Getränkelieferer Flaschenpost | picture alliance / dpa

Kartellamt stimmt zu Oetker darf Flaschenpost übernehmen

Stand: 02.12.2020 12:29 Uhr

Das Bundeskartellamt hat der zum Oetker-Konzern gehörenden Radeberger-Brauerei grünes Licht für die Übernahme des Online-Getränkelieferdienstes Flaschenpost gegeben. Die Mitarbeiter sind verunsichert.

"Beim Einzelhandel mit alkoholischen und alkoholfreien Getränken kommen die Radeberger-Gruppe und Flaschenpost auch gemeinsam nur auf unbedenkliche Marktanteile", begründete Kartellamtspräsident Andreas Mundt die Entscheidung.

Tatsächlich summiert sich der Marktanteil der beiden Anbieter den Wettbewerbshütern zufolge nur auf knapp fünf Prozent. Das 2016 gegründete Start-up Flaschenpost liefert nach eigenen Angaben mittlerweile in 23 Städten Getränke innerhalb von 120 Minuten an die Kunden aus.

Milliardendeal

Oetker hatte seine Pläne zur Übernahme des schnell wachsenden Getränkelieferdienstes Anfang November bekanntgegeben. Verschiedenen Medienberichten zufolge beträgt der Kaufpreis zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro. Oetker selbst machte dazu keine Angaben.

Der Bielefelder Konzern stärkt mit dem Zukauf seine Getränkesparte. Denn das Unternehmen betreibt bereits gut 500 eigene Getränkeabholmärkte und besitzt den Online-Getränkelieferdienst durstexpress.de.

Massiver Druck ausgeübt

Im Vorfeld des Deals sei auf die Belegschaft beider Firmen massiver Druck ausgeübt worden, berichtete der SWR am Wochenende. "Die Braut sollte hübsch gemacht werden", zitiert er einen Mitarbeiter von Flaschenpost, der anonym bleiben wollte. Der SWR hat mit Mitarbeitern gesprochen sowie Lohnabrechnungen und Arbeitsverträge eingesehen.

Dabei werden bei Flaschenpost und Durstexpress immer wieder dieselben Vorwürfe laut, von denen auch Mitarbeiter anderer Lieferdienste berichten. Dabei geht um prekäre Arbeitsbedingungen, schlechte Bezahlung und die Verhinderung von Betriebsräten.

Hoffnung bei der Gewerkschaft

So moniert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss Gaststätten (NGG) in einer Pressemitteilung, Flaschenpost sei dafür bekannt, die Betriebskosten auf dem Rücken der Beschäftigten zu minimieren. Vor allem habe das Unternehmen alles darangesetzt, die Gründung von Betriebsräten zu verhindern. Tatsächlich hatte Flaschenpost Anfang des Jahres gegen die Wahl eines Betriebsrats am Standort Düsseldorf geklagt.

Für die Beschäftigten von Flaschenpost kann es also nur besser werden. Denn bei Oetker gehöre es zum guten Ton, die Arbeitsbedingungen mit der NGG zu regeln, sagte Freddy Adjan, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. Dezember 2020 um 16:00 Uhr.