Ein Brenner und Maschinenführer arbeitet mit Plasmaschneidgerät in einer Schiffbauhalle | dpa

KfW-Studie Mittelstand streicht viele Jobs

Stand: 22.10.2020 12:13 Uhr

Der Mittelstand in Deutschland muss wegen der Corona-Krise mit deutlich sinkenden Umsätzen rechnen. Jede sechste Firma streicht daher Stellen. Laut einer KfW-Studie könnten 1,1 Millionen Jobs wegfallen.

Infolge der Corona-Krise baut der Mittelstand in Deutschland zahlreiche Arbeitsplätze ab. Bis zu 1,1 Millionen Jobs könnten die mittelständischen Unternehmen laut einer Studie der staatlichen Förderbank KfW im laufenden Jahr streichen. Demnach gaben 16 Prozent der Mittelständler an, die Zahl der Stellen infolge der Pandemie zu reduzieren, um Kosten zu senken. Im Schnitt wollen sie auf jeden fünften Mitarbeiter verzichten.

Etwa zwei Drittel der mittelständischen Unternehmen gaben allerdings auch an, die Zahl der Beschäftigten trotz der Krise stabil zu halten. 2019 hatte die Zahl der Beschäftigten im Mittelstand den Rekordwert von 32,3 Millionen erreicht. Der sich nun abzeichnende Rückgang entspricht etwa der Zahl von Arbeitsplätzen, die in den drei vorangegangenen Jahren neu entstanden waren.

Umsätze werden stark zurückgehen

Infolge der Krise rechnet mehr als die Hälfte der Firmen mit Umsatzeinbußen. Insgesamt könnten die Erlöse des Mittelstands demnach in diesem Jahr um 545 Milliarden Euro schrumpfen. Das entspräche einem Minus von zwölf Prozent. Auf die sinkenden Umsätze reagieren viele mittelständische Unternehmen auch mit Einschnitten bei Investitionen, die 2019 mit 187 Milliarden Euro einen Höchstwert erreicht hatten. Viele Investitionsprojekte würden nun auf Eis gelegt, schrieb die KfW in ihrer Studie.

"Trotz der komfortablen Ausgangslage der meisten mittelständischen Unternehmen in Deutschland wird die Corona-Krise Spuren hinterlassen", sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Die Folgen der Pandemie würden sich nicht nur in den Bilanzen der Firmen, sondern auch in den Köpfen der Manager niederschlagen. "Vorsicht und Zurückhaltung könnten das Handeln vieler in der kommenden Zeit bestimmen."

Mehr Liquidität entspannt die Lage

Die KfW-Studie zeigt zugleich auch, dass sich viele Unternehmen besser auf die Folgend der Pandemie einstellen. Im Falle eines erneuten Lockdowns sähe sich aktuell jeder dritte Mittelständler mit ausreichenden Reserven gerüstet, sagte Köhler-Geib. Weitere 28 Prozent gaben an, ausreichend Reserven für sechs bis zwölf Monate zu haben. "Insgesamt verfügt der Mittelstand in Deutschland über eine hohe finanzielle Widerstandskraft. Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren einen hohen Bestand an Eigenkapital aufgebaut, wovon sie nun profitieren."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Oktober 2020 um 07:20 Uhr.