Der Lautsprecher-Spezialist Sonos zeigt am Rande der Technik-Messe IFA das neue Modell Move. (Archivbild: 04.09.2019) | picture alliance/dpa

Vernetzte Lautsprecher Streaming statt Stereoanlage

Stand: 18.11.2021 09:51 Uhr

Musik-Streaming über WLAN- und Bluetooth-Lautsprecher löst zunehmend klassische Stereoanlagen ab. Die Pandemie verstärkte diesen Trend. Was bietet der Markt für vernetzte Lautsprecher - und welche Probleme haben die Geräte?

Von Lilli Hiltscher, tagesschau.de

1925 kam der erste elektrodynamische Lautsprecher auf den Markt, der "Blatthaller". Der Lautsprecher war etwa einen Meter lang. Das Grundprinzip der elektrondynamischen Lautsprecher blieb bis heute erhalten, noch immer funktionieren etwa 90 Prozent der Lautsprecher auf diese Weise. Ansonsten haben die Nachfolger des "Blatthaller" heute nicht mehr viel mit ihm gemein.

Lilli Hiltscher

Verbraucher können heute zwischen zahlreichen Anbietern und Systemen wählen, zwischen WLAN- oder Bluetooth-Lautsprechern, mit oder ohne Sprachassistent. Die Branche boomt, nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie. Denn neben einer Verlagerung des Arbeitsplatzes in die eigenen vier Wände wurde auch das Entertainment nach Hause geholt, etwa mit Heimkino-Systemen.

Vernetzte Lautsprecher boomen

Ein Viertel der deutschen Haushalte besitzt nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom mittlerweile vernetzte Lautsprecher, der überwiegende Teil ist mit WLAN verbunden. 22 Prozent der Deutschen könnten sich außerdem vorstellen, bald vernetzte Lautsprecher zu nutzen. Damit dürften sie die herkömmlichen Stereoanlagen bald abgelöst haben. Der Digitalverband geht davon aus, dass dieser Trend in den kommenden Jahren anhalten wird.

Der Boom der Lautsprecher hat nach Einschätzung der Experten auch Streaming-Diensten wie dem Anbieter Spotify einen Auftrieb beschert: "Die kompakten Lautsprecher haben den Trend zum Musikstreaming noch einmal befeuert", urteilt Sebastian Klöß, Bereichsleiter Consumer Technology beim Digitalverband Bitkom. Durch die Lautsprechersysteme lasse sich noch leichter auf die eignen Playlisten zurückgreifen.

Auch Tech-Riesen steigen in den Markt ein

Es gibt zahlreiche Anbieter von Lautsprecher-Systemen, wie beispielsweise die US-Firma Sonos. Das Unternehmen wurde 2002 in Kalifornien gegründet und galt lange Zeit als Vorreiter auf dem Gebiet der WLAN-Lautsprecher.

Gestern Abend legte Sonos seine Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vor: Der Umsatz stieg um fast 30 Prozent auf mehr als 1,7 Milliarden Dollar, der Vorsteuergewinn legte sogar um 157 Prozent zu. Für 2022 erwartet das Unternehmen eine weitere deutliche Umsatzsteigerung auf bis zu zwei Milliarden Dollar.

Neben Sonos bieten auch andere Firmen die smarten Lautsprecher an, etwa die US-amerikanische Firma Bose. Das Unternehmen will mit seinen Lautsprechern ein Klangerlebnis wie im Konzertsaal schaffen, wie es selbst betont. Auch deutsche Unternehmen wie Teufel mischen auf dem Markt mit.

Konkurrenten auf dem Markt sind außerdem die Tech-Riesen Google, Apple oder Amazon. Diese sind vor allem im Markt der Smart Speaker aktiv. Diese Geräte lassen sich von Nutzern einfach per Sprachassistent bedienen. Der Digitalverband geht davon aus, dass vor allem diese Sparte in den kommenden Jahren noch deutlich wachsen wird.

WLAN oder Bluetooth?

Verbraucher müssen vor allem entscheiden, ob sie Bluetooth- oder WLAN-Lautsprecher nutzen möchten. Beide ermöglichen Nutzern, kabellos Musik abzuspielen, haben neben dieser Gemeinsamkeit allerdings einige Unterscheide.  

Bei Bluetooth-Lautsprechern erfolgt die Datenübertragung direkt von einem Gerät zum anderen. Nutzer brauchen also keine zusätzliche App, um etwa Musik zu hören. Die Boxen lassen sich mit jedem Bluetooth-fähigen Gerät verbinden und sind meist so handlich, dass sie überall mit hingenommen werden können. Bluetooth-gestützte Lautsprecher haben den Vorteil, dass sie datenschutzrechtlich eher unbedenklich sind, da sie in der Regel nicht mit dem Internet verbunden sind. Allerdings lässt sich Musik so nicht über größere Entfernungen spielen. Das Gerät, auf dem die Musik gespeichert ist, also beispielsweise das Smartphone, muss also immer in der Nähe sein.

Direkt abspielen über WLAN-Lautsprecher

WLAN-Lautsprecher dagegen sind auf die Verbindung mit dem heimischen WLAN-Netz angewiesen. Sind sie damit verbunden, können WLAN-Lautsprecher das Musik- oder Podcast-Angebot eines Streaming-Dienstes direkt abspielen, ohne dass ein Abspielgerät benötigt wird. Über die WLAN-Verbindung lässt sich das Angebot gleichzeitig und ohne Komprimierungsverlust in mehreren Räumen abspielen - dies sind sogenannte Multiroom-Lautsprecher. Sonos-Geräte sind außerdem in der Lage, das Signal einfach an den nächsten Multiroom-Lautsprecher weiterzuleiten, auch wenn das WLAN-Signal zu schwach wäre, wodurch sie für Verbraucher so attraktiv sind.

Allerdings gibt es bei diesen Produkten immer wieder Schwächen im Datenschutz, wie Verbraucherschützer kritisieren. Der Kritikpunkt: Firmen würden die Daten der Nutzer auf den Servern speichern und für Werbezwecke verwenden. Auch aktuelle Tests der Stiftung Warentest attestierten WLAN-Lautsprechern zuletzt nur ein "ausreichend" beim Schutz der persönlichen Daten. "Die für den Betrieb verwendeten Apps haben in unserem Test zum Teil Daten erfasst, die nicht für den Betrieb der Box notwendig sind wie zum Beispiel den Namen des Mobilfunkanbieters und Details zum Nutzerverhalten", erläutert Henning Withöft von der Stiftung Warentest.

Hersteller hätten das Problem erkannt, so Sebastian Klöß von Bitkom: "Die Hersteller messen dem Thema Datenschutz heute eine sehr hohe Bedeutung bei. Sie wissen: Nur wenn die Nutzerinnen und Nutzer einem Unternehmen vertrauen, sind die smarten Produkte auch erfolgreich." Nutzer könnten die Daten auch einfach per Antrag von den Servern der Unternehmen löschen lassen, wenn sie ganz sicher gehen wollten, so der Experte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. August 2020 um 16:30 Uhr.