Drohne über dem Hamburger Hafen, in der Nähe der Elbphilharmonie

Neue Verkehrskonzepte Hamburger Hafen wird Testfeld für Drohnen

Stand: 15.07.2021 15:03 Uhr

Pakete ausliefern, Windräder inspizieren: Die Anwendungsmöglichkeiten für Flugdrohnen sind vielfältig, aber in der Praxis schwer umzusetzen. Am Hamburger Hafen wird das Konzept jetzt getestet.

Fußgänger und Autofahrer müssen sich darauf einstellen, dass sie Gehwege und Verkehrsstraßen in einigen Jahren mit autonomen Paketrobotern und selbstständig fahrenden Autos teilen müssen. Vor einigen Wochen hatte Deutschland als eines der ersten Länder eine umfassende Gesetzgebung beschlossen, die das autonome Fahren regeln soll. Aber Deutschland soll nach dem Wunsch der Bundesregierung nicht nur in diesem Bereich an der Spitze stehen.

Auch der Luftraum soll künftig mittels moderner Drohnentechnologie gewerblich genutzt werden können. Mit einem Aktionsplan will die Bundesregierung schon in wenigen Jahren Drohnen als alltäglichen Verkehrsträger etablieren und zu einem deutschen Exportschlager machen.

Drohnen-Testfeld Hamburger Hafen

Bis es so weit ist, sind allerdings einige offene Fragen zu klären: Lahmgelegte Flughäfen nach Drohnensichtungen haben immer wieder gezeigt, dass die unfallfreie Integration der "UAS" ("Unmanned Aircraft Systems") in den zivilen Luftverkehr eine der größten Herausforderungen ist, bevor die Technologie umfassend eingesetzt werden kann.

Wie das konkret funktionieren könnte, wird in den kommenden Monaten im Hamburger Hafen getestet. Er ist das bundesweit erste Testfeld für einen Drohnen-Luftraum in Deutschland. Die staatliche Deutsche Flugsicherung (DFS) und die Droniq GmbH, eine Beteiligung von DFS und Deutscher Telekom, wollen herausfinden, wie Drohnenflüge "einfach, sicher und in Koordination mit dem bemannten Luftverkehr" möglich sind, teilten die beteiligten Unternehmen mit. Das Bundesverkehrsministerium fördert das Projekt mit einer knappen halben Million Euro.

Blaupause für Drohnenflugräume

DFS und die Droniq GmbH werden in einem etwa zehn Quadratkilometer großen Testgebiet praktisch erkunden, wie Drohnenflüge "einfach, sicher und in Koordination mit dem bemannten Luftverkehr" möglich sind, teilten sie mit.

Im räumlich abgegrenzten Luftraum des Hafens koordinieren der Idee nach "spezielle Regeln und Verfahren den Drohnenverkehr und ermöglichen es, Drohnenflüge schnell, sicher und ohne langen Genehmigungsaufwand durchzuführen - auch außerhalb der Sichtweite des Piloten".

Am Ende solle eine "Blaupause für die Einrichtung von regulären Drohnen-Lufträumen in Deutschland" stehen, so das Verkehrsministerium.

Kommerzielle Drohnen, ein Wachstumsmarkt  

Einer Branchenstudie des Verbands Unbemannte Luftfahrt zufolge sind in Deutschland derzeit mehr als 430.000 Drohnen im Umlauf. Die Zahl der gewerblich genutzten Fluggeräte ist demnach aber mit 45.200 deutlich geringer als die der privaten, die meist als Fotodrohnen oder als Spielzeug eingesetzt werden.

Aber seit 2019 habe sich die Zahl der kommerziell betriebenen Drohnen mehr als verdoppelt (plus 138 Prozent), während die Zahl der privat genutzten Drohnen rückläufig sei (minus 14,5 Prozent). Bis 2025 soll sich die Zahl der kommerziell betriebenen "UAS" demnach auf 132.000 verdreifachen.

Genutzt werden können kommerzielle Drohnen der Studie zufolge vor allem bei der Vermessung. Drohnen kämen zudem zunehmend bei der Inspektion von Gebäuden und Infrastrukturen wie Windkraftanlagen und Hochspannungsleitungen zum Einsatz.

Neue Anwendungen sieht die Bundesregierung in ihrem Aktionsplan zum Beispiel bei der Verkehrsüberwachung auf Straßen und Gewässern, bei der Erkundung von Landschaften sowie im Katastrophenschutz und in der Logistik: Pakete könnten per Drohne geliefert, Bauteile zwischen Produktionswerken transportiert werden.

Förderprogramm des Bundes

Im März dieses Jahres hatte Bundesverkehrsministerium ein neues Förderprogramm aufgelegt, mit dem Anwendungen und Konzepte für die unbemannte Luftfahrt vorangebracht werden sollen. Für das Programm stehen mehr als elf Millionen Euro bereit. Ziel ist es laut Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), dass Drohnen ein "selbstverständlicher Teil innovativer Mobilitätslösungen" werden.

Sie seien "unscheinbare Helfer", die in Zukunft vieles ermöglichen und erleichtern und eine "neue Dimension" der Luftfahrt eröffnen könnten. Vom aktuellen Plan für den Hamburger Hafen verspricht sich Scheuer einen Schub für seinen Plan, Deutschland zum internationalen Vorreiter der Drohnen-Technologie zu machen: Jetzt hole man Drohnen-Innovationen Made in Germany aus der Nische und in die Luft, so der Minister.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. Juli 2021 um 10:45 Uhr in den Nachrichten.