Auf dem Bildschirm eines Smartphones ist das Twitter-Profil von Elon Musk zu sehen. | AFP

Übernahme durch Musk "Das Beste, was Twitter passieren konnte"

Stand: 26.04.2022 04:05 Uhr

Für fast 44 Milliarden Dollar kauft Tesla-Chef Musk den Kurznachrichtendienst Twitter. Der Deal sorgt bei manchen Analysten für Begeisterung: Sie hoffen, dass dank Musk Twitter für Influencer attraktiver wird.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Die Übernahme wurde von einigen US-Medien gewertet wie eine Wahl oder ein Raketenstart: Es gab Liveticker, die über kleinste Gerüchte berichteten - bis dann klar war: Twitter wird verkauft an den Milliardär Elon Musk.

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Der nach Schätzungen reichste Mann der Welt ist künftig also nicht nur Chef einer Elektroautofirma, eines Weltraum- und Tunnelbohrunternehmens, sondern ihm gehört dann auch eine der größten und wichtigsten Social-Media-Plattformen der Welt.

54,20 US-Dollar pro Aktie

Musk kauft das Unternehmen für 54,20 US-Dollar pro Aktie. Das Geld hatte er sich von verschiedenen Banken zusammengeliehen. Ein Teil wird durch seine Tesla-Aktien abgesichert.

Der Deal ist abgeschlossen, wenn auch die Aktionäre zustimmen. Mit einigen wichtigen Anteilseignern hatte Musk in der vergangenen Woche telefoniert und Überzeugungsarbeit geleistet, denn der Vorstand hatte die Übernahme eigentlich verhindern wollen. 

Vielleicht sei dies die Rettung für Twitter, meint Marktexperte Thomas Hayes im Interview mit Yahoo Finance:

Ich denke, das ist das Beste, was Twitter passieren konnte. Twitter ist ein verlassenes Gebäude mit Graffiti an den Wänden in einer schlechten Nachbarschaft geworden. Elon wird das Graffiti abwaschen und das Gebäude größer machen. Ich denke, dass Influencer, die eher stiller geworden sind auf Twitter, wieder aktiver werden, denn wenn jemand sie überzeugen kann - dann ist es Elon Musk.

Musk will Twitter von der Börse nehmen

Seine konkreten Pläne hat Musk noch nicht öffentlich vorgelegt. So viel ließ er aber durchblicken: Er wolle Twitter von der Börse nehmen, der Vorstand solle kein Gehalt mehr bekommen. 

Musk betonte: Es gehe ihm nicht darum, mit Twitter viel Geld zu verdienen, sondern um Meinungsfreiheit, erklärte er Mitte April:

Wir brauchen eine inklusive Arena für freie Rede. Die Menschen müssen die Gewissheit haben, dass sie dort frei ihre Meinung äußern können, innerhalb der Regeln des Gesetzes. Ich denke, Twitter sollte seinen Algorithmus offenlegen. Und wenn etwas geändert wird, an einem Tweet beispielsweise, sollte es sichtbar sein, dass dort etwas gemacht wurde.

Mehr Transparenz, mehr Freiheiten

Musk fordert mehr Transparenz - aber auch mehr Freiheiten für die Nutzer. Der Milliardär hatte immer wieder kritisiert, dass seiner Ansicht nach zu viel auf Twitter zensiert werde. 

Der Milliardär, der selbst mehr als 80 Millionen Follower auf Twitter hat, ist selbst sehr aktiv auf der Plattform. Was ihm schon Ärger einbrachte. Die US-Börsenaufsicht SEC hatte ihm beispielsweise vorgeworfen, irreführende Angaben gemacht zu haben, als er twitterte, er wolle Tesla von der Börse nehmen.

Zudem gab es eine Klage wegen Verleumdung gegen Musk. Er hatte einen Rettungsschwimmer 2018 im Zusammenhang mit dem Höhlen-Drama um eine Gruppe eingesperrter Kinder in Thailand kritisiert und als 'Pädophilen' bezeichnet. 

Im Weißen Haus betont unbeeindruckt

Im Weißen Haus gab man sich betont unbeeindruckt von dem Twitter-Deal. Pressesprecherin Jen Psaki verwies darauf, dass die Social-Media-Konzerne insgesamt genau beobachtet würden - auch Twitter: 

“Unabhängig davon, wem Twitter gehört - der Präsident ist seit Langem besorgt über die Macht großer Social-Media-Plattformen. Er ist der Meinung, dass Tech-Plattformen für die Schäden, die sie verursachen, zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Und er ist optimistisch, denn dem stimmen beide politischen Lager zu.

Heiß diskutiert wird in den USA bereits, ob dies auch bedeutet, dass der ehemalige US-Präsident Donald Trump wieder auf Twitter zugelassen wird. Der war nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 von Twitter suspendiert worden. Dem Nachrichtensender Fox sagte Trump, er wolle aber auch gar nicht zu Twitter zurück. In diesem Jahr hatte Trump sein eigenes soziales Netzwerk, "Truth Social", auf den Weg gebracht.

Über dieses Thema berichtete das Morgenmagazin im Ersten am 26. April 2022 um 05:45 Uhr.