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ARD-Abgas-Recherchen offenbar bestätigt Gutachten setzt Opel unter Druck

Stand: 17.06.2016 17:07 Uhr

Wurden im Opel Zafira unzulässige Abgas-Manipulationen vorgenommen? Ein Rechercheteam hatte jüngst Belege dafür vorgelegt. Nun bestätigte offenbar ein Gutachter die "sehr guten Messungen" der Journalisten und bringt damit Opel in arge Bedrängnis.

Von Achim Pollmeier und Peter Onneken, WDR

Für Opel wird es in der Abgasaffäre immer enger: Im Mai hatten Untersuchungen des ARD-Magazins Monitor und des "Spiegel" in Zusammenarbeit mit der Deutschen Umwelthilfe bisher unbekannte Abschalteinrichtungen bei einem Dieselmodell des Opel Zafira entdeckt. Ein vom Bundesverkehrsministerium eingesetzter Gutachter hat die Messungen nun offenbar bestätigt und die Abschalteinrichtungen als technisch unzulässig eingestuft. Die Zulassung des neuen Zafira-Modells, das im Herbst auf den Markt kommen soll, bleibt deshalb ungewiss.

Auslieferung von Opel-Fahrzeugen der Marke Zafira
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Die Abgasmanipulationen wurden offenbar in Diesel-Modellen des Opel-Zafira verwendet.

Abgasvorschriften nur unter Prüfbedingungen eingehalten

Nach den Enthüllungen des Rechercheteams vor fünf Wochen hatte Opel die Seriosität der Recherchen öffentlich in Zweifel gezogen und die Abschalteinrichtungen als technisch notwendig bezeichnet. Diese sorgen unter anderem dafür, dass die Abgasreinigung außerhalb eines bestimmten Temperaturfensters sowie bei Geschwindigkeiten von mehr als 140 Kilometern pro Stunde, genau festgelegten Drehzahlen und einer bestimmten Höhe über dem Meeresspiegel deutlich reduziert wird.

So hält der Motor zwar unter den offiziellen Prüfbedingungen die Abgasvorschriften ein, stößt aber im Normalbetrieb deutlich mehr giftige Stickoxide aus, als gesetzlich vorgesehen. Experten hatten dies gegenüber Monitor und "Spiegel" als illegale Abschalteinrichtungen bezeichnet, die mit der Betrugssoftware von Volkswagen vergleichbar sei.

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Gutachter bestätigt "sehr gute Messungen"

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hatte daraufhin Opel ins Ministerium vorgeladen und um eine Erklärung der Abschalteinrichtungen gebeten, die der Autobauer vor dem Ministerium und seiner Untersuchungskommission "Volkswagen" bis dahin geheim gehalten hatte. Doch die von Opel eingereichten Erläuterungen reichen dem von der Behörde beauftragten Gutachter offenbar nicht aus: Nach Recherchen des "Spiegel" spricht er von "sehr guten Messungen" des Rechercheteams und einer "eindeutigen" Sachlage: Die Abschalteinrichtungen seien technisch unzulässig. Opel hat inzwischen offenbar eine weitere Stellungnahme beim Ministerium abgegeben, um die Behauptung zu stützen, es handele sich um Maßnahmen zum Schutz des Motors. 

Das Ministerium äußerte sich auf Anfrage nicht zu dem Befund des Gutachters. Die Untersuchungen in Sachen Opel erfolgten bei der "Untersuchungskommission Volkswagen". Deren Prüfung sei jedoch noch nicht abgeschlossen. Auch Opel ließ konkrete Fragen unbeantwortet. Für den Autobauer könnte es neben Nachbesserungen am aktuellen Zafira-Modell auch um die Zukunft der nächsten Generation des Familienvans gehen: Der Nachfolger durchläuft gerade das Genehmigungsverfahren und soll ab Ende des Jahres verkauft werden. Ob das Fahrzeug durch das Kraftfahrtbundesamt die nötige Zulassung erhält, bleibt ungewiss. 

Über dieses Thema berichtete die ARD am 12. Mai 2016 um 21:45 Uhr.

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