Apple-Chef Tim Cook präsentiert das iPhone 13 | picture alliance/dpa/Apple

iPhone 13 vorgestellt Apple setzt auf Kameras und Geschwindigkeit

Stand: 15.09.2021 10:37 Uhr

Der kalifornische Hersteller spendiert seinen iPhones der neuen Generation schnellere Chips und bessere Kameras. Überraschungen gibt es bei den Apple-Geräten kaum. Experten rechnen trotzdem mit einem Erfolg.

"Superschnell und energieeffizient" sollen die neuen iPhones sein. Mit dem A15 Bionic genannten Chip, der aus eigener Entwicklung stammt, und mehr 5G-Bändern setzt Apple voll auf Geschwindigkeit der Geräte und Vernetzung. Es sei das leistungsstärkste Prozessor-System in einem Smartphone, teilte der Konzern mit. Jede neue iPhone-Generation ist extrem wichtig für Apple. Denn das iPhone ist das mit Abstand wichtigste Produkt des Unternehmens - und auch die Basis für das Geschäft mit anderen Geräten.

Mit neuen Hochleistungskameras haben die Kalifornier zudem die Kinoindustrie im Blick und versprechen neue Funktionen für filmreife Aufnahmen. Auf den Geräten gibt es etwa einen "Cinematic"-Videomodus, bei dem die Software automatisch je nach Geschehen vor der Kamera auf verschiedene Ebenen im Bild fokussiert. Dreht sich etwa die Person im Vordergrund nach hinten um, wird das Objektiv auf den Hintergrund scharfgestellt, in dessen Richtung sie blickt.

Laut Apple-Chef Tim Cook ist die Produktreihe die "bisher größte Weiterentwicklung des Kamerasystems". "Die Kameraleistung ist zum wichtigsten Schlachtfeld bei Premium-Smartphones geworden, und es ist keine Überraschung, dass Apple seinen Einsatz im Spiel erhöht und die Top-End-iPhones mit einem dreifachen optischen Zoom, Makrofotografie und Videofunktionen wie dem Kinomodus ausgestattet hat", sagte Ben Wood, Chefanalyst beim Marktforschungsunternehmen CCS Insight, der "Financial Times".

Äußeres bleibt ähnlich

Äußerlich veränderte sich das gestern Abend vorgestellte iPhone 13 dagegen wenig. Es behält das Design der aktuellen Generation mit eckigen Kanten. Die auffälligste Änderung neben neuen Farben ist, dass die Lücke am oberen Bildschirmrand für Kameras und Sensoren zur Gesichtserkennung um 20 Prozent verkleinert wurde.

Apple iPhone 13 Pro

Passend dazu wurden auch die Displays überholt. Unter anderem unterstützt das teure iPhone Pro nun auch - wie bereits diverse Konkurrenz-Smartphones - Bildwiederholungsraten von bis zu 120 Hertz. Der Erzrivale Samsung konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen und verwies in einem Tweet darauf, dass man dies schon seit einiger Zeit habe. Apple will nur dann auf die stromhungrigen 120 Hertz kommen, wenn sie für besonders dynamische Szenen gebraucht werden.

Angesichts besserer Kameras und entsprechend größerer Dateien bekommen die Telefone darüber hinaus mehr Speicher. In der Basis-Version hat das iPhone 13 nun mindestens 128 Gigabyte an Bord, das Pro-Modell bis zu 1 Terabyte. Es gibt auch ein iPhone 13 mini - während zeitweise spekuliert wurde, Apple wolle das kleinere Modell abschaffen, da die Verkäufe unter den Erwartungen geblieben seien.

Kunden mit älteren Geräten als Zielgruppe

Branchenanalysten sahen keine Probleme für Apple nach der Vorstellung der neuen Modelle. "Aus unserer Sicht gab es keine revolutionären Ankündigungen", so Analyst Harsh Kumar von der Investmentbank Papier Sandler. Er rechne aber damit, dass die Nachfrage unter anderem dank der Prämien für alte Geräte hoch bleibe.

Die neue Generation sei kein erhebliches Update im Vergleich zum Vorjahres-iPhone, schrieb Analyst Amit Daryanani von der Finanzfirma Evercore. Aber die verbesserten Funktionen würden es "zu einem attraktiven Produkt für die mehr als 900 Millionen iPhone-Nutzer machen, die sich nicht das iPhone 12 gekauft haben".

Im vergangenen Jahr hatte Apple mit dem iPhone 12 vieles am Gerät verändert - das Smartphone erhielt ein neues Design und unterstützte nun den superschnellen 5G-Datenfunk. "Ich glaube nicht, dass iPhone-12-Nutzer ein Upgrade brauchen", schrieb der Forrester-Analyst Thomas Husson. Für die Mehrheit der Nutzer, die ältere Geräte haben, sei der Sprung zu 5G mit dem iPhone 13 oder den nun günstigeren iPhone-12-Modellen ein Sprung nach vorn. Einer Umfrage der Investmentbank Baird zufolge haben 45 Prozent der Apple-User in den USA ein Gerät, das zwei Jahre oder älter ist. Sie gelten damit als potenzielle Upgrade-Kunden.

Umsatzanteil des iPhones sinkt

Während mehr als 80 Prozent der weltweit verkauften Smartphones mit dem Google-System Android laufen, hat sich Apple einen lukrativen Platz im Rest des Marktes erkämpft. Francisco Jeronimo von der Analysefirma IDC verwies darauf, dass Apple mit dem iPhone einen Marktanteil von gut 70 Prozent bei Premium-Smartphones zum Preis über 800 Dollar halte. Die Zahl der verkauften Geräte sei im ersten Halbjahr um gut ein Drittel gestiegen.

Im Weihnachtsquartal werden traditionell die meisten iPhones verkauft - und Apple verdrängte zuletzt immer wieder Marktführer Samsung vom ersten Platz. Das iPhone stand früher für bis zu zwei Drittel des Konzernsgeschäfts. Zuletzt sank sein Umsatzanteil aber unter 50 Prozent, unter anderem weil in der Corona-Pandemie auch Mac-Computer und iPad-Tablets deutlich populärer wurden. Apple erneuert nun auch das iPad und das kleinere iPad mini.

Apple Watch behält charakteristische Form

Die Computer-Uhr Apple Watch bekommt unterdessen in der vorgestellten neuen Generation Series 7 ein etwas größeres Display. Da der Rahmen um den Bildschirm dünner gemacht wurde, ist das Gehäuse nur ein wenig größer als beim Vorgänger-Modell. Mit mehr Platz lässt sich nun zum Beispiel erstmals auf einer kleinen Tastatur auf dem Display tippen.

Vor dem Online-Event, das am Dienstag mehr als zwei Millionen Menschen live sahen, war spekuliert worden, dass Apple das Design der Computer-Uhr radikal ändern wolle. Es hieß, sie solle statt der bisher abgerundeten Ränder kantiger daherkommen. Doch die Uhr behält ihre charakteristische Form. Ebenso wenig bestätigten sich Berichte, dass sich mit dem neuen neuen iPhone im Notfall eine Satellitenverbindung aufbauen lassen könnte.

Zum Ausbau des Dienste-Geschäfts führt Apple sein Trainings-Abo Fitness+ in weiteren Ländern ein - darunter demnächst auch in Deutschland. Anleger reagierten wenig begeistert auf die Vorstellung der Konzern-Neuheiten. Die Apple-Aktie verlor an den US-Börsen etwa 1,5 Prozent.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. September 2021 um 12:00 Uhr sowie tagesschau24 um 13:00 Uhr.