Ein DHL-Mitarbeiter sortiert in seinem Transporter Pakete | picture alliance/dpa

Hohe Kosten im Online-Modehandel Gratis-Retouren vor dem Aus?

Stand: 27.05.2022 11:18 Uhr

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel geht von einem baldigen Ende der kostenlosen Retouren im Modehandel aus. Allerdings haben wichtige Anbieter bereits angekündigt, die Praxis beizubehalten.     

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) rechnet damit, dass viele Modeunternehmen im Bereich Onlinehandel künftig für Rücksendungen beim Kunden Gebühren erheben werden. "Wir erwarten ein Ende der kostenlosen Retoure, die bisher gang und gäbe ist und die von Kunden auch erwartet wird", sagte ein Sprecher des BEVH der "Süddeutschen Zeitung" (SZ).

Als Grund nannte er gestiegene Kosten: "Die hohen Preise für Transport und Verpackung führen dazu, dass die Händler diese Kosten stärker an die Kunden weitergeben." Generell sei der Boom der Corona-Jahre in der Modebranche vorbei.

Wichtige Marktakteure widersprechen

Im vergangenen Jahr hatte bereits der größte japanische Bekleidungshändler Uniqlo eine Rücksendegebühr von 2,95 Euro pro Paket eingeführt. Seit einigen Tagen erhebt auch Zara, die bekannteste Mode-Kette des spanischen Inditex-Konzerns, eine Retourengebühr von 1,95 Euro je Rücksendung. Laut BEVH werden weitere Unternehmen folgen. "Bleiben die Rückversandkosten weiter so hoch, werden Zara und Uniqlo die ersten, aber nicht die letzten sein, die Kosten an ihre Kunden weitergeben", sagte der Sprecher.

Allerdings teilten Amazon, Zalando und Otto bereits mit nicht zu beabsichtigen, Retouren kostenpflichtig zu machen. "Wir werden unsere Kundinnen in einer Zeit, in der sie durch die Teuerung von Energie und diverser Waren zusätzlich belastet sind, ganz bestimmt nicht über kostenpflichtige Retouren extra zur Kasse bitten", sagte ein Sprecher der Otto Group.

Deutschland ist Retouren-Europameister

Marco Atzberger, Retouren-Experte des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI, befürwortet hingegen kostenpflichtige Retouren: "Das ist der richtige Weg", sagte er der "SZ". Björn Asdecker, Leiter der Forschungsgruppe Retourenmanagement an der Universität Bamberg, begrüßt den Schritt ebenfalls. "Vielleicht ist da jetzt ein Anfang gemacht", sagte er.  

Deutschland ist Retouren-Europameister. Die Rücksendequote liegt laut EHI bei bis zu 75 Prozent, bei Mode geht rund jedes zweite Paket im Durchschnitt zurück. Nach Angaben der Verbraucherzentrale seien das Tag für Tag etwa 800.000 Pakete allein in der Modebranche. Das entspreche ungefähr 400 Tonnen CO2 oder 255 Autofahrten von Frankfurt nach Peking.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Mai 2022 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.