Netzwerkkabel stecken in Ports eines Switches | dpa

Bitkom-Studie Digitale Aufbruchstimmung durch Corona

Stand: 24.11.2021 14:12 Uhr

Homeoffice, vernetzte Produktion, künstliche Intelligenz: Die Firmen haben in der Pandemie in die Digitalisierung investiert. Was das für den Wettbewerb bedeutet, zeigen die Ergebnisse einer Umfrage des Verbands Bitkom.

Von Anke Hahn, rbb

Homeoffice - das ist wohl die erste Antwort, die den meisten auf die Frage einfällt, welchen Anteil Corona an der Digitalisierung der Wirtschaft hat. Videoschaltkonferenzen, gemeinsames Bearbeiten von Texten an verschiedenen Computern, digitale Signaturen: Das Arbeiten im Homeoffice wurde für viele nur dank dieser technischen Möglichkeiten denkbar.

Anke Hahn

Innovationsschub in der Pandemie

Seit Beginn der Pandemie haben viele Menschen Erfahrungen mit dieser Art zu arbeiten gemacht. Denn acht von zehn Unternehmen weiteten Homeoffice aus oder führten es neu ein. Das digitalisierte Büro hat in der Folge einen echten Erneuerungsschub erlebt. Das ergab die Bitkom-Umfrage unter mehr als 600 Firmen verschiedener Branchen. "Viele Unternehmen haben sich während der Pandemie vom Papier verabschiedet", resümiert Bitkom-Präsident Achim Berg. "Das zeigt: Digitalisierung im Unternehmen ist nichts Abstraktes, Digitalisierung besteht aus einer Vielzahl von konkreten Maßnahmen gepaart mit einem neuen Denken."

Daher überrascht es nicht, dass Unternehmen kräftig umorganisiert und investiert haben. 92 Prozent der Befragten haben Videokonferenzen statt persönlicher Treffen neu eingeführt oder ausgeweitet, drei Viertel Tools zur digitalen Zusammenarbeit und rund zwei Drittel zusätzliche Hardware angeschafft. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhielten bei der Mehrzahl der befragten Unternehmen Weiterbildungen.

Alle Arbeitsbereiche betroffen

Doch die Digitalisierung hat nicht nur Bürotätigkeiten verändert. Alle Bereiche sind betroffen. Arbeitsabläufe in der Produktion wurden digital umgerüstet, Marketing und Verkauf erneuert. Dafür wird in drei Viertel aller Unternehmen auch Big Data vor allem zur Datenanalyse eingesetzt. Das sind deutlich mehr als vor zwei Jahren. Auch das Internet of Things, das insbesondere bei der vernetzten Produktion wichtig ist, legt an Beliebtheit zu, beschäftigt inzwischen fast zwei Drittel aller Betriebe - 2019 galt das nicht einmal für die Hälfte der Untenerhmen.

Das Schlagwort Künstliche Intelligenz - kurz KI - hat sich in der deutschen Wirtschaft mit Inhalt gefüllt. Die Auszeiten durch Corona haben viele Unternehmen genutzt, um neu zu denken. Das schlägt sich auch in der Personalpolitik wieder. Fast jeder fünfte Betrieb hat Digitalisierungsexpertinnen oder -experten eingestellt.

Digitalisierung als Wettbewerbsvorteil

Die Unternehmen wurden auch gefragt, wie sich die Digitalisierung auf den Wettbewerb auswirke. Das eindeutige Ergebnis: Er hat sich verschärft. Die Hälfte der befragten Betriebe muss selbstkritisch feststellen, dass Wettbewerber aus der eigenen Branche, die frühzeitig auf die Digitalisierung gesetzt hätten, nun besser dastünden.

Zudem tauchen durch die Digitalisierung Wettbewerber aus anderen Branchen in den jeweiligen Märkten auf. Besonders Firmen aus der Internet- und IT-Branche expandieren und verdrängen angestammte Unternehmen.

Datenschutzauflagen als Hindernis empfunden

Wirklich zufrieden mit den eigenen Fortschritten in Sachen Digitalisierung sind die Unternehmen nicht. Sie hatten bei der Umfrage die Möglichkeit, sich eine Schulnote zu geben: Im Schnitt war es eine Drei. Vor allem die Anforderungen des Datenschutzes haben die Firmen nach eigener Aussage an einer Umsetzung ihrer Pläne gehindert. "In Deutschland besteht eine riesige Verunsicherung, befeuert durch ein weltweit einmaliges Auslegungswirrwarr mit 17 Datenschutzaufsichten in den Ländern und einer im Bund", so Bitkom-Präsident Berg. Entsprechend wünschen 72 Prozent Befragten eine Abschaffung der Datenschutzaufsichten der Länder und eine Bündelung der Aufgaben in einer Bundesbehörde.

Problematisch für die Unternehmen ist aber auch der Mangel an geeigneten Fachkräften, die einen weiteren Ausbau der Digitalisierung umsetzen könnten. Perspektivisch fordern deshalb 82 Prozent, Informatik als Pflichtunterrichtsfach ab der 5. Klasse einzuführen.

Homeoffice ist nicht das Modell der Zukunft

Nach der Pandemie wollen die Unternehmen ihre digitalen Neuerungen, die aufgrund von Arbeitseinschränkungen durch Corona-Regeln eingeführt wurden oder die zur Modernisierung genutzt wurden, im Wesentlichen behalten. Einige wollen mehr investieren, andere weniger. Nur beim Homeoffice zeigt sich ein unerwarteter, aber klarer Trend: Hier will nur ein Viertel an den Corona-Regelungen festhalten oder diese ausweiten, aber 71 Prozent wollen sie ganz oder teilweise wieder zurücknehmen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. November 2021 um 14:00 Uhr.