Nebelschwaden bei einem Windrad bei Sehnde (Niedersachsen) | Bildquelle: dpa

Vorläufige Bilanz für 2019 Ökostrom auf Rekordkurs

Stand: 25.10.2019 12:55 Uhr

Ökostrom hängt Kohle ab. Fast 43 Prozent des Stroms sind in diesem Jahr aus Wind und Sonne gewonnen worden. Vor allem bei der Windenergie sehen Experten unbegrenztes Potenzial.

Der Ökostrom-Anteil in Deutschland ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres auf einen Rekordwert gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommen das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Nach Branchenangaben deckten erneuerbare Energiequellen aus Wind oder Sonne zusammen 42,9 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland. Das ist ein Plus von fast fünf Prozentpunkten zum Vorjahreszeitraum.

Im März erreichten die erneuerbaren Energien wegen des sehr starken Windaufkommens sogar einen Anteil von 52 Prozent. In den ersten drei Quartalen wurden den Angaben zufolge insgesamt rund 183 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Sonne, Wind und anderen erneuerbaren Quellen erzeugt.

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Bedeutung der Windkraft

Grafik zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien

Windkraft ist mit 49 % (On- und Offshore) wichtigster Lieferant von erneuerbaren Energien in Deutschland. Insgesamt wurden 2018 durch Windenergie von Land und auf See 17,5 % des gesamten Bruttostroms produziert. (Quelle: ag-energiebilanzen.de)

Kohlestrom abgehängt

Damit lagen die Erneuerbaren deutlich vor der Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle, die insgesamt rund 125 Milliarden Kilowattstunden beitrugen. Im Vorjahreszeitraum lagen der Anteil von Ökostroms und Kohle laut BDEW und ZSW noch fast gleichauf.

Die Bundesregierung hat das Ziel, 2030 einen Anteil aus erneuerbaren Energien von 65 Prozent zu erreichen. Jedoch ist gerade der Ausbau der Windkraft an Land ins Stocken geraten. Hauptgründe sind lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und viele Klagen.

Der BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer sagte, die Rekordzahlen beim Öko-Stromanteil stünden im Kontrast zur dramatischen Situation beim Ausbau der Windenergie. "Aufgrund fehlender Flächen und immer restriktiverer Abstandsregelungen rutschen wir in eine regelrechte Rezession. Wenn die Politik nicht endlich die Bremsen für den Ausbau der Windanlagen lockere, werde das 65 Prozent-Ziel krachend verfehlt.

Unbegrenztes Potenzial bei Wind

Die Möglichkeiten, das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, sind jedenfalls gegeben. Ein Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) betont das "quasi unbegrenzte Potenzial" von Offshore-Windenergie, wie es sie zum Beispiel in der Nordsee gibt. Nach Einschätzung der IEA könnten diese bis zum Jahr 2040 ihre Kapazitäten um das 15-Fache erhöhen und damit entscheidend zur Abkehr von fossiler Energie beitragen. Die Produktionskosten würden immer weiter sinken und der technische Fortschritt mache Windkraftanlagen im Meer immer effizienter, argumentierte die IEA.

Zwischen 2010 und 2018 wuchs der Markt bereits um fast 30 Prozent. In den kommenden fünf Jahren dürften 150 neue Windparks eröffnet werden, teilte die Energieagentur weiter mit, die Industrieländer in ihrer Energiepolitik berät. Derzeit haben die Parks in der EU eine Kapazität von knapp 20 Gigawatt. Diese Zahl dürfte aber bis 2040 auf 130 Gigawatt steigen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Oktober 2019 um 12:00 Uhr.

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