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Berichte über Apple-Pläne Satellitenfunktion in iPhones wird konkreter

Stand: 01.09.2021 10:22 Uhr

Auch wenn sich Apple noch nicht zu den Gerüchten äußert: Die Berichte über Details einer Satellitenfunktion der nächsten iPhone-Generation werden konkreter. Offenbar ist sie vorrangig für Notfälle gedacht.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles, zzt. in San Francisco

Apple will die neue Funktion - Codename: "Stewie" - offenbar nur in Gefahrensituation ermöglichen. Und zwar immer dann, wenn ein terrestrisches Mobilfunknetz nicht zur Verfügung steht - zum Beispiel wenn man sich in einer entlegenen Region befindet, in den Bergen oder auf hoher See. Dann, so berichten Analysten, soll es mit der neuen iPhone-Generation, die am 14. September vorgestellt werden könnte, möglich sein, Rettungskräfte im Notfall via SMS zu benachrichtigen. "Das ist eine sehr wahrscheinliche Funktion", erklärt Analyst Mathew Bloxham gegenüber dem Wirtschaftsdienst Bloomberg. "Es würde sich um ein einfaches Upgrade handeln. Die Gerüchte sagen, Apple nutzt dafür das Globalstar-Network." Eine zweite Notfallfunktion sieht anscheinend vor, dass man größere Unfälle oder Katastrophen melden kann. Die Textnachrichten sollen im Umfang aber begrenzt sein. Vorstellbar wäre es auch, dass man mit Polizei oder Feuerwehr via Satellitenverbindung sprechen kann. Entsprechende Notfall-Benachrichtigungen gibt es auf den Apple-Telefonen bereits. Sie melden im Ernstfall die genaue Position sowie eventuelle medizinische Besonderheiten.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Neuer Chip kommuniziert mit LEO

Möglich macht die Funktion ein neuer Chip der Firma Qualcomm. Das X-60-Modem erlaubt die Kommunikation mit LEO-Satellitensystemen. LEO steht für "Low Earth Orbit" - erdnahe Satellitensysteme, von denen es immer mehr gibt. Nicht nur Elon Musks Unternehmen SpaceX hat mittlerweile ein engmaschiges Netz mit rund 1600 Satelliten um die Erde in Position gebracht. Auch Unternehmen wie Iridium oder Globalstar betreiben eigene Netze.

Während das Starlink-System von SpaceX auf die Internetversorgung aus dem All spezialisiert ist, wird Apple hier vermutlich mit Globalstar zusammenarbeiten, einer Firma in Louisiana. Erst kürzlich hatte Globalstar bekanntgegeben, dass man mit einer nicht genannten Firma an einem neuen Dienst arbeite. Das werten Analysten als deutliches Indiz. Globalstar besitzt 24 Satelliten, die die Erde in einer erdnahen Umlaufbahn umkreisen.

Vor allem einer Firma dürfte Apple hier Konkurrenz machen: Garmin baut mobile Navigationsgeräte und Smartwatches. Für seine Navigationsgeräte, die auch auf Schiffen zum Einsatz kommen, bietet es einen Dienst unter dem Namen "inReach" an, mit der man kurze SOS-Nachrichten via Satellit absetzen kann.

Wohl keine eigenen Apple-Satelliten

In der Firmenzentrale von Apple hat man nach Bloomberg-Informationen auch darüber nachgedacht, ein eigenes Satelliten-System ins All zu schießen. Das Geld dafür wäre da. Die Idee sei aber wieder verworfen worden. Investor Gene Munster von Loupe Ventures fände dennoch genau das spannend: "Das Unternehmen setzt seinen Fokus auf den Bau von Geräten und Software sowie auf Dienstleistungen. Darüber redet Apple-Chef Tim Cook immer wieder", sagte er dem Wirtschaftssender CNBC. "Auch wenn es für ihr Geschäft gut wäre, glaube ich, dass ihre Firmengeschichte ein Indiz dafür ist, dass sie sich auf das konzentrieren, was sie groß gemacht hat. Und das sind eben Geräte und Dienstleistungen."

Seit mindestens vier Jahren beschäftigt sich bei dem Unternehmen ein spezielles Team mit der Satellitentechnologie. Auch im Android-Lager arbeiten viele asiatische Hersteller wie Samsung mit der Anbindung an Satellitensysteme. 

Satellitentelefonie bislang sehr teuer

Dass Nutzer eventuell in Zukunft ganz auf einen Vertrag mit einem terrestrischen Mobilfunkanbieter verzichten können, ist aber eher unwahrscheinlich. Bei Globalstar kosten derzeit 150 Minuten Telefonie knapp 180 Euro im Monat. Wer SMS verschicken will, zahlt rund acht Euro im Monat und darf dann pro Tag eine Textnachricht versenden. Und das ganze hat einen Haken: Bei vielen Satelliten-Providern ist eine Internetverbindung, die man bräuchte, um E-Mails abzurufen oder im Netz zu surfen, häufig nicht nicht eingeschlossen. Daher sind die Dienste von Firmen wie Globalstar eigentlich nur für die Besitzer von Booten oder kleinen Privatjets interessant. 

Es ist außerdem nicht sichergestellt, dass von jedem Punkt der Erde eine Funkverbindung mit einem Satelliten funktioniert - zumal es auch für einige Länder gesetzliche Restriktionen gibt. Und besonders eilig darf man es auch nicht haben: Der Verbindungsaufbau mit einem Satelliten kann bis zu einer Minute und manchmal auch länger dauern. Ungeachtet aller technischen Fallstricke: Apple heizt mit seinem neuen Satellitenchip - so er denn tatsächlich im iPhone 13 kommt - das Wettrennen um neue Smartphone-Funktionen neu an.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. August 2021 um 13:55 Uhr.