Facebook im App-Store von Apple | AP

Streit mit Apple Das Update, das Facebook nicht gefällt

Stand: 03.02.2021 10:17 Uhr

Millionen iPhone-Nutzer müssen bald zustimmen, bevor Apps ihre Daten sammeln dürfen. Facebook will das verhindern und geriert sich als Hüter des freien Internets. Dabei geht es aber vor allem um Schadensbegrenzung.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Schon häufiger hat Apple-Chef Tim Cook seinen Silicon-Valley-Nachbarn Facebook kritisiert. So wolle er nicht, dass seine Nichten und Neffen die Facebook-App nutzten, hatte Cook einst gesagt. Nun aber ist der Streit zwischen den Unternehmen eskaliert und wird auf offener Bühne ausgetragen, zuletzt vor ein paar Tagen. Da ätzte Cook gegen Facebook: "Wenn das Geschäftsmodell eines Unternehmens auf der Ausbeutung von Milliarden Nutzer -Daten basiert und die Menschen nicht selbst entscheiden können, ob sie dem zustimmen, dann verdient das nicht unser Lob, sondern es bedarf Reformen", sagte der Apple-Chef.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Diesen Angriff wiederum ließ Mark Zuckerberg nicht unkommentiert. Der Facebook-Chef ist bekannt für seinen unbändigen Ehrgeiz, er stänkerte zurück: "Apple ist zunehmend einer unserer größten Wettbewerber", setzte Zuckerberg ab. "Sein iMessage-Dienst ist vorinstalliert auf jedem iPhone, er wird mit Hilfe abgeschotteter Schnittstellen bevorzugt. Deshalb ist iMessage der meistgenutzte Messaging-Dienst in den USA."

iPhone-Update mit Datenschutzeinstellung

Der Grund für den Streit zwischen den beiden Tech-Unternehmen ist ein Update für die iPhones von Apple. Dieses soll im Frühjahr kommen und neue Datenschutzeinstellungen ermöglichen, erklärt Peter Kafka von der Tech-Website "Recode". "Dann zeigt Apple einem eine Dialog-Box an - wenn man zum Beispiel die Facebook App öffnet", sagt Kafka. "Darin heißt es: Wollen Sie der App erlauben, Sie beim Surfen zu verfolgen? Viele Leute werden vermutlich nein dazu sagen. Deshalb versucht Facebook gerade, die Menschen zu überzeugen, sie sollten dazu ja sagen."

Facebook - aber auch Google - sieht das Apple-Update problematisch. Beide Unternehmen befürchten: Wenn viele Millionen Menschen ihre Einwilligung zur Nachverfolgung verweigern, könnten sie keine zielgenaue Werbung mehr anbieten. Denn die funktioniert nur, wenn die Verhaltensweise der Nutzerin oder des Nutzers analysiert werden kann.

Facebook fürchtet ums Geschäftsmodell

Anders als in Europa hat Apple in den USA einen Marktanteil von 50 Prozent. Die neue Funktion könnte sich also negativ auf die Werbe-Einnahmen von Facebook und Google auswirken. "Viele Jahrezehnte haben die Anbieter von zielgenauer Werbung behauptet, sie sei besser für die Nutzer", sagt Tech-Experte Kafka. Da möge auch etwas dran sein. "Die Antwort von Apple lautet: Reklame gibt es schon länger als zielgenaue Werbung. Es geht auch ohne", so Kafka.

Facebook schießt derzeit mit voller Wucht zurück. Der Konzern schaltet ganzseitige Zeitungsanzeigen in "New York Times" und "Washington Post". Plötzlich geriert sich Mark Zuckerberg, als gelte es die Freiheit des Internets zu verteidigen.

Offener Zwist, öffentlich ausgetragen

Kritiker sagen, er habe mit Facebook in den vergangenen Jahren eher eine abgeschottete Alternative zum freien Web schaffen wollen. Und noch etwas fliegt Facebook derzeit um die Ohren: Mit dem Apple-Update würden besonders Kleinunternehmer getroffen, die Werbung auf Facebook schalteten. "Apple sagt dazu: Im Grunde schadet es Facebook und nicht den Kleinunternehmern", sagt Kafka. "Das ist ein ungewöhnlich öffentlicher Zwist zwischen zwei Unternehmen, der normalerweise hinter verschlossenen Türen ausgetragen wird."

Der Streit zwischen Facebook und Apple kommt zumindest für Facebook zu einer Unzeit: Gegen den Konzern läuft bereits ein Wettbewerbsverfahren. Der Vorwurf: es missbrauche am Anzeigenmarkt seine Macht und habe sich hier sogar mit Google verbündet.

Für Apple zahlt der Streit eher positiv ein. Es setzt sich vorgeblich für den Schutz der Verbraucherrechte ein. Außerdem hat es das Unternehmen leichter: Apple stellt hauptsächlich Hardware her und ist unabhängig vom Anzeigenmarkt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Februar 2021 um 10:41 Uhr.