Mitarbeiter arbeiten im einem Werk von Intel. | intel

Konzern plant Chipfabrik Deutschland im Rennen um Intel-Fabrik

Stand: 09.09.2021 11:31 Uhr

Der Chiphersteller Intel will in Europa eine neue Megafabrik bauen. Deutschland ist dabei weiter ein Kandidat für den neuen Standort. Es geht um Milliarden - auch an Subventionen. Den akuten Chipmangel wird das Projekt nicht beheben.

Der weltgrößte Chiphersteller Intel sucht seit Monaten nach einem Standort für eine neue "Mega-Fab" auf dem europäischen Festland. Dabei können sich Konzernchef Pat Gelsinger zufolge auch deutsche Standorte weiter Hoffnungen auf den milliardenschweren Bau machen.

Eine Entscheidung werde noch in diesem Jahr getroffen, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Denn wir wollen im kommenden Jahr mit den Arbeiten beginnen können." Im Rennen sind vor allem zwei Standorte: der ehemalige Fliegerhorst Penzing im oberbayerischen Landkreis Landsberg sowie die Stadt Dresden, wo bereits mehrere Chiphersteller angesiedelt sind.

Bayern wirbt intensiv um neue Chipfabrik

Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger wirbt bereits seit Monaten um die Gunst des Konzerns, wäre doch eine Ansiedlung von Intel im Freistaat eine herausragende Chance für den Wirtschaftsstandort. Zudem zeige der aktuelle Chipmangel, dass Europa und die Bundesregierung dringend industriepolitisch handeln müssten.

Das sieht offenbar auch Bundeskanzlerin Angela Merkel so. Sie empfing den Intel-Chef den Angaben zufolge in der vergangenen Woche gleich zweimal. Im Frühjahr war Gelsinger bei Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zu Gast und reiste anschließend mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier nach Brüssel. Dort soll es um die Frage gegangen sein, ob die EU milliardenschwere Beihilfen von Bund und Freistaat zugunsten von Intel genehmigen würde. Die Antwort fiel offenbar positiv aus. Die Rede ist von 30 Prozent bis 40 Prozent des Investitionsvolumens. So wie es in Asien üblich ist. Und die dortigen Staaten, allen voran Südkorea, setzen die Standards.

Zuschüsse von bis zu acht Milliarden Euro

Da Intel zunächst mit zwei Fabriken starten will, von denen jede zehn Milliarden Euro kosten soll, geht es um Zuschüsse von bis zu acht Milliarden Euro. Und das ist erst der Anfang. "Wir wollen acht Fabriken bauen. Und die müssen alle wettbewerbsfähig sein. Wenn man jedoch im Wettbewerb mit asiatischen Konkurrenten steht, die vom Staat massiv bezuschusst werden, muss man das hier auch machen - oder man spielt nicht mehr mit", so Gelsinger im Gespräch mit der "FAZ". Insgesamt will Intel also 80 Milliarden Euro in Europa investieren.

Das sei gut angelegtes Geld, betont der Intel-Chef. "Denn in jeder dieser Fabriken werden rund 1500 Menschen arbeiten." Auf jeden dieser Mitarbeiter kämen dann zwischen fünf und zehn weitere Arbeitsplätze bei Zulieferern und Dienstleistern.

Vor diesem Hintergrund setzt Bayern alles daran, die Erwartungen des Konzerns zu erfüllen. Angedacht ist, Intel den gesamten Fliegerhorst zur Verfügung zu stellen. Offenbar sind auch die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude und Hallen für den Chiphersteller kein Problem. Der Freistaat hat Intel zugesagt, auch die Altlasten zu beseitigen, die durch den Löschschaum der Fliegerhorst-Feuerwehr entstanden sind.

Auch Sachsen macht sich Hoffnung

Für Bayern spricht Experten zufolge auch, dass Intel sein Deutschlandgeschäft bereits von München aus führt. An der Isar sitzt zudem Infineon, Deutschlands größter Chiphersteller. Außerdem unterhalten alle führenden Halbleiterkonzerne größere Niederlassungen in der Metropole. Texas Instruments betreibt sogar ein Werk in Freising unweit des Flughafens.

Neben Bayern macht sich auch Sachsen Hoffnung auf ein neues Chipwerk. "Wir sind die Nummer eins unter den Halbleiterstandorten in Europa", sagte Frank Bösenberg, Geschäftsführer des Branchenverbands Silicon Saxony, dem "Handelsblatt". "Es dürfte schwerfallen, Argumente zu finden, die gegen Sachsen sprechen." Die Region rund um Dresden sei durch ihre Verbindung aus Forschung und Halbleiterfirmen einzigartig.

Infineon sowie der Auftragsfertiger Globalfoundries betreiben hier große Werke, im Juni hat der Autozulieferer Bosch eine neue Halbleiterfabrik in Dresden eröffnet. Zudem ist die Fraunhofer-Gesellschaft mit zehn Instituten vor Ort. Ein Problem könnte allerdings die Verfügbarkeit der von Intel beanspruchten Fläche sein: Der Konzern benötigt nach eigenen Angaben 500 Hektar. Außerdem braucht Intel nach den Worten Gelsingers "genügend Elektrizität, Wasser, Talente und Anreize".

Akuter Chipmangel bleibt erhalten

Den akuten Chipmangel, unter dem seit Ausbruch der Pandemie besonders die Autoindustrie leidet, werden die neuen Fabriken allerdings nicht beheben. Denn der Bau einer neuen "Fab" dauert nach Aussage von Intel vier Jahre.

Dennoch soll der neue Standort mittelfristig dazu beitragen, die Abhängigkeit Europas von der Halbleiterindustrie in Asien zu verringern. Den Plänen der EU zufolge soll der Marktanteil von Europa in zehn Jahren auf 20 Prozent gesteigert werden. Das wäre ein Umsatz von 200 Milliarden Dollar, fünf Mal so viel wie derzeit. "Asien läge dann zwar immer noch bei 50 Prozent. Doch wäre das neue Verhältnis schon mal ausgewogener als heute", so Gelsinger.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Mai 2021 um 17:16 Uhr.