Mit schwerem Gerät wird im Tagebau Hambach c abgebaut.  | Bildquelle: picture alliance/dpa

Kohleausstieg RWE erwartet "signifikanten Stellenabbau"

Stand: 28.01.2019 18:48 Uhr

RWE stellt sich laut eigenen Angaben nach dem Kompromiss für den Kohleausstieg auf einen Arbeitsplatzabbau ein. Konkrete Zahlen für diesen "erheblichen Personalabbau" gibt es aber noch nicht.

Der geplante Kohleausstieg wird laut RWE auch Jobs bei dem Energiekonzern kosten. Im WDR-Interview sagte RWE-Vorstand Frank Wiegand, die Empfehlungen der Kohlekommission würden "gravierende Auswirkungen" haben, es werde einen "erheblichen Personalabbau" geben.

"Tiefe Einschnitte"

Zuvor hatte schon RWE-Chef Rolf Martin Schmitz in der "Rheinischen Post" von einem "signifikanten Stellenabbau" gesprochen. Man habe in den vergangenen Jahren im rheinischen Revier in den vergangenen Jahren schon Kraftwerksblöcke für die Sicherheitsbereitschaft vom Netz genommen: "Weitere Stilllegungen werden deshalb umso schwieriger und werden dann wohl auch große Auswirkungen auf das Tagebausystem haben."

Er rechne mit einem signifikanten Personalabbau bereits bis 2023. Dies betreffe unmittelbar bis Ende 2022 die Mitarbeiter der zu schließenden Kraftwerke. In den darauffolgenden Jahren seien dann auch Beschäftigte im Tagebau betroffen. Der Abbau werde sozialverträglich erfolgen.

Positiv sei, dass die Kohlekommission ein fast einstimmiges Ergebnis erreicht habe. "Denn wir brauchen einen Konsens und Planungssicherheit." Wie die Umsetzung genau funktioniere und was das im Einzelnen für RWE heiße, müsse man erst einmal analysieren. "Klar ist aber, und das sollte allen bewusst sein, in der Braunkohle wird es tiefe Einschnitte geben."

RWE will Erhalt des Hambacher Forsts "prüfen"

Der RWE-Chef äußerte sich auch zum Hambacher Forst, den RWE für den Braunkohleabbau eigentlich roden lassen will und der zum Symbol der Anti-Kohle-Bewegung geworden ist. Die Kohlekommission hatte den Erhalt des Waldes als "wünschenswert" bezeichnet.

Schmitz zeigte sich hier gesprächsbereit. "Wir werden prüfen, was sinnvoll machbar ist unter Berücksichtigung der Erfordernisse der weiteren Nutzung des Tagebaus und der Rekultivierung", sagte er. "Ich gehe davon aus, dass man das Gespräch dazu mit uns suchen wird."

RWE-Chef Martin Schmitz | Bildquelle: dpa
galerie

RWE-Chef Schmitz erwartet "tiefe Einschnitte" in der Braunkohle.

Kretschmer fordert Gesetze bis Ende April

Die Kohlekommission hatte in ihrem am Samstag vorgelegten Bericht vorgeschlagen, als schnellen Einstieg in den Kohleausstieg bis 2022 insgesamt sieben Gigawatt Kohlekapazität zusätzlich vom Netz zu nehmen, davon drei Gigawatt Braunkohle. In dem Bericht werden keine konkreten Kraftwerke für die Stilllegung genannt.

Spätestens 2038 soll in Deutschland Schluss sein mit der Kohleverstromung. Das Enddatum kann aber noch auf 2035 vorgezogen werden. "Das wird ein Kraftakt für alle und kann nur gelingen, wenn die Politik tatkräftig und verlässlich unterstützt", sagte Schmitz. "Und selbst dann werden wir sehen, ob ein so frühes Ausstiegsdatum am Ende überhaupt sinnvoll möglich ist."

Ebenfalls in einem Gespräch mit der "Rheinischen Post" forderte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, dass die Bundesregierung nun zügig die gesetzliche Grundlage ausarbeitet. "Wir brauchen eine gesetzliche Fixierung dieser Maßnahmen", so der CDU-Politiker. "Wir haben die Erwartung, dass bis Ende April diesen Jahres die Eckpunkte für das Maßnahmengesetz und das Planungsbeschleunigungsgesetz vorliegen."

Kraftwerksbetreiber besorgt

Bereits am Wochenende hatte RWE mitgeteilt, dass der Konzern das Jahr 2038 für den Ausstieg "für deutlich zu früh" halte. Deshalb sei es vernünftig, "dieses Datum im Jahr 2032 noch einmal einer umfassenden Prüfung zu unterziehen".

Der ostdeutsche Kraftwerks- und Tagebaubetreiber Leag und der Braunkohleverband Debriv zeigten sich ebenfalls besorgt. Debriv kritisierte zudem, sachlich gut begründete, wirtschaftlich vernünftige und den Regionen nützliche Kompromissvorschläge aus Industrie, Gewerkschaften und den Bundesländern seien vielfach nicht übernommen worden.

Der Karlsruher Versorger EnBW erklärte: "Wichtig ist eine langfristig verlässliche und breit akzeptierte Lösung für einen Ausstieg aus der Kohleverstromung, die allen Akteuren Planungssicherheit gibt."

Wie weiter nach dem Kohlekompromiss?
Sabine Müller, ARD Berlin
28.01.2019 07:16 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Januar 2019 um 07:00 Uhr.

Darstellung: