Pipeline in der Ostsee Nord Stream 2 in Deutschland genehmigt

Stand: 27.03.2018 14:29 Uhr

Deutschland hat als erster von fünf Staaten den Bau der neuen Ostseepipeline Nord Stream 2 im gesamten Abschnitt der deutschen Ostsee genehmigt. Nach dem Bergamt Stralsund hat nun auch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) seine Zustimmung erteilt.

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Der Bau der ersten Ostsee-Pipeline Nord Stream

Der ehemalige russische Präsident Dimitri Medwedew unterschreibt auf der Ostsee-Pipeline "Nord Stream".

"Viel Glück" schreibt der ehemalige russische Präsident Dimitri Medwedew auf ein Rohr für die Ostsee-Pipeline Nord Stream. Am 9. April 2010 ist offizieller Baustart in der Bucht von Portovaya in Russland. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Bergamt Stralsund erteilte erste Genehmigung

Dem Bau im 31 Kilometer langen Abschnitt in den Gewässern der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) stünden weder Belange der Schifffahrt noch der Meeresumwelt entgegen, teilte die Behörde am Dienstag in Hamburg mit. Das Bergamt hatte im Januar grünes Licht für den Bau der Erdgastrasse in den deutschen Küstengewässern gegeben.

Nord Stream erfreut: Im Frühjahr soll Bau beginnen

Verlauf der Nord-Stream-Pipeline | Bildquelle: dpa
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Die Pipeline soll sibirisches Erdgas nach Lubmin bringen. (Archivbild)

Damit erhält die Nord Stream 2 AG aus rechtlicher Sicht grünes Licht für den im Mai geplanten Baustart im Greifswalder Bodden und dem Anlandebereich in Lubmin. Die Tochter des russischen Gazprom-Konzerns begrüßte die Entscheidung: "Wir freuen uns, dass nunmehr alle notwendigen Genehmigungen für den insgesamt 85 Kilometer langen deutschen Trassenabschnitt vorliegen", sagte Nord-Stream-Manager Jens Lange.

Im Genehmigungsverfahren sei nachgewiesen worden, dass die Pipeline dazu beitrage, die künftige Versorgungslücke in Europa teils zu verkleinern und mehr Wettbewerb auf den Gasmarkt der EU zu bringen. Zudem habe das Verfahren nachgewiesen, dass die Pipeline umweltverträglich gebaut werden könne. Noch im Frühjahr sollen die Bauarbeiten in deutschen Gewässern beginnen.

Umweltverband hat geklagt

Allerdings hat der Umweltverband NABU mit Unterstützung der Naturschutzorganisation WWF Klage gegen die Genehmigung des Bergamts Stralsund vor dem Oberverwaltungsgericht Greifswald eingereicht. Die Naturschützer bemängeln zweierlei: So sei das Genehmigungsverfahren fehlerhaft geführt worden. Außerdem seien die Berechnungen von Nord Stream 2 zum erwarteten Erdgas-Defizit in Europa überzogen und damit die neue Pipeline wirtschaftlich nicht notwendig.

Kritik auch aus Europa

Doch das Vorhaben ist auch innerhalb Europas umstritten. Vor allem Mitgliedstaaten in Mittel- und Osteuropa hatten immer wieder bemängelt, dass Nord Stream 2 dem Vorhaben widerspreche, sich unabhängiger von russischen Gasimporten zu machen. Die Kritiker befürchten, dass die Sicherheit Europas in Gefahr gerät, wenn Russland bei der Energieversorgung zu viel Gewicht erhält.

Zustimmung in anderen Anrainerstaaten steht noch aus

In den anderen betroffenen Ostseeanrainerstaaten Dänemark, Schweden, Finnland und Russland steht die Zustimmung der Behörden noch aus. Die umstrittene Gaspipeline von Nord Stream 2 soll in etwa entlang der ersten rund 1.200 Kilometer langen Erdgastrasse auf dem Grund der Ostsee verlegt werden. Seit Fertigstellung von Nord Stream 1 im Herbst 2012 können 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr transportiert werden.

Mit der neuen Pipeline soll die Kapazität verdoppelt werden. Beteiligt sind an den Nord-Stream-2-Plänen neben Russland auch die deutschen Konzerne Eon und BASF sowie das britisch-niederländische Unternehmen Shell, die österreichische OMV und die französische Engie-Gruppe.

Dieses Thema im Programm:
NDR 1 Radio MV | 27.03.2018 | 14:00 Uhr

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