Kaufhof Karstadt | Bildquelle: dpa

Karstadt-Kaufhof-Fusion Neues Logo, neues Glück?

Stand: 30.04.2019 01:14 Uhr

In Prospekten werben Karstadt und Kaufhof schon zusammen - und mit neuem Logo. In den Kaufhäusern ist aber nahezu alles wie immer. Kann die Fusion so gelingen? Experten sind da skeptisch.

Von Friederike Hofmann, WDR

Ein paar Aufsteller mit dem neuen Logo, ein Plakat, ein mit dem neuen Schriftzug dekoriertes Schaufenster: Wer durch das Karstadt-Warenhaus in der Kölner Breite Straße bummelt, bekommt von der Fusion von Karstadt und Kaufhof noch wenig mit. Über den Eingängen hängt noch das alte Karstadt-Logo, es wird für die Karstadt-Kundenkarte geworben, auch ansonsten scheint alles beim Alten. In der circa 800 Meter entfernten Kaufhof-Filiale sieht es ähnlich aus.

Ein Prospekt, aber zwei verschiedene Angebote

Perspektivisch soll der Sportbereich vergrößert werden. Auch Gastronomie und Lebensmittel sollen an Bedeutung gewinnen. Das wurde im Intranet des Unternehmens verkündet. Was es jetzt schon gibt, sind die ersten gemeinsamen Angebote - und eine gemeinsame Werbekampagne: "Wir sind zusammen Deins."

"Die neue Kampagne an sich ist nicht schlecht, aber es muss auch gelebt werden", sagt Martin Fassnacht, Marketing- und Handelsprofessor von der WHU Otto Beisheim School of Management. "Man muss das auch auf der Fläche sehen. Und man darf die Kundenerwartungen nicht zu stark wecken." Im gemeinsamen Prospekt gibt es neben einheitlichen Angeboten weiterhin separate für Karstadt und Kaufhof. Das mache wenig Sinn, so Fassnacht.

Kaufhof Karstadt | Bildquelle: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX
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Die alten Namen Kaufhof und Karstadt eher versteckt, der vom Kaufhof übernommene Zusatz "Galeria" ganz groß - so sieht das neue Logo des Warenhauskonzerns aus.

Neues Logo: Nicht kreativ, aber pragmatisch

Das gemeinsame Logo "Galeria Karstadt Kaufhof" wurde Mitte März enthüllt - eine Mischung aus den bisherigen Firmennamen und Farben. "Die neue gemeinsame Marke und das gemeinsame Logo sind vielleicht nicht besonders kreativ, aber um Kreativität geht es hier gar nicht", sagt Fassnacht. Eine neue Marke zu finden und Bekanntheit aufzubauen koste viel zu viel Geld und Zeit. Das sei ein pragmatischer Weg.

Die Zusammenführung der ehemaligen Konkurrenten ist insgesamt eine Mammutaufgabe. "Gleichwertige Unternehmen zusammenzuführen, klappt äußerst selten", sagt Gerrit Heinemann, Professor für BWL, Management und Handel an der Hochschule Niederrhein. Fraglich sei auch, ob die beiden Unternehmen überhaupt genug Gewinn machen können. Beide schauen ja auf einige Krisenjahre zurück.

"Amazon ist das, was früher Kaufhäuser waren"

Zwar gibt es Synergien zwischen den Unternehmen, so wird die Beschaffung zum Beispiel gebündelt. Aber es stellt sich die Grundfrage, welche Zukunft das Warenhaus an sich hat. "Das Sortiment ist sehr breit von Spiel- über Sportwaren bis hin zu Nahrungsmitteln. Gleichzeitig ist es auch sehr tief, das heißt, es gibt viel Auswahl. Das bedeutet hohe Kosten", so WHU-Experte Fassnacht.

"Amazon ist das, was früher Kaufhäuser waren, aber mit niedrigeren Kosten." Aktuell gibt es mehr als 170 Warenhäuser der Unternehmensgruppe in Deutschland. "Ohne Filialschließungen wird es nicht gehen. Das kann sich so nicht rechnen", erwartet Fassnacht.

Kaufhof Karstadt | Bildquelle: Friederike Hofmann/WDR
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In den Kaufhäusern - wie hier in der Kölner Karstadt-Filiale - hat sich noch nicht viel verändert.

Einkaufserlebnis der Zukunft?

Die Frage ist, wie sich die Kaufhäuser erneuern können. "Entscheidend ist, ob es gelingt, Einkaufen zum Erlebnis zu machen, zum Beispiel mit kompetenter Beratung, einer schönen Atmosphäre, persönlicher Betreuung."

Heinemann sieht noch einen anderen Weg: "Viele Häuser haben sich bereits zu Shoppingcentern verwandelt. Das heißt: Flächen wurden an externe Anbieter vermietet." Somit könnten Mieteinnahmen generiert werden.

Kundenservice noch separat

Umtausch ist aktuell noch immer nur bei der Filiale des jeweiligen Unternehmens möglich. Das sieht Michelle Jahn, Juristin von der Verbraucherzentrale NRW, kritisch: "Die Fusion der beiden Warenhäuser sollte ohne Nachteile für ihre Kunden vonstatten gehen und möglichst durchlässig sein. Dieses Ziel scheint derzeit noch nicht erreicht, weil die Kunden des einen Unternehmens sich nicht uneingeschränkt an das andere Unternehmen wenden können."

Auch Geschenkgutscheine sind derzeit nur beim jeweiligen Unternehmen einlösbar. Die Kundenprogramme sind auch noch nicht vereint. Wann sich das ändern wird, ist noch unklar. Von einem einheitlichen Einkaufserlebnis für die Kunden ist man aktuell also noch ein ganzes Stück entfernt.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell "Wirtschaft und Börse" am 25. März 2019 um 07:38 Uhr.

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