Senioren beim Jogging im Wald | dpa

Silicon Valley Altos Labs will das Altern aufhalten

Stand: 20.09.2021 11:57 Uhr

Ein geplantes Start-Up im Silicon Valley sorgt schon vorab für Furore: Altos Labs will den Alterungsprozess umkehren. Die Investoren sind offenbar milliardenschwer - darunter etwa Amazon-Gründer Bezos.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Auf dem Papier und im Handelsregister existiert das neue Unternehmen noch gar nicht. Im Silicon Valley und an den beiden großen Unis der Region - Stanford und Berkeley - ist es trotzdem Gesprächsthema Nummer eins. "Altos Labs verpflichtet viele Akademiker von diesen beiden Universitäten. Ihnen wird versprochen, sie könnten sich wissenschaftlich austoben. Hauptfokus, so die Idee, ist zunächst Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Zellverjüngung", verrät Antonio Regalado vom MIT Technology Review-Magazin.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Die offenbar mit vielen Millionen ausgestattete Firma plant nach Informationen von Regalado die Eröffnung gleich mehrerer Institute auf der Welt - von San Francisco, San Diego, Cambridge in England und von Japan sei die Rede. So wolle man ein akademisches Netzwerk aufbauen und für einen ständigen Input wichtiger Forschungsergebnisse sorgen.

Geld jedenfalls scheint keine Rolle zu spielen, den Forscherinnen und Forschern bietet man laut Regalado ungewöhnlich hohe Gehälter an. Sie sollen für Spitzenkräfte im Millionen-Bereich liegen. "Einer ist zum Beispiel Steve Horvath, der eine Methode entwickelt hat, aus einer Zellprobe unser biologisches Alter zu bestimmen. Er ist ein wichtiger Forscher und sein Verpflichtung ist ein großer Erfolg", so Regalado.

Erfolgreiche Test-Ergebnisse an Mäusen

Altos Labs verfolge vor allem ein Ziel: die Verjüngung menschlicher Zellen. Ausgangspunkt sollen die Forschungsergebnisse des japanischen Stammzellenforschers Shinya Yamanaka sein, der 2012 mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. "Er hat herausgefunden, wie man das Alter einer Zelle wieder zurücksetzen kann. Nimmt man eine menschliche Zelle und wendet auf sie den sogenannten Yamanaka-Faktor an, es handelt sich hier um vier Proteine, dann lässt sich diese Zelle wieder in einen embryonalen Zustand zurücksetzen."

An Mäusen hat man diesen Yamanaka-Faktor bereits ausprobiert: Die Zellen der Tiere entwickeln sich zurück. Es tritt eine Verjüngung ein.

Nachteil: Abgekapselter Tumor entwickelt sich

Aber bislang erkauft man sich diese mit einem riesigen Nachteil: Es entwickelt sich ein Teratom. Das ist ein abgekapselter Tumor, der Haut, Haare, Zähne oder Muskel- und Nervengewebe enthalten kann. Altos Labs will deshalb herausfinden, welche Moleküle genau nötig sind, um den Verjüngungsprozess anzustoßen, ohne dass sich dabei ein Tumor entwickelt.

Wenn die Firma das geschafft hat, könnte am Ende eine Behandlungsmethode stehen. "Es könnte sich um eine chemische Droge handeln, die den Verjüngungsvorgang innerhalb einer Zelle anstößt und eine Verjüngung um fünf oder zehn Jahre auslöst, aber nicht ganz bis zur Geburt zurückgeht. Es könnte sich um eine Droge oder eine Gen-Therapie handeln. All das muss erst noch erforscht werden", so Regalado.

Jeff Bezos

Amazon-Gründer Jeff Bezos soll in das Biotechunternehmen investiert haben.

Unsterblichkeit als Ansporn

Scherzhaft meint MIT Technology Review-Autor Regalado, Milliardäre wie Yuri Millner oder Jeff Bezos wollten das Geheimnis der Verjüngung schon deshalb knacken, damit sie mehr Zeit haben, ihren Reichtum, ihr Geld länger auszukosten. "Ein Ansporn für Milliardäre wie Yuri Millner ist vermutlich Unsterblichkeit. Wahrscheinlich sind wir die letzte Generation, die noch sterben muss. Das jedenfalls behaupten einige Biologen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. September 2021 um 17:19 Uhr in der Sendung "Wirtschaft und Gesellschaft".