Lars Feld | dpa

Früherer Wirtschaftsweiser Feld wird Lindners persönlicher Berater

Stand: 14.02.2022 15:30 Uhr

Der ehemalige Wirtschaftsweise Lars Feld wird persönlicher Berater von Bundesfinanzminister Christian Lindner. Die Personalie ist bei den Regierungsparteien nicht unumstritten.

Der frühere Vorsitzende der sogenannten "Wirtschaftsweisen", Lars Feld, wird ökonomischer Berater von Bundesfinanzminister Christian Lindner. Er schätze Feld vor allem wegen seines ordnungspolitischen Kompasses, erklärte der FDP-Chef: "Stabile Staatsfinanzen und eine maßvolle Fiskalpolitik bilden die Grundpfeiler einer funktionierenden Sozialen Marktwirtschaft. Kaum ein anderer Ökonom in unserem Land hebt diesen Zusammenhang immer wieder so deutlich hervor wie Professor Lars Feld", ergänzte Lindner.

Offiziell soll der 55-Jährige "Persönlicher Beauftragter des Bundesministers der Finanzen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung" werden und Lindner bei der Bewertung makroökonomischer Fragen unterstützen. Feld habe sich als einer der profiliertesten Streiter für die Schuldenbremse und eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik hervorgetan, erklärte Lindner.

Feld will seinen Lehrstuhl behalten

Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik ist eine makroökonomische Theorie, die davon ausgeht, dass wirtschaftliches Wachstum durch Deregulierung der Unternehmensseite geschaffen wird. Das bedeutet, dass Wirtschaftswachstum am effektivsten durch Senkung von Steuern und Verringerung der Regulierung gefördert werden kann. Dadurch haben Unternehmen mehr Spielraum für Investitionen und können Arbeitsplätze schaffen. Die Verbraucher sollen im Ergebnis von einem größeren Angebot zu günstigeren Preisen profitieren.

Lars Feld werde ehrenamtlicher Berater des Bundesfinanzministeriums. Gleichzeitig will Feld als Wissenschaftler unabhängig bleiben. Der "Badischen Zeitung" sagte er, seine Professur am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und Ordnungsökonomik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg werde er behalten. Feld ist zudem Direktor des Walter Eucken Instituts.

Umstrittene Personalie

Die Ernennung von Lars Feld ist insofern beachtlich, als die Personalie bei den Parteien der Ampel-Koalition nicht unumstritten ist. Denn der Wirtschaftswissenschaftler war bis Ende Februar 2021 Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die Experten dieses Gremiums werden umgangssprachlich auch als die "Wirtschaftsweisen" bezeichnet.

Sein Vertrag für das Gremium war nicht verlängert worden. Seitdem gibt es ein Patt zwischen den vier verbliebenen Wissenschaftlern im Sachverständigenrat und daher oft keine klaren Empfehlungen an die Bundesregierung.

Grund für die Nichtverlängerung war das Veto der SPD. Viele Sozialdemokraten halten Feld in der Finanzpolitik für zu rigoros. Die Union hatte deswegen Olaf Scholz - damals Bundesfinanzminister - mit ungewöhnlich scharfen Worten angegriffen. Hinter dem Streit steht die Frage, ob und wann Deutschland nach der Corona-Krise die eigentlich im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse wieder einhalten soll. "Wenn die Bundesregierung nicht möchte, dass im Rat finanzpolitisch künftig primär Gewerkschaftspositionen vertreten werden, muss sie sich entsprechend entscheiden", sagte Feld damals.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 14. Februar 2022 um 12:15 Uhr.