Flugzeuge der Lufthansa stehen geparkt auf den Frankfurter Flughafen. | Bildquelle: dpa

Schleppende Rückerstattungen Verbraucherschützer verklagen Lufthansa

Stand: 28.09.2020 17:27 Uhr

Der Lufthansa droht in der Corona-Krise weiterer Ärger. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat die Fluggesellschaft verklagt - wegen der schleppenden Rückerstattung stornierter Flugtickets.

Weil sie mit der Rückerstattung stornierter Flugtickets seit Monaten nicht hinterher kommt, droht der Lufthansa nun weiterer Ärger. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat beim Landgericht Köln Klage gegen die Airline eingereicht. Ein Verhandlungstermin steht noch nicht fest.

Abmahnung blieb ohne Folgen

Vorangegangen war eine Abmahnung durch die Verbraucherschützer: Die Lufthansa habe ihre Kunden nicht über deren Rechte informiert, das Recht auf schnelle Erstattung verschwiegen und den Flugpreis nicht innerhalb von sieben Tagen zurückgezahlt. Da das Unternehmen nicht auf die Abmahnung reagierte, folgte nun die Klage.

Seit Ausbruch der Corona-Krise und der damit einhergehenden Reisewarnungen hatte die Lufthansa Millionen Flüge - und damit Tickets - stornieren müssen, die fristgerechte Erstattung jedoch nach eigenen Angaben versäumt. Noch immer sind laut Airline etwa 900.000 Vorgänge offen - dabei hatte der Konzernvorstand vor mehr als zwei Monaten angekündigt, binnen vier bis sechs Wochen sämtliche Ticketpreise zu erstatten.

Vorwurf der gezielten Desinformation

Die Verbraucherschützer werfen der Lufthansa gezielte Desinformation vor. Anhand konkreter Fälle wollen sie darlegen, wie Kunden bewusst getäuscht worden seien, indem die Fluggesellschaft bevorzugt Umbuchungen angeboten und nicht über die Möglichkeit einer Rückerstattung informiert habe.

"Verbraucher, die nicht wissen, dass sie einen Anspruch auf die Rückzahlung haben, werden durch die falschen Informationen getäuscht", erklärt der Reiseexperte der Verbraucherzentrale, Oliver Buttler. "Gerade ein Unternehmen, das durch staatliche Mittel massiv unterstützt wird, darf sich nicht so vor seiner Verantwortung und seinen gesetzlichen Pflichten drücken."

Neun Milliarden Euro Staatshilfen

Die von der Corona-Krise massiv betroffene Lufthansa und ihre Konzern-Marken hatten Staatshilfen in Höhe von insgesamt neun Milliarden Euro erhalten, um einen Kollaps abzuwenden. Auch vor diesem Hintergrund steht das Unternehmen wegen seiner schleppenden Erstattungspolitik seit längerem in der Kritik.

Um ihre Kunden milder zu stimmen, hatte die Lufthansa zuletzt angekündigt, bis Jahresende auf Umbuchungsgebühren zu verzichten. Ungeachtet der staatlichen Unterstützung muss die Airline weiter einen rigiden Sparkurs fahren und Jobs abbauen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. September 2020 um 15:00 Uhr.

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