Containerhafen in Duisburg | picture alliance / dpa

Investmentfirma P&R Anlegern droht Milliarden-Pleite

Stand: 19.03.2018 16:03 Uhr

51.000 Anleger müssen um Milliarden bangen, weil sie in den Finanzdienstleister P&R investierten. Laut WDR und "SZ" wurde das Insolvenzverfahren gegen drei von vier P&R-Gesellschaften eröffnet. 

Von Massimo Bognanni, WDR

Seit mehr als 40 Jahren verkauft P&R mit Sitz in Grünwald bei München Finanzprodukte. Etwa 50.000 Anleger haben in die Geschäfte mit Schiffscontainern investiert. Zuletzt verwaltete das Unternehmen ein milliardenschweres Investitionsvolumen - nach Einschätzung des Fachjournalisten Stefan Loipfinger, der die Firma seit Jahren beobachtet und die Bilanzen durchforstet hat, geht es dabei insgesamt um Anlegergelder in Höhe von etwa 3,5 Milliarden Euro.

Das P&R-Geschäftsmodell war einfach: Das Unternehmen verkaufte Anlegern Schiffscontainer und mietete sie zu fest vereinbarten Preisen zurück. Die Anleger kassierten die Mieten. Nach ein paar Jahren kaufte P&R den Anlegern die gebrauchten Container zum anfänglich berechneten Restwert zurück.

Ein erstes Zittern des P&R-Bebens war bereits in den vergangenen Wochen zu spüren. P&R teilte mit, dass sich ein Container-Rückkauf verzögere. Ein Geschäftspartner sei abgesprungen. Die Gerüchte um die Finanzfirma verdichteten sich, als P&R auch den Vertrieb von Neugeschäften stoppte.

Containerhafen in Duisburg | picture alliance / dpa

Container sind das Geschäftsmodell von P&R: Der Finanzdienstleister verkaufte Anlegern Schiffscontainer und mietete sie zu fest vereinbarten Preisen zurück. Die Anleger kassierten die Mieten. Bild: picture alliance / dpa

Insolvenzverwalter appelliert an Anleger

Wie das "Handelsblatt" zuerst berichtete, hat das Gericht den erfahrenen Rechtsanwalt Michael Jaffé zum vorläufigen Insolvenzverwalter von zwei  der drei  insolventen P&R-Gesellschaften bestimmt. Die dritte wird von seinem Kanzlei-Partner Philip Heinke übernommen. Die entsprechenden Gerichtsbeschlüsse liegen WDR und "SZ" vor. Der Münchner hat bereits prominente Insolvenzen wie die des Medienkonzerns KirchMedia und des Plüschtiereherstellers Nici verwaltet.

Jaffe verspricht erstmal eine Bestandsaufnahme und appelliert an die Anleger: "Neben der Bestandsaufnahme hat für uns Priorität, die erheblichen Mittelzuflüsse aus der fortlaufenden Container-Vermietung für die Anleger und Gläubiger der insolventen Gesellschaften zu sichern. Aus diesem Grund soll auch der Betrieb der Gesellschaften weltweit fortgeführt werden, um Einnahmen zu erzielen. Wir haben Verständnis für die schwierige Lage der Anleger, bitten aber zugleich darum Ruhe zu bewahren. Eine eigene Verwertung der Container durch die Anleger macht wirtschaftlich keinen Sinn, schon weil mit den Containern langfristige Mieteinnahmen erzielt werden sollen. Unabhängig von der rechtlichen Bewertung, ist eine Einzelverwertung am Markt durch die Anleger auch faktisch gar nicht möglich."

Anbieter am "grauen Kapitalmarkt"

P&R war einer der größten Anbieter des "grauen Kapitalmarktes". Im Gegensatz zu den regulierten Märkten, wie die Börsen in Frankfurt oder New York, war der Graumarkt lange Zeit kaum durch den Staat kontrolliert, von Aufsichtsbehörden bewacht, von Profi-Investoren analysiert. Dieses "Hinterzimmer" der Finanzindustrie sorgte in den vergangenen Jahren für zahlreiche spektakuläre Pleiten. Bei der Insolvenz des Windanlagenbauers Prokon etwa standen 1,4 Milliarden Euro auf dem Spiel, die Anleger in Genussscheine gesteckt hatten. Prokon wurde inzwischen in eine Genossenschaft umgewandelt. 

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. März 2018 um 17:30 Uhr.

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KOMMENTARE

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bobby3001 19.03.2018 • 21:36 Uhr

@hepheistos, 19:40 Uhr

Sie haben recht, da werden bestimmt einige Altersvorsorgen verschwunden sein. Aber dies ist nicht - wie Sie es so gerne hier tun - der Politik anzulasten. In Zeiten, wo immer weniger Menschen in die staatlichen Sicherungssysteme einzahlen und immer mehr Menschen viele Jahre Rente bekommen, sinkt selbsterklärlich auch das Rentenniveau und muss, wie aktuell, mit vielen Milliarden Steuergeldern gestützt werden. In Zeiten, in denen selbst private Rentenversicherer auf dem normalen Weg das Geld ihrer Anleger nicht mehr arbeiten lassen können, sucht sich das Kapital immer risikoreichere Anlageformen, um eben doch noch die Anwartschaften ihrer Kunden erfüllen zu können. Der Graumarkt macht sich dieses Phänomen zunutze. Es bleibt die Faustformel für alle Anleger: Je mehr Rendite/Zinsen versprochen wird umso risikoreicher ist die Anlageform. Das hat nichts mit der Politik zu tun, so sehr Sie sich das auch wünschen würden.