Wartende Passagiere am Eurowings-Schalter | Bildquelle: dpa

Streik des Kabinenpersonals Eurowings streicht mehr als 170 Flüge

Stand: 29.12.2019 12:46 Uhr

Wegen des drohenden UFO-Streiks hat Eurowings einen Sonderflugplan für Montag bis Mittwoch veröffentlicht. Gut 170 Flüge fallen aus. Zwischen den Konfliktparteien scheint es keine Annäherung zu geben, der Ton verschärft sich.

Wegen des für den Jahreswechsel angekündigten Streiks der Flugbegleitergewerkschaft UFO hat die Lufthansa-Tochter Eurowings mehr als 170 Flüge gestrichen. Wie das Unternehmen auf seiner Website mitteilte, sind vor allem Inlandsflüge betroffen. Daneben fallen auch Verbindungen nach Wien und Zürich aus. UFO will ab Montag drei Tage streiken. Ein Schlichtungsangebot von Germanwings hatte die Gewerkschaft gestern zurückgewiesen. 

Eurowings hatte zunächst für Montag und Dienstag je 54 gestrichene Flüge vermeldet, die Angaben wurden wenig später ergänzt. Das Unternehmen, das mit den Germanwings-Flugzeugen einen Teil seiner Flüge bestreitet, warf UFO eine rücksichtslose "Machtpolitik auf dem Rücken von Kunden und Mitarbeitern" vor und kritisierte das Nein der Gewerkschaft zu einer Schlichtung. 

Schlagabtausch zwischen Konfliktparteien

Der Streikaufruf von UFO sei "völlig unverständlich und unverhältnismäßig", erklärte das Unternehmen in München. Die Gewerkschaft lehne den Teilzeit-Tarifvertrag bei Germanwings ab, obwohl das Unternehmen das in einer Schlichtung gemeinsam erarbeitete Teilzeitmodell schon seit einem Jahr anwende. 

Die Gewerkschaft dagegen warf der Konzernführung irreführende "Spielchen" vor. Germanwings wolle mit "wohlfeilen Formulierungen" den Eindruck erwecken, das Unternehmen erfülle die Forderungen des Kabinenpersonals, schrieb die Tarifkommission zu dem Schlichtungsangebot. Wer die Germanwings-Mitteilung genau lese, sehe, "dass man uns nicht den von uns verhandelten Tarifvertrag, sondern die Regelungen der Lufthansa aufs Auge drücken will". Der Mutterkonzern Lufthansa habe aber weniger Teilzeitmöglichkeiten als Germanwings, einige Modelle seien nur befristet, andere ließen sich nicht kombinieren.

UFO gibt sich weiter verhandlungsbereit

Außerdem versuche Germanwings-Geschäftsführer Francesco Sciortino, das Kabinenpersonal "mit unschöner Rhetorik unter Druck zu setzen", hieß es in dem Schreiben der Tarifkommission weiter. Sciortino hatte sein Schlichtungsangebot mit der Frage verknüpft: "Wollen wir wirklich leidenschaftliche Service-Mitarbeiter zwischen Weihnachten und Neujahr mit der Frage belasten, ob sie ihre Fluggäste in einer ganz wichtigen Ferienphase einfach stehen lassen?" 

Die Gewerkschaftsvertreter erklärten, Germanwings sei am Samstag telefonisch noch einmal mitgeteilt worden, "was es braucht, um den Streik noch abzusagen". UFO habe "klare Forderungen" aufgestellt und würde darüber "zur Not" auch noch heute verhandeln. Auf dieses Angebot habe Germanwings aber nicht reagiert.

Streik-Ausweitung angedroht

Die Gewerkschaft brachte sogar eine Ausweitung des Streiks ins Spiel: Angesichts des Vorgehens der Unternehmensführung sei zu befürchten,"dass drei Tage noch lange nicht genug sein werden", hieß es von UFO. Die Gewerkschaft hatte am Freitag dazu aufgerufen, von Montag 00.00 Uhr bis Mittwoch 24.00 Uhr zu streiken.

Offizieller Grund des Konflikts sind Gehaltserhöhungen, betriebliche Altersvorsorge und Teilzeitregelungen bei den Lufthansa-Töchtern. Hinzu kommt, dass der Lufthansa-Konzern die Vertretungsbefugnis von UFO für das Kabinenpersonal anzweifelt und die "Gewerkschaftseigenschaft" als ungeklärt sieht. Die Streiks seien daher rechtswidrig.

In dem Arbeitskampf gab es bereits einen Warnstreik: Im November waren an zwei Tagen rund 1500 Flüge bei der Lufthansa und Tochtergesellschaften ausgefallen, rund 200.000 Passagiere waren betroffen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Dezember 2019 um 12:05 Uhr.

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