Das Logo der Supermarktkette Real ist an einer Gebäudefront angebracht.  | Bildquelle: dpa

Betriebsrat warnt vor Kahlschlag 10.000 real-Jobs in Gefahr

Stand: 14.01.2020 11:26 Uhr

Bis Ende Januar will der Handelsriese Metro die Supermarktkette real an ein deutsch-russisches Konsortium verkaufen. Der Betriebsrat schlägt Alarm: Bis zu 10.000 Arbeitsplätze seien in Gefahr.

Kurz vor dem geplanten Verkauf der Supermarktkette real warnt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Werner Klockhaus vor einem Kahlschlag beim Personal. "Der Gesamtbetriebsrat rechnet mit etwa 10.000 Arbeitslosen", sagte Klockhaus in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". "Das heißt, fast jede dritte Stelle ist in akuter Gefahr. Es wird ein Drama."

Die meisten Mitarbeiter würden laut Klockhaus durch Filialschließungen ihre Stelle verlieren. Er rechne damit, dass rund 50 Märkte geschlossen würden. Bei 120 Mitarbeitern pro Markt verlören allein dadurch 6000 Menschen ihren Arbeitsplatz.

Metro Logo | Bildquelle: dpa
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Der Handelskonzern Metro will alle 277 real-Märkte verkaufen.

Verkauf soll bis Ende des Monats besiegelt sein

Derzeit beschäftigt real etwa 34.000 Mitarbeiter. Reals Mutterkonzern, die Metro AG, plant, alle 277 Märkte in Deutschland an das deutsch-russische Konsortium X+Bricks zu verkaufen. Metro-Chef Olaf Koch sagte, er habe keinen Zweifel daran, Ende Januar einen Kaufvertrag besiegeln zu können.

Metro stehe im Dialog mit dem Bundeskartellamt, sagte Koch. Er erwarte nicht, dass es mit den Wettbewerbshütern Probleme geben werde. Das Konsortium zielt darauf ab, real im Kern weiterzuführen. Das Kartellamt sieht sich Übernahmen im hoch konzentrierten deutschen Lebensmittelhandel sehr genau an.

"Nichts wird mehr so sein, wie es war"

Der Plan des Konsortiums sieht aber auch den Verkauf und die Schließung von Filialen der mit sinkenden Umsätzen und Verlusten kämpfenden Kette vor. Klockhaus befürchtet, dass die Käufer der weitergereichten Filialen Abteilungen schließen könnten. Vor dem Aus stünden auch die Zentralverwaltung in Düsseldorf, die Logistik, Werbung und IT-Abteilung.

"Nach dem Verkauf wird nichts mehr so sein, wie es war", prophezeit Klockhaus, der auch stellvertretender Vorsitzender des Metro-Aufsichtsrats ist. Er kritisiert auch, dass die Bundesregierung die Entwicklung untätig verfolge.

Teil von großem Konzernumbau

Metro ist im Umbau zu einem reinen Großhändler und hat sich deshalb bereits von zahlreichen Tochterunternehmen getrennt. Neben real wird aktuell auch das China-Geschäft verkauft. "Unser Ursprung ist der Großhandel, und im Großhandel liegt unsere Zukunft", betonte Konzernchef Koch.

Auf dem Weg dorthin hat sich Metro bereits von der Warenhaustochter Kaufhof und den Elektronikmärkten Media Markt und Saturn getrennt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. Januar 2020 um 17:00 Uhr.

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