Mann sitzt in Jogginghose auf einem Sofa | Bildquelle: picture alliance / dpa

Modetrend in Corona-Zeiten Der Triumph der Jogginghose

Stand: 24.11.2020 13:36 Uhr

Die Verkaufszahlen zeigen es: Die Jogginghose setzt in der Pandemie zum Siegeszug im Bekleidungs-Sortiment an. Was offensichtlich viel mit den Arbeitsbedingungen im Homeoffice zu tun hat.

Von Eva Macht, SWR

Es gibt sie auch in bordeauxrot - gegen den Novemberblues darf es ein bisschen bunter sein. Aber natürlich existiert das Modell ebenso in grau und in schwarz. Schwarz geht schließlich immer. "Der Jogginghosen-Trend ist momentan in der Hochphase", schwärmt Joachim Aisenbrey, Geschäftsführer beim Stuttgarter Traditionskaufhaus Breuninger. "Praktisch alle Kollektionen haben ein Element der Jogginghose mit reingenommen, durch den Tunnelzug zum Beispiel wird dieses Wohlfühlen und dieser Tragekomfort ganz prägnant herausgestellt."

Bei Tommy Hilfinger weiß Vorstandschef Martijn Hagman: "Den Trend zu Casual, zu leichter, bequemer und lockerer Mode, gibt es schon länger." Diese "Casualisierung" habe aber durch die Corona-Krise noch zugenommen. Auch bei Adidas beobachtet man im Online-Shop eine deutlich höhere Nachfrage nach Leggings, Sweatshirts, T-Shirts und Jogginghosen.

Spott von Karl Lagerfeld

Die Jogginghose also. Dieses Kleidungsstück, das Karl Lagerfeld einst verächtlich so kommentierte: "Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren." Doch das war vor Corona und vor dem Homeoffice.

Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr wissen die meisten, was "waist-up dressing" bedeutet. Also: Ab Taille aufwärts bitte ordentlich anziehen, die Bluse oder das Hemd gebügelt. Denn auch in der Videokonferenz ist Seriosität gefragt. Aber weil sich die Kamera nicht bücken kann, geht ab Taille abwärts ganz prima die Jogginghose. Auch ungebügelt. Das ist ziemlich praktisch, weil man in der Mittagspause einfach losjoggen kann, mal eben um den Block. Und es ist vor allem bequem.

Wie die Jogginghose von Corona profitiert
Morgenmagazin, 24.11.2020, Sebastian Deliga, SWR

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Französische Erfindung

Erfunden hat die Jogginghose übrigens Emile Camuset. Er besaß einen Strumpfwarenladen in der Champagne und gründete vor etwa 100 Jahren die Sportausrüstungsfirma "Le Coq Sportif". Camuset entwickelte neue Kleidungslinien, die Baumwollrippen, gebürstetes Fleece und Jersey enthielten. Und die - vor allem den Herren - mehr Bein- und Bewegungsfreiheit beim Sport geben sollten.

Schild mit der Aufschrift "We say 'no' to sweatpants" hängt an der Tür einer Cafes | Bildquelle: picture alliance / Marijan Murat
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Das Schild mit der Aufschrift "We say no to sweatpants" hat es inzwischen ins Museum geschafft.

Mit Sport assoziierte auch der Stuttgarter Gastronom Stefan Gauß die Jogginghose. Die sei viel zu leger für den öffentlichen Auftritt außerhalb der Tartanbahn, nichts für den Alltag und vor allem nichts für sein Café. Gauß hängte vor zwei Jahren kurzerhand ein Schild an die Tür seines Lokals: "We say no to sweatpants." Das Schild hat es mittlerweile ins Museum geschafft. Es hängt im Haus der Geschichte in Bonn.

Beim Budget gibt es eine gewisse Bandbreite, wie sich im Kaufhaus Breuninger erfahren lässt. Die Preise reichen von 30 Euro bis knapp 1000 Euro pro Modell, da steht dann eben Gucci drauf. Das dürfte den meisten aber doch entschieden zu viel sein - für eine Jogginghose.

Über dieses Thema berichtete das Morgenmagazin am 24. November 2020 um 06:19 Uhr.

Korrespondentin

Eva Macht | Bildquelle: SWR/Alexander Kluge Logo SWR

Eva Macht, SWR

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