schon im Laufe des zweiten Quartals auf den Markt kommen wird, markiert damit das Ende einer Ära.

Höflichkeitsgeste gegenüber den Koreanern?

Denn auch wenn beide Unternehmen von einer "vereinten Plattform" sprechen und beteuern, dass auch Tizen-Elemente in dem neuen Google-Betriebssystem Wear OS aufgehen sollen: Wie viel Tizen in dem neuen Betriebssystem wirklich steckt, ist fraglich.

Experten sehen in der Formulierung, dass die beiden Unternehmen die größten Stärken ihrer Systeme zusammenbringen wollen, eher eine Höflichkeitsgeste gegenüber Samsung denn eine Beschreibung der Tatsachen. Das neue System ist im Kern Wear OS und nicht Tizen.

Betriebssystem im Dornröschenschlaf

Umso mehr stellt sich die Frage, warum sich Samsung von seinem funktionierenden Betriebssystem Tizen verabschiedet. Schließlich konnte man mit Tizen auf der Galaxy Watch 3 bereits ein EKG starten und den Blutdruck messen. Über letztere Funktion verfügt noch nicht einmal die aktuelle Apple Watch.

Dagegen befand sich Googles Smartwatch-Betriebssystem Wear OS Branchenkennern zufolge in den vergangenen Jahren eher in einer Art Dornröschenschlaf. Was also hat Samsung davon, sein "running system" zu wechseln?

Eine Frage der Bezahlsysteme

Tatsächlich gibt es einige technische Vorteile, die für Wear OS sprechen. So hat Google die Akkulaufzeit als Problem erkannt und entsprechend nachgebessert. Dadurch soll es etwa möglich sein, einen Herzfrequenzsensor am Tag laufen zu lassen, nachts den Schlaf des Trägers zu überwachen und im Anschluss noch Strom übrig zu haben, wie Google versichert.

Mit dem Wechsel zu Wear OS dürfte derweil auch für Besitzer einer Smartwatch von Samsung Google Pay der neue Bezahlstandard werden; Samsung Pay dürfte mittelfristig vom Markt verschwinden. Ein Punkt, der für viele Samsung-Kunden zu verkraften sein dürfte, ist der Funktionsumfang von Samsung Pay doch im Vergleich zu Google Pay oder Apple Pay deutlich abgespeckt, die Einrichtung mit erheblichem Aufwand verbunden.

Mehr Fitness-Features

Weitere Vorteile des überarbeiteten Wear OS: Die App-Startzeiten sollen schneller, die Animationen flüssiger sein. Der Fitnessarmband-Spezialist Fitbit, dessen Übernahme Google im Januar abgeschlossen hat, soll sein Fitness-Knowhow zum neuen Wear OS beisteuern. So will Google auch im Sportbereich aufholen.

Samsung dürfte zudem künftig von verbesserten und neugestalteten Wear-Apps von Google (Maps, Assistant, Youtube Music) sowie von Drittanbietern profitieren. Schließlich ist es für Entwickler einfacher, sich auf zwei große Smartwatch-Betriebssysteme (Wear OS und WatchOS) zu konzentrieren.

Kampfansage an den iPhone-Hersteller

Es ist letztlich eine kleine Revolution auf dem Smartwatch-Markt, die Samsung und Google mit ihrer Kooperation einläuten - und eine Kampfansage an Apple. "Zu zweit ist man stärker als allein", unterstreicht Gartner-Expertin Annette Zimmermann gegenüber tagesschau.de.

Zwar sind die Kalifornier mit ihrer Apple Watch nach wie vor klarer Marktführer. Apple könne vor allem mit seiner sehr klaren Designsprache punkten, so Zimmermann. Doch Google habe sich bereits mit dem Kauf von Fitbit - einem Hersteller, der wie Samsung unter den Top 5 ist - in Stellung gebracht. "Mit den Verbesserungen von Wear werden die Konkurrenten von Apple nun eine bessere Alternative."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. Mai 2021 um 12:35 Uhr.