OPEC-Logo hinter dem Modell einer Förderanlage | Bildquelle: REUTERS

60 Jahre OPEC Mit Fördermengen den Ölpreis steuern

Stand: 14.09.2020 10:03 Uhr

In den 60 Jahren seit ihrer Gründung hat die OPEC die Welt ihre Marktmacht oft spüren lassen. Das Kartell wichtiger Ölförderländer streitet immer wieder über die Frage: mehr fördern oder weniger?

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Zwei Mal im Jahr treffen sie sich im Wiener Hauptquartier der OPEC, um ihre Preispolitik abzusprechen: die Ölminister von derzeit 13 Staaten, die Erdöl fördern und exportieren. Bei der Gründung der OPEC vor 60 Jahren wollten der Iran, der Irak, Saudi-Arabien, Kuwait und Venezuela der Macht westlicher Ölkonzerne entgegenwirken.

Der Nigerianer Mohammed Barkindo ist Generalsekretär der OPEC und formuliert das in einer Jubiläumsbotschaft so:

"Dieser mutige und wegweisende Schritt repräsentiert vielerlei. Allen voran das legitime Recht von Völkern und Nationen, über ihre natürlichen Ressourcen zu verfügen. Und zum zweiten war das der Ausdruck der tiefen Überzeugung, dass Zusammenarbeit und Dialog zwischen Nationen die effizientesten Mittel sind, um die vielen Herausforderungen unserer Industrie zu meistern."

Delegierte der OPECX-Gründungsversammlung bei den Beratungen in Bagdad | Bildquelle: dpa
galerie

Am 14. September 1960 gründeten die Vertreter der ersten Mitgliedsländer in Bagdad die OPEC.

1973 schockten OPEC-Staaten die Welt 

1973 zeigte die OPEC, welche Schlagkraft sie entwickeln kann: Erdöl wurde als politische Waffe genutzt. Damals drosselten arabische Ölstaaten die Förderung und verhängten ein Embargo. Sie warfen den westlichen Industrienationen eine einseitige Parteinahme zugunsten Israels in einem militärischen Konflikt mit Ägypten und Syrien vor, der als Jom-Kippur-Krieg bekannt ist.

Die Folgen der sogenannten Ölkrise waren dramatisch. In ganz Europa wurden Fahrverbote verhängt, um Öl zu sparen. "In allen Hauptstädten Europas erinnern sich die Menschen ihrer Gehwerkzeuge, seit die Araber nämlich ihr Erdöl als Wirtschaftswaffe einsetzen", hieß es damals in der Wochenschau.

Leere Autobahnen in Deutschland infolge der Fahrverbote 1973 | Bildquelle: dpa
galerie

Infolge des Ölpreisschocks wurden auch in Deutschland teilweise Fahrverbote verhängt, die an einzelnen Tagen zu verwaisten Autobahnen führten.

Überfall auf OPEC-Zentrale im Jahr 1975

Doch eine solche Schlagkraft ist eher die Ausnahme. Die OPEC-Staaten zeigten sich oft zerstritten - vor allem in der Frage: drosseln oder mehr Öl verkaufen? Der Streit kulminierte 1975 sogar in einem blutigen Überfall auf die OPEC-Zentrale in Wien: "Wie haben Sie den Überfall erlebt?", fragte der ORF damals eine Zeugin. Der antwortete: "Ich sitze hier bei der OPEC an der Rezeption und ich hab' sie alle hereinkommen gesehen und sie haben gebrüllt 'Wo ist der Konferenzraum?' und haben geschossen." Mutmaßlicher Auftraggeber war damals Lybiens Staatschef Muammar al-Gaddafi - weil er mit der Preispolitik der OPEC unzufrieden war.

Auch der Iran-Irak-Krieg zwischen zwei OPEC-Mitgliedern ließ die Ölpreise explodieren und manch einen an der Zapfsäule resignieren. "1,18 Mark der Liter Super? Ich muss mich damit abfinden, es bleibt mir nichts anderes übrig“, sagte ein Autofahrer bei einer Straßenumfrage im Jahr 1990.

 Zweckbündnis OPEC+ seit 2016

Seit 2016 hat sich die OPEC mit zehn weiteren ölproduzierenden Ländern, darunter Russland, zum Zweckbündnis OPEC+ zusammengeschlossen. Zusammen mit ihren neuen Partnern kontrolliert die OPEC heute mehr als 40 Prozent der weltweiten Ölförderung. Das wichtigste Instrument des Kartells ist und bleibt die Regulierung des globalen Ölangebots - mit dem Ziel, auf diese Weise auch die Ölpreise zu kontrollieren. 

Die Wirtschaftskrise infolge der Covid-19-Pandemie überschattet das Jubiläumsjahr der OPEC. Den unerwartet massiven Verfall des Ölpreises konnte die OPEC zwar durch massive Förderkürzungen abfedern. Doch Experten warnen: Auf Dauer ist der Ölpreis zu niedrig. Allein Saudi-Arabien hat nach eigenen Angaben von April bis Juni 32,5 Milliarden. Dollar weniger mit Ölexporten eingenommen als im selben Zeitraum 2019.

Generalsekretär Barkindo blickt dennoch optimistisch in die Zukunft. "Die Covid-19-Pandemie sorgt für düstere Rahmenbedingungen", sagt er. "Aber ich kann mir keinen besseren Tribut vorstellen, den wir unseren Gründungsmitgliedern zollen könnten, als unsere wichtige Arbeit mit Hingabe fortzusetzen."

.

60 Jahre OPEC
Srdjan Govedarica, ARD Wien
14.09.2020 09:02 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. September 2020 um 10:28 Uhr.

Darstellung: